Dörfer zeigen Kunst : Hakenkreuze werden abgeklebt

Fleischwolf des Anstoßes: Auf Drängen des Amtes Lauenburg wurde das Hakenkreuz in der Installation von Armin Blom genannt Junghardt abgeklebt. Das will der Künstler nicht akzeptieren.
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Fleischwolf des Anstoßes: Auf Drängen des Amtes Lauenburg wurde das Hakenkreuz in der Installation von Armin Blom genannt Junghardt abgeklebt. Das will der Künstler nicht akzeptieren.

Utechter Künstler lässt Werke am Wochenende noch stehen. Nächste Woche fällt endgültige Entscheidung

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13. August 2015, 06:30 Uhr

Armin Blom genannt Junghardt weiß nicht so recht, was er davon halten soll. Er sitzt im Café seiner Frau in Utecht und schaut aus dem Fenster. Draußen buddeln Bauarbeiter gerade die Straße auf. Der 54-Jährige ist ein ruhiger Zeitgenosse, unaufgeregt, kein Mann der vielen Worte. Versteht er die Aufregung um seine Kunstwerke? „Nee.“

„Ich finde es nicht provokant“, sagt er. „Ich verherrliche nichts, das ist doch unsere Geschichte.“ Der Künstler mit dem ungewöhnlichen Namen hat der Aktion „Dörfer zeigen Kunst“ einen ordentlichen Aufreger beschert (wir berichteten). Blom genannt Junghardt stellt im Utechter Dorfgemeinschaftshaus Metallskulpturen zum Zweiten Weltkrieg aus. Zwei davon zeigen ein Hakenkreuz. Eines wird durch den Fleischwolf gedreht, das andere ist auf einem Schild zu sehen, das auf einem Friedhof steht. Der Nationalsozialismus hat Tod und Zerstörung gebracht, will der Utechter sagen. Die Botschaft ist eigentlich nicht misszuverstehen.

Weil sich aber jemand beim Veranstalter der Aktion, dem Amt Lauenburgische Seen, beschwerte, dringt das nun darauf, die Hakenkreuze aus der Ausstellung zu entfernen. Den Kompromiss, die Kreuze abzukleben, die Installationen aber stehen zu lassen, lehnt der 54-Jährige ab. „Das ist schade für die Ausstellung, dann hätte ich es gleich anders gebaut.“ Aber wie nun weiter? Er zuckt mit den Schultern und schaut ratlos zu seiner Frau. „Den Trubel haben wir nicht erwartet“, sagt Manuela Blom genannt Junghardt.

Die Werke sind Teil seiner Familiengeschichte. Sein Vater musste im Zweiten Weltkrieg kämpfen. In Stalingrad, Afrika, fünfmal wurde er verletzt. Das hat der 54-Jährige spät herausgefunden, als er sich Unterlagen bei der Dienststelle für Wehrmachtsangehörige besorgt hat. Sein Vater hat nie über das gesprochen, was er erlebt hat. „Vielleicht kommt mein Interesse daher“, erzählt Blom genannt Junghardt. Er hat viel darüber gelesen, im Fernsehen Dokumentation geschaut.

Als er vor einem halben Jahr gefragt wird, ob er bei der Aktion „Dörfer zeigen Kunst“ ausstellen möchte, ist das Thema schnell gefunden. In Utecht ist der gelernte Schweißer dafür bekannt, aus Metall Kunst zu erschaffen. Im Garten des Cafés seiner Frau stehen niedliche Figuren. Doch für die Ausstellung will er mehr schaffen.

Ein halbes Jahr bastelt er an seiner Installation. In der Werkstatt steht der Fleischwolf. Die Munitionshülse und das alte Schild der Deutschen Arbeiterfront hat er gefunden. Stück für Stück wächst daraus ein Kunstwerk. Ganz fertig wird er aber nicht. Ein Flugzeug, das Bomben abwirft, wollte er an diesem Wochenende eigentlich ins Dorfgemeinschaftshaus schaffen.

In Utecht wartet man nun erst einmal ab. An diesem Wochenende werden die Kunstwerke noch zu sehen sein, sie sind dann aber abgeklebt. Am Montag wolle man überlegen, wie es weitergeht, sagt Claudia Ellmann-Lorenz. Sie hat die Ausstellung mitorganisiert und ist sauer über die Reaktion vom Veranstalter Amt Lauenburgische Seen. Man hoffe, dass das Amt seine Meinung ändert und wartet auf eine Reaktion vor dort.

Im Amt Rehna kann man die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. Man stehe hinter seiner Gemeinde Utecht, sagt Bernd Karnatz. „Wir sehen das ganz entspannt.“ Das Thema gehöre schließlich zur Aufarbeitung der Geschichte dazu.

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