Braun statt Grün : Herbizideinsatz bleibt umstritten

Teile der Grünlandflächen bei Woitendorf wurden behandelt und umgebrochen. Eine Ansaat erfolgt in den kommenden Wochen.
Teile der Grünlandflächen bei Woitendorf wurden behandelt und umgebrochen. Eine Ansaat erfolgt in den kommenden Wochen.

Naturschützer wünschen sich alternative Bearbeitung / Landwirte weisen Kritik zurück und sehen Preisverfall am Weltmarkt kritisch

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12. August 2015, 06:30 Uhr

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erhitzt weiter die Gemüter in der Region. Nach dem Aufschrei von  Uwe Grau und seiner Frau in Schaddingsdorf, meldeten sich weitere Leser am SVZ-Telefon und  äußerten ihre Verwunderung über die Bearbeitung von Dauergrünlandflächen bei Woitendorf und  Bülow-Krim.  Auch dort wurden Flächen mit Pflanzenschutzmitteln behandelt.  Besonders prekär ist die Situation, weil die Flächen in Schaddingsdorf und Woitendorf zum Biosphärenreservat Schaalsee gehören.  Der augenscheinliche Einsatz von Mitteln wie  Roundup,  zum  Totspritzen  von Flächen wie an der Bülower Krim als auch   bei Schaddingsdorf, wird  als problematisch gesehen. „Das kann doch nicht ein“, sagte Uwe Grau gegenüber der SVZ als er Fläche bei Schaddingsdorf unter die Lupe nahm. 

Grundsätzlich nichts falsch gemacht, sagt Fiete Jacobs,  einer der Eigentümer  von Grund und Boden an der Bülower Krim. Er verweist auf den Pächter, dem landwirtschaftlichen Betrieb von Klaus Babbe, der mit Übernahme der  Agrargenossenschaft Demern die  Flächen beackert.  Ihm als Eigentümer  sei von einer Umnutzung nichts bekannt.  Jacobs  geht von „einer Grünlanderneuerung aus“ und sagt weiter: „Das ist üblich, wenn  Flächen nicht die erforderlichen Erträge bringen.“  Das angewandte Mittel sei   für solche Arbeiten zugelassen und hoch wirksam gegenüber einer mehrfachen mechanischen  Bodenbearbeitung.

Das stimmt zwar,  sagt Klaus Jarmatz, Chef des Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe. In der Entwicklungszone des Reservates dürften Landwirte Dünger und Pflanzenschutzmittel einsetzen. Da rund 70 Prozent der Biosphäre Entwicklungszone ist, gebe es auch immer wieder Anrufe deswegen. „Wir würden uns wünschen, dass die Bauern das nicht machen“, sagt Jarmatz. Die gute bäuerliche Praxis wie er es nennt, sei nicht gerade ideal. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln  vernichte mit einem Schlag alle Lebewesen dieses Areals. Die Biosphäre versucht deswegen, Landwirte davon zu überzeugen,  auf eine ökologische Bewirtschaftung umzusteigen.

Klaus Babbe, Chef  Agrargenossenschaft Demern, hält die modernen Produktionsformen aber  für unabdingbar: „Es handelt sich um das Einmaleins der Landwirtschaft.   Damit nach  fast 30 Jahren die neuen Gräser überhaupt eine Chance erhalten, müssen wir die Flächen vor der Ansaat behandeln.“ 

Eine  alternative arbeitsaufwendige Beackerung  bedeute Zeit und Ernteverlust für ein Jahr.  „Angesichts der aktuellen Milchpreise kann sich das kein landwirtschaftliches Unternehmen leisten“, so Babbe.  Schnell und effizient müsse gearbeitet werden, damit die Milchkühe  gesundes Grundfutter  von den Dauergrünlandflächen erhalten. Zudem  verfüge Deutschland  über die höchsten Umweltstandards. „Die müssen wir erfüllen. Gleichzeitig erwartet die Mehrheit der  Verbraucher günstige Lebensmittelpreise“, so Babbe. Fest steht: Für  eine Bewirtschaftung von Dauergrünlandflächen erhalten landwirtschaftliche Unternehmen öffentliche Zahlungen. Diese sind an  höhere Umwelt- Tier- und Verbraucherschutzstandards geknüpft, heißt es bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Somit erhielt auch Klaus Babbes Unternehmen  in 2014 rund  245 000 Euro Direktzahlungen für eine besondere Pflege derartiger Flächen.  Zu den Direktzahlungen heißt es: „Flächen, auf denen kein Anbau mehr erfolgt, müssen durch entsprechende Pflegemaßnahmen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand gehalten werden.“ Die Direktzahlungen sind zudem eine „Risikoabsicherung gegenüber Mitbewerbern mit niedrigen Umweltstandards  auf dem Weltmarkt“. Ob dabei der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln   der richtige Weg ist, bezweifelt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Die Organisation warnt  vor dem Einsatz von Roundup  und verweist auf die  Studie  „Glyphosat und Agrogentechnik“. Die Risiken seien  dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Landwirtschaft (BVL) und Auswirkungen auf die  Nutztiere bekannt.Volker BohlmannManja Nowitzki

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