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Flüchtlinge im Landkreis : Helfen kann ganz einfach sein

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Gemeindereferentin Barbara Dickau unterstützt Flüchtlinge in Gadebusch. Münzstadt wird für Engagement gelobt

svz.de von
erstellt am 21.Okt.2015 | 23:51 Uhr

Eigentlich möchte sie gar nicht viel darüber reden. Bloß nicht so viel Aufhebens bitte. Barbara Dickau sitzt in einem kleinen Raum im Gemeindehaus der Katholischen Kirche in Gadebusch. Zwei Firmanden lernen gerade die fünf Säulen des Islams kennen. Wie passend für das Gespräch. Dann erzählt Barbara Dickau doch, über die Schicksale der Flüchtlinge und wie schwierig es für die war, im Supermarkt die Alufolie zu finden.

Barbara Dickau ist Gemeindereferentin. So hat sie auch einige Flüchtlinge kennenglernt. Afghanen, Mazedonier, eine Frau aus Ghana und die Kinder. „Seit April besuche ich sie. In der Zeit haben wir Vertrauen aufgebaut.“ Vertrauen heißt, die Asylbewerber erzählen ihr, warum sie ihr Heimatland verlassen mussten und wen sie zurückgelassen haben. „Nach und nach erfahre ich ihre Geschichten“, erzählt Barbara Dickau, „und das nimmt mich mit.“ In Gadebusch leben einige Afghanen. Die SVZ hat schon über ihre Flucht und ihr neues Leben in Nordwestmecklenburg berichtet. „Einer von ihnen musste seine Frau und die kleinen Kinder zurücklassen“, sagt Barbara Dickau. Diese Schicksale lassen sie nicht kalt.

In Gadebusch hilft sie den Flüchtlingen bei den Herausforderungen des Alltags. „Einer von ihnen wollte Alufolie kaufen“, erzählt Barbara Dickau. Er fand aber keine. Das Problem: Die Folie ist im Karton verpackt und liegt nicht als lose Rolle im Regal. Dieses Problem konnte schnell gelöst werden. Bei anderen Dingen war erst einmal ein bisschen Recherche notwendig. Bei wem eine Überweisung zum Arzt zu bekommen ist beispielsweise.

Die Flüchtlingshilfe in Gadebusch wird quer durch den Nordwestkreis gelobt. Im Rathaus wurde ein früherer Mitarbeiter reaktiviert. Er ist Ansprechpartner für Flüchtlinge und für die, die helfen wollen. Ehrenamtler geben Deutschunterricht, bei der TSG spielen Albaner Fußball und auch die Kirchen helfen. Ein Runder Tisch kümmert sich in der Stadt um die Organisation. Das klappt nicht überall so reibungslos.

Doch nach und nach gewöhnen sich die Asylbewerber an ihre neue Heimat, mit unerwarteten Auswirkungen. Am Sonntag in der Messe von Sankt Marien kann der Pfarrer nun auch neue Gäste begrüßen. Einige der afghanischen Asylbewerber nehmen in den Bänken Platz. Sie sind zwar Muslime, aber das stört keine der beiden Seiten. „Das ist interessant“, sagt Barbara Dickau. Für die Afghanen ist das nicht nur eine gute Möglichkeit, mehr Deutsch zu lernen, sondern auch eine Abwechslung vom Alltag. Für Barbara Dickau keine ungewöhnliche Erfahrung. „Sie sind alle bemüht.“ Und auch das hat die Gemeindereferentin in den vergangenen Monaten gelernt. Wenn sich Einheimische und Neu-Gadebuscher erst einmal kennengelernt haben, verflüchtigen sich Ängste und Vorurteile. „Nachdem ich mit Flüchtlingen einkaufen war, wurde ich von zwei Bekannten angesprochen. Sie wollen jetzt mithelfen.“

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