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Ute Schäffer arbeitet in besonderer Branche : Heilende Hände für Pferde

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Ute Schäffer aus Gadebusch ist Pferdeosteopathin. Sie behandelt die Tiere bei Beschwerden wie Zahnproblemen, Überanstrengung oder falscher Pflege. In Deutschland ist die Branche erst seit 1996 etabliert.

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erstellt am 21.Jun.2013 | 09:42 Uhr

Gadebusch | Wenn Ute Schäffer zu ihren vierbeinigen Patienten in den Stall kommt, sind die in der Regel erst einmal skeptisch. "Ich bin nicht ihr Reiter, bin nicht der Tierarzt oder der Hufschmied, sie kennen mich nicht", sagt die Gadebuscherin. Ute Schäffer ist Pferdeosteopathin - und behandelt damit in einer in Deutschland noch recht jungen und relativ unbekannten Branche: Erst seit 1996 werden Pferde auch in Deutschland osteotherapeutisch behandelt. Die osteopathische Therapie, so Schäffer, basiere auf den optimalen Bewegungsfunktionen beziehungsweise dessen Einschränkungen. Und ist bei Patienten, die muskulös sind, mehrere hundert Kilo wiegen und Therapeutin Schäffer um etliche Zentimeter überragen, vor allem eins: Technik.

"Bei der osteopathischen Läsion handelt es sich um Bewegungsverlust oder eine Einschränkung der physiologischen Beweglichkeit in einem Teil des Körpers", erklärt Schäffer. Einfach formuliert handele es sich um muskuläre Verspannungen, die mit einer Verkürzung des Muskels einhergehen. Dies führt zu einer Fehlstellung von Gelenken, die wiederum ein Ungleichgewicht im gesamten Körper hervorrufen. Wichtigstes Instrument des Osteopathen sind seine Hände: "Durch gezielte Handgriffe kann er Blockaden lösen, dazu gibt es verschiedene Techniken. Der Osteotherapeut zwingt dem Körper keine neue Funktionsweise auf, er gibt ihm den nötigen Impuls zur Selbstheilung", so Schäffer.

Die Ursachen für die Beschwerden bei den Pferden, die Ute Schäffer behandelt, sind ganz unterschiedlich: Zahnprobleme, Überanstrengung, schlecht sitzendes Sattelzeug, wenn falsch geritten wird, unkorrekter Hufbeschlag und falsche Pflege, als Folge von Krankheiten oder Geburten, "aber auch durch ein einfaches wegrutschen in der Box oder auf der Koppel", verdeutlicht Schäffer. Wichtige Voraussetzung für ihren Einsatz ist zunächst einmal, dass die Pferdebesitzer ihr Tier ganz genau beobachten, denn Pferde leiden still. "Der Körper kann Störungen über längere Zeit kompensieren. Aber es kann daraus resultierend zu Schmerzzuständen bis hin zur Schädigung überbelasteter Bereiche führen, deren Spätfolge am Ende auch Arthrose sein kann." Und: Je früher eine Blockade erkannt wird, desto schneller kann sich der Körper über den Selbstheilungsmechanismus regulieren. "Bei einer ganz frischen Verletzung benötigt man in der Regel eine Behandlung und nach zwei Tagen ist dann alles wieder gut."

Anders sieht es bei lange nicht behandelten Blockaden aus. "Wenn über einen langen Zeitraum nichts gemacht wurde, ist es schwer, den Körper zur Mitte zurückzuführen. Dann muss man so lange dran bleiben, bis sich die Situation wieder normalisiert", sagt Ute Schäffer. Bei jeder einzelnen Behandlung ist sie auf die Kooperation mit dem Tier angewiesen, versuche stets, eine Beziehung zum Pferd aufzubauen. Denn: "Wenn das Pferd nicht will, wird es sehr kraftaufwendig. Und dann muss ich auch aufpassen, dass ich nicht verletzt werde." Dass Pferde tatsächlich ausschlügen komme zwar selten vor, dennoch geht Ute Schäffer immer auf Nummer sicher: Sie trägt immer Schuhe mit Stahlkappen und schwere Chaps, Leder-Beinkleider, zum Schutz. Maximal drei Pferde behandelt sie am Tag. "Mehr schafft man einfach nicht, schon alleine, weil die Arbeit körperlich sehr anstrengend ist und man sich sehr konzentrieren muss."

Über den Kontakt zum Pferd, berichtet die Gadebuscherin, sei sie zu ihrem Beruf gekommen. "Ich sitze seit 45 Jahren im Sattel, mein Herz schlägt für die Dressur." Irgendwann sei die Idee entstanden, aus der Leidenschaft für Pferde einen Beruf zu machen. "Als gelernte Humanphysiotherapeutin hatte ich die Voraussetzung, berufsaufbauend eine Ausbildung zur Pferdeosteopathin und Pferdephysiotherapeutin zu absolvieren." Nach einer zweijährigen Ausbildung am Deutschen Institut für Pferdeosteopathie, "einer renommierten Schule in Dülmen in Westfalen"!, schloss sie mit Zertifizierung ab. "Pferdeosteopath ist kein geschützter Beruf, deshalb ist es wichtig, eine gute, solide Ausbildung zu haben. Ohne dieses Fachwissen und die anatomischen und physiologischen Gegebenheiten des Pferdekörpers kann man dem Tier auch Schaden zufügen und Verletzungen setzen."

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