zur Navigation springen

Zarrentin : Haase warnt Landtag vor Kontroll-Verlust

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Kreisbauernpräsident befürchtet ausufernde Bürokratie und ein Regelwerk von Verboten und Erlässen in der Biosphäre

von
erstellt am 27.Apr.2014 | 00:00 Uhr

Herr Haase, Sie als Kreisbauernpräsident haben mit dafür gesorgt, dass der Agrarausschuss des Landtages in die Biosphäre Schaalsee kam. Wie lautet Ihr Fazit nach diesem Besuch.

Jörg Haase: Ausgangspunkt für die Reise durch die Schaalseeregion ist ein Gesetzentwurf für das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. Wir haben Angst, dass ein solches Gesetz auch auf die Schaalseeregion ausgedehnt werden könnte.

Welche konkrete Ängste sind dies?

Noch gibt es in der Biosphäre Schaalsee ordentliche Gestaltungsmöglichkeiten für die Natur und Landwirtschaft. Aber für die Biosphäre Flusslandschaft Elbe droht ein Regelwerk von Verboten und Erlässen. Ordentliche Landwirtschaft ohne Genehmigung des Amtes wäre dort kaum noch möglich. Wer zum Beispiel Dünger unter den Mais bringen will, müsste erst das Amt fragen, das vor Ort eine Begutachtung vornehmen würde. Das kann es nicht sein.

Sie fürchten also eine größer werdende Bürokratie?

Ja, auf jeden Fall. Außerdem haben wir schon jetzt flächendeckend Probleme von Dutzow über Kneese bis Thandorf, wo es Unstimmigkeiten bei der Abarbeitung von Genehmigungsverfahren gibt. Es herrscht auch Unzufriedenheit in der Bevölkerung.

Was für Genehmigungsverfahren sind dies?

Meistens geht es um Baugenehmigungsverfahren. Wir hatten hierbei oft den Fall, dass durch den Landkreis Nordwestmecklenburg eine Bauvoranfrage positiv beschieden wurde, aber aufgrund von Bedenken seitens der Naturschutzbehörde Verfahren nicht genehmigt wurden. Für uns Landwirte droht aber noch ein weiteres Problem, das ist die angestrebte extensive Bewirtschaftung von Grün- und Ackerflächen. Wenn wir Wiesen künftig nur noch extensiv nutzen, sie aber nicht pflegen und düngen dürfen, passiert Folgendes: Auf den Flächen wachsen Binsen, es droht eine Verschilfung bei Vernässung und die Flächen sind nicht mehr als Weide nutzbar. Wir müssten Angst haben, dass unsere Rinder dort krank würden und der Einsatz von Antibiotika notwendig wird. Wirtschaftlich wäre es nicht mehr verantwortbar, Leistungskühe auf solche Flächen zu bringen.

Was erwarten Sie vom Landtag?

Ich hoffe, dass die von Landwirten, Bürgermeistern und einer Bürgerinitiative dargestellten Bedenken ernst genommen werden und der Landtag seine Reglementierung nicht aus der Hand gibt durch ein Gesetz über die Flusslandschaft Elbe. Denn das würde bedeuten, dass der Landtag dort nahezu keinerlei Einspruchsmöglichkeit mehr hat, sondern die Behörde dort schalten und walten könnte, wie sie es möchte. Ich habe schon jetzt den Eindruck, dass die Biosphäre nicht immer hört, wenn Landwirte Probleme benennen.

Dafür müssten Landwirte erstmal an Kuratoriumssitzungen teilnehmen und diesen nicht fernbleiben.

Unser Kuratoriumsmitglied geht dort nicht mehr hin, weil es sinnlos ist, sich dort hinzusetzen und gegen Bäume anzusprechen.

Jammern gehört scheinbar in der Landwirtschaft dazu. Es gibt den Verdacht, dass geäußerte Kritik im Agrarausschuss gezielt gesteuert worden sein soll.

Moment, ich bin klar für die Biosphäre. Mich stört aber, wie hier mit den Menschen umgegangen wird und Kritiker als „Störenfriede“ abgestempelt werden. Hier wurden keine kritischen Stimmen gesteuert und auch nicht gelenkt. Und es kann auch nicht von Einzelfällen gesprochen werden. In der Biosphäre muss endlich die Bevölkerung mitgenommen werden.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen