Ackerbau in Nordwestmecklenburg : Haase warnt vor "Flächenfraß"

<fettakgl>Die Energiewende hat ihren Preis.</fettakgl> Wer eine Biogasanlage mit einer Leistung von 500 kW betreiben will, benötigt pro Jahr   eine  Maisanbaufläche von 210 bis 250 Hektar, um die benötigte Biomasse erzeugen zu können.  <foto>Thorsten Meier</foto>
Die Energiewende hat ihren Preis. Wer eine Biogasanlage mit einer Leistung von 500 kW betreiben will, benötigt pro Jahr eine Maisanbaufläche von 210 bis 250 Hektar, um die benötigte Biomasse erzeugen zu können. Thorsten Meier

Nordwestmecklenburgs Kreisbauernpräsident Jörg Haase hat vor einem weiteren Verlust landwirtschaftlicher Flächen gewarnt. Pro Tag gehen acht Hektar Ackerland verloren.

svz.de von
14. Juni 2012, 07:56 Uhr

Gadebusch | Nordwestmecklenburgs Kreisbauernpräsident Jörg Haase hat vor einem weiteren Verlust landwirtschaftlicher Flächen gewarnt. "Täglich gehen in Nordwestmecklenburg durchschnittlich etwa acht Hektar Ackerfläche verloren. "Das entspricht einer Fläche von 16 Fußballfeldern", sagte Haase gestern im Vorfeld des Agrarpolitischen Tages am 22. Juni in Malchow auf der Insel Poel. In ganz MV gingen in den Jahren von 2000 bis 2010 insgesamt 35 376 Hektar Landwirtschaftsfläche verloren.

Sorgen bereiten Haase auch Ausgleichsmaßnahmen im Zuge der Energiewende. So müsse für den Bau einer Windkraftanlage mit einem Verlust von drei Hektar Ackerfläche aufgrund der Schaffung von Ausgleichsmaßnahmen kalkuliert werden. "Wer eine Biogasanlage mit einer Leistung von 500 kW betreiben will, benötigt pro Jahr eine Maisanbaufläche von 210 bis 250 Hektar, um die benötigte Biomasse erzeugen zu können", so Haase. Schon jetzt würde im Landkreis auf 14 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen Mais vorwiegend für die Verwendung in Biogasanlagen angebaut. Auf weiteren 23 Prozent der Felder stehe Raps, der zum Teil für die Treibstoffproduktion genutzt werde.

Angesichts dieser Entwicklung schnellen Ackerlandpreise derart in die Höhe, dass sie für einheimische Landwirte kaum mehr bezahlbar seien. "Im Klützer Winkel werden Hektarpreise bis zu 30 000 Euro verlangt. Preistreiber ist hier der Staat, der landwirtschaftliche Flächen anbietet, was dem Verkauf des Tafelsilbers gleichkommt, um möglichst hohe Einnahmen zu generieren", kritisiert Haase.

Höhere Preise, weniger Ackerland und weitere Flächen-Stilllegungspläne durch die EU treiben Landwirte derzeit also um. Agrarbetriebe beklagen zudem, dass immer mehr Flächen für Naturschutzmaßnahmen verwendet würden - auch im Landkreis Nordwestmecklenburg. Aus Sicht Haases kann dies in der Gesamtheit zu steigenden Nahrungsmittelpreisen für Verbraucher führen. Diese drohen nicht zuletzt auch deshalb, weil 2013 die Kappung von Subventionen droht.

In einer solchen Situation kann es aus Sicht Haases sinnvoll sein, den Blick über den Tellerrand zu wagen. So steht der Agrarpolitische Tag am 22. Juni in Malchow nicht ohne Grund unter dem Motto "Agrarpolitik- und Agrarmarktmodelle im globalen Vergleich". Dazu erwartet wird u. a. Jan Heyen von der neuseeländischen Botschaft. In dem Inselstaat im südlichen Pazifik hatten bis 1984 Subventionen 50 Prozent der Einkünfte der Landwirte ausgemacht. Ein Jahr später wurden sämtliche Formen der staatlichen Subventionen abgeschafft. Was das für die dortige Landwirtschaft zur Folge hatte und ob dieses Modell auch auf die EU übertragbar wäre, ist eine der spannenden Fragen des Agrarpolitischen Tages. Kreisbauernpräsident Jörg Haase: "Da auch der deutsche Landwirt nicht als Bittsteller der Nation dargestellt werden möchte und seine wirtschaftliche Überlebensexistenz ohne politische Einschränkungen fordert, ist dieses ein Thema mit Explosionsstoff. Welche Einflüsse hätten dann noch Politiker?"

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen