Urteil : Haftstrafe für Mölliner Todesfahrer

Ein Holzkreuz erinnert an den Tod der 60-jährigen Frau am Abzweig Möllin.
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Ein Holzkreuz erinnert an den Tod der 60-jährigen Frau am Abzweig Möllin.

Schwedischer Staatsbürger muss knapp zwei Jahre ins Gefängnis. Er hat das Leben einer 60-jährigen Frau auf dem Gewissen

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24. März 2015, 21:15 Uhr

Er kam aus der Zelle und muss zurück hinter Gitter: der Todesfahrer von Möllin. Das Amtsgericht Grevesmühlen verurteilte den 22-jährigen schwedischen Staatsbürger mit türkischen Wurzeln gestern zu einer knapp zweijährigen Haftstrafe ohne Bewährung. Damit folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Sie hatte den Mann u. a. wegen fahrlässiger Tötung, Tankbetrugs, Fahren ohne Führerschein und dem Missbrauch von Kennzeichen und Ausweispapieren angeklagt.

In der Urteilsbegründung sprach Richter Dr. Hinrich Dimpker u. a. von einem besonders schweren Fall von Verkehrsstraftaten. Nach Ansicht des Gerichtes ist Mohammed Ahmed H. u. a. dafür verantwortlich, dass eine 60-jährige Autofahrerin Anfang September 2014 am Abzweig Möllin ums Leben kam. Damals wollte die Frau mit einem VW Golf III nach links in Richtung Möllin abbiegen. Dabei krachte der aus Richtung Gadebusch kommende Schwede mit einem Audi und einer Aufprallgeschwindigkeit von mindestens 95 km/h in das Heck des Golfs. Die Frau erlitt schwerste Verletzungen und starb innerhalb weniger Sekunden. Ein Mitverschulden der Frau an diesem Unfall schloss das Gericht gestern aus und stützte sich dabei auf zwei Gutachten.

Zum Unfallzeitpunkt soll der Schwede unter dem Einfluss von Drogen gestanden haben. Die Folgen, so die Staatsanwaltschaft, waren eine verzerrte Wahrnehung, ein schlechteres Sehvermögen, eine erhöhte Risikobereitschaft. „Der THC-Konsum war unfallursächlich“, sagt der Schweriner Staatsanwalt Michael Nitschke.

Die Verteidiger des Angeklagten hatten auf eine Bewährungsstrafe gehofft und wiesen ein weiteres Mal daraufhin, dass ihr Mandant seit knapp sieben Monaten in der Justizvollzugsanstalt in Bützow in Untersuchungshaft sitze und dort aufgrund von Sprachbarrieren keinen Kontakt zu anderen Insassen habe. Aus ihrer Sicht sind zudem der Tankbetrug, das Fahren ohne Führerschein und der Missbrauch von Kennzeichen nicht bewiesen worden.

Der Angeklagte selbst richtete am fünften Verhandlungstag mit Hilfe einer Dolmetscherin erstmals persönlich Worte der Reue an die Hinterbliebenen der getöteten Frau: „Ich bitte die Familie um Verzeihung. Ich bete jede Nacht dafür, dass sie in Frieden ruhen kann.“

In seiner Erklärung im Gerichtssaal machte der Angeklagte auch klar, wieder nach Schweden zu wollen, um ein neues Leben anzufangen. Dabei betonte er, dass ihm in Schweden zunächst ein weiteres Verfahren bevorsteht. Hintergrund: Mohammed Ahmed H. soll im März 2014 im schwedischen Vesteras an einem Unfall mit tödlichem Ausgang beteiligt gewesen sein. Damals war ein 19-jähriger Amerikaner ums Leben gekommen.

Dass der Todesfahrer von Möllin die knapp zweijährige Haftstrafe in Deutschland komplett absitzen muss, ist fraglich. Schwedische Behörden haben nach SVZ-Informationen bereits ihr Interesse signalisiert, Mohammed Ahmed H. auch in Skandinavien vor Gericht stellen zu wollen. Dort könnte er den Rest seiner in Deutschland verhängten Strafe absitzen.

Die Hinterbliebenen der bei Möllin ums Leben gekommenen Autofahrerin reagierten erleichtert auf das Urteil. Es sei gut, dass es keine Bewährungsstrafe geworden sei. Eine persönliche Entschuldigung für das, was am 2. September 2014 geschehen ist, hätten sich die Hinterbliebenen bereits am ersten und nicht am fünften und zugleich letzten Verhandlungstag gewünscht.

Hinweis: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung kann es binnen einer Woche anfechten.

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