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Vietlübbe / Johannstorf : Gutshäuser sind ein Fall fürs Gericht

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Schicksalstag für zwei historische Anwesen in Nordwestmecklenburg. Morgen soll das ehemalige Gutshaus Vietlübbe zwangsversteigert werden, darüber hinaus könnte das Schloss Johannstorf in Besitz der Stadt Dassow gelangen.

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erstellt am 11.Dez.2012 | 07:33 Uhr

Vietlübbe/Grevesmühlen | Schicksalstag für zwei historische Anwesen in Nordwestmecklenburg. So soll morgen das ehemalige Gutshaus Vietlübbe zwangsversteigert werden, darüber hinaus könnte das Schloss Johannstorf in Besitz der Stadt Dassow gelangen. Beide Anwesen stehen seit Jahren leer.

Mit Spannung wartet Draguns Bürgermeisterin Sabine Schirrmeister auf den Ausgang der Versteigerung im Fall des ehemaligen Vietlübber Gutshauses. Die Gemeinde hatte als Gläubigerin die Zwangsvollstreckung beantragt. Die Gemeindechefin spricht von einem Schandfleck, von dem eine Gefahr ausgehe. "1995 war geplant gewesen, hier einen privaten Seniorenwohnsitz zu errichten. Daraus ist leider nie etwas geworden. Gutshaus und Gebäude sind inzwischen in einem völlig desolaten Zustand", verdeutlicht Sabine Schirrmeister. Hergerichtet werden könnte das ehemalige Gutshaus nur noch durch einen Käufer, der sehr viel Liebe für alte Gebäude übrig hätte. Falls dieser nicht gefunden wird, käme das Areal auch für eine Wohnbebauung in Betracht.

Der Verkehrswert des Vietlübber Objektes beträgt rund 61 000 Euro. Bestandteil des Versteigerungs-Pakets sind auch abrissreife Nebengebäude wie Ferienbungalows aus den 1970er-Jahren, eine Fachwerkscheune, ein ehemaliges Feuerwehr abstellhaus oder ein Trafohäuschen.

Wer den Zuschlag dafür möglicherweise erhält, entscheidet sich im Amtsgericht Grevesmühlen. Dort beginnt morgen um 9 Uhr die Versteigerung im Wege der Zwangsvollstreckung. Eine Stunde später startet das juristische Tauziehen im Oberlandesgericht Rostock um die denkmalgeschützte Gutsanlage Schloss Johannstorf. Die Stadt Dassow hofft, dass der Möllner Geschäftsmann Kurt-Peter Gaedeke das historische Anwesen wieder an die Kommune herausgibt. Dieser hatte Schloss Johannstorf in den 1990er-Jahren für etwa 170 000 Euro erworben und soll nach Angaben von Dassows Bürgermeister Jörg Ploen Investitionszusagen in den Jahren danach nicht eingehalten haben.

Ploen ist zuversichtlich, dass das Oberlandesgericht Rostock am Donnerstag das Urteil aus Schwerin bestätigen wird. Das Schweriner Gericht hatte bereits vor zwölf Monaten entschieden, dass der Kaufmann Schloss Johannstorf an die Stadt Dassow zurückgeben muss. Der Möllner hatte daraufhin Rechtsmittel eingelegt. Eine Stellungnahme lehnte Gaedeke gestern ab: "Wir werden uns nicht äußern. In solch einem Stadium hat das keinen Sinn."

Ein weiterer Rechtsstreit um ein denkmalgeschütztes Objekt in Nordwestmecklenburg bahnt sich bereits an. So ist das von dem Verfall bedrohte Gutshaus Löwitz bereits gerichtsanhängig, sagt Kreis-Denkmalpfleger Andreas von Bötticher. Nach seinen Angaben gibt es aktuell bis zu zwei Dutzend Gutshäuser im Nordwest-Kreis, die unterschiedlich stark vom Verfall bedroht sind. "Löwitz ist hier ein besonders krasses Beispiel", sagt von Bötticher.

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