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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. Oktober 2017 | 20:46 Uhr

Bernstorf : Gutshaus eröffnet als Biohospiz

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Das Denkmal wurde für rund sechs Millionen Euro saniert. Heimatforscher sichtet 3000 Seiten aus den Tagebüchern derer von Bernstorff

von
erstellt am 04.Apr.2014 | 00:00 Uhr

Kaum zu glauben: In zehn Tagen, am 14. April, plant die Bernstorf Gemeinnützige gGmbH die Eröffnung von Schloss Bernstorf als Biohospiz.

Wenige Tage bleiben denen an der Sanierung beteiligten Firmen wie der Tischlerei Eigenstetter aus Rehna und dem Unternehmen Generalbau GmbH Hamburg bis zur Fertigstellung. Spätschichten scheinen hier vorprogrammiert. Wolfgang Röhr, Geschäftsführer der Bernstorf Gemeinnützige gGmbH bleibt dennoch gelassen: „Hier arbeiten professionelle Unternehmen.“ Bauleiter Andreas Manske setzte nach: „Wir werden bis zum Eröffnungstag auf drei Etagen die Zimmer fertigstellen. Am Wochenende wird möbliert.“ Somit wird rangeklotzt, die Wendeltreppe in den Turm komplettiert, der Empfangsraum getäfelt und die Brandschutzanlage nebst Meldersystem installiert.

Rund sechs Millionen Euro hat Röhr mit Geschäftspartnern und einer Bank in das Projekt investiert. Viel Geld, das aber vor allem eines bewirken soll: „Schwerstkranken Menschen eine lebensbejahende Atmosphäre bieten“, sagt Röhr. Insbesondere Krebspatienten stehen bei der Sterbebegleitung ab dem 16. April im Mittelpunkt. Dafür stehen 16 Zimmer im Hospiz und sieben im Refugium bereit. Sieben Anmeldungen für einen Bezug liegen vor.

Sein Schlüsselerlebnis zum Bau des Biohospiz hatte Röhr, als im Alter von 48 Jahren seine Frau an den Folgen eines Krebsleidens verstarb. Gerne hätte er sich für die letzten Wochen ein passendes Ambiente gewünscht, erzählt er, aber ein Hospiz mit lebensbejahender Atmosphäre gab es in dieser Form nicht. „Genau das wollte ich gerne schaffen. ,Bio‘ steht für Leben und unsere Philosophie ist es, bis zum letzten Tag für Lebensqualität zu sorgen“, sagt Röhr.

Mit der Sanierung von Schloss Bernstorff wurde die durch Leerstand gelenkte abknickende Lebenslinie des historischen Hauses neu gerichtet. Anlass genug für den regionalgeschichtlich versierten Eckart Redersborg Teil II der Edition „Bernstorff – Bernstorf, Schloss Bernstorf 1900 bis 1945“ herauszugeben. Dabei handelt es sich um eine Festschrift zur Wiedereröffnung des Hauses am 14. April.

Das Heimatbuch befasst sich mit dem Schwerpunkt der Familie der Grafen von Bernstorff, dem Schloss und dem damaligen Park. Hauspersonal als auch die Bürger des Ortes sind nicht weniger wichtige Bestandteile des Druckwerkes. „Ein Buch, das durch die Recherchen und zugearbeiteten Dokumente verdeutlicht, welchen Stellenwert die Familie Bernstorff bei den Menschen vor Ort hatte“, so Redersborg bei der gestrigen Präsentation des Manuskriptes. Bereits nach Veröffentlichung des ersten Bandes gab es eine große Resonanz. „Zahlreiche Menschen schrieben mich an, brachten Bilder und Dokumente“, so Redersborg. Ein Zeichen, dass die Nachfahren in der 3. Generationen die Erlebnisse und Überlieferungen ihrer Verwandten schätzen und in Erinnerung behalten wollen. „So etwas geht nur, wenn die Menschen sich mit dem Gut und der Familie identifizieren“, so der Heimatschreiber.

Genau das dokumentieren Redersborg gesammelte Werke: Bilder vom Festumzug im Jahr 1937 - 700 Jahre Bernstorf. Er selbst habe große Unterstützung der Familie, unter anderem von Graf Andreas von Bernstorff aus Celle und Graf Hans-Josef von Schwerin, heute in München lebend, erfahren. Folglich war es möglich, 3000 Seiten der Tagebücher des in München lebenden Familienmitgliedes auszuwerten. Darüber hinaus standen ihm 50 Seiten eines Manuskriptes der Familie über die Jahre 1944 bis 1948 zur Verfügung.

Im Ergebnis liege ein zeitgeschichtlicher Abriss über die Familie als auch Informatives aus dem Leben der Angestellten vor. „Zum Kriegsende wohnten im Schloss nicht wie üblich 15, sondern 150 Menschen. Es waren Kriegsflüchtlinge, Familienmitglieder, die im Nordwesten eine Zufluchtsstätte suchten“, so Redersborg. Im Sommer 1945 kam es zur Zwangsräumung, bewährte sich das gute Verhältnis der Grafenfamilie zu den Dorfbewohnern, zog die Gutsfamilie u. a. beim Kutscher in die gute Stube. Ebenso erhielt die Jagdhündin bei „Jagdaufseher Lierk in Köchelstorf“ ein neues Heim. Das von Eckart Redersborg verfasste Buch wird von Wolfgang Röhr herausgegeben. Erhältlich ist es am Tag der offenen Tür in Bernstorf und im regionalen Buchhandel.

 

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