Rehna : Gutachten für Bahn-Lückenschluss

Peter Täufel
Der Zugverkehr in Rehna. Foto:Peter Täufel

Wirtschaftsausschuss stellt dafür die Weichen – trotz Bedenken der Kreisverwaltung und andere Pläne des Energieministeriums

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22. November 2017, 04:45 Uhr

Neues vom angestrebten Bahn-Lückenschluss Rehna-Schönberg: Die Mitglieder des Kreis-Wirtschaftsausschusses haben die Weichen für die Erarbeitung eines Gutachtens gestellt. Es soll bis Ende dieses Jahres in Auftrag gegeben werden und dürfte mehrere tausend Euro kosten. Der Fahrgastverband Pro Bahn stellt dafür 6000 Euro zur Verfügung, jeweils 1000 Euro wollen die Städte Rehna und Gadebusch zusteuern.

Die Ausschussmitglieder erhoffen sich von dem Gutachten konkrete Zahlen und Fakten zu dem Projekt. Sie waren eigentlich davon ausgegangen, dass das Gutachten von der Kreisverwaltung längst in Auftrag gegeben worden war. Doch dort gibt es Bedenken, dass das Gutachten – salopp formuliert – für die Katz’ sein könnte. Denn für das Land MV steht der Lückenschluss Rehna-Schönberg derzeit nicht auf der Agenda, wie aus einer E-Mail des Ministeriums für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung hervorgeht. Das Ministerium favorisiert stattdessen den Bau einer Verbindungskurve an der Bahnstrecke von Schwerin nach Lübeck im Bereich Bad Kleinen. Diese Streckenführung würde neben der umsteigefreien Verbindung zwischen Schwerin und Lübeck auch das Verkehren von ICE-Zügen mit dem Ziel Berlin ermöglichen.

Die Mitglieder des Kreis-Wirtschaftsausschusses nahmen dies zwar zur Kenntnis. Sie pochen aber weiterhin auf die Erarbeitung des Gutachtens. „Es kann der Zeitpunkt kommen, an dem wir auf solch ein Gutachten zurückgreifen könnten“, betonte Dr. Erhard Huzel. Der sachkundige Einwohner Michael Engling fordert: „Wir wollen Klarheit und Zahlen haben.“ Ähnlich äußerte sich Ausschussmitglied Karl-Heinold Buchholz.

Klare Worte zum angestrebten Bahnlückenschluss Rehna-Schönberg findet auch die Schwerinerin Evelin Eichler-Wissner, die von 1954 bis 1992 in Rehna wohnte. Davon könnten viele Schweriner profitieren. Auf direktem Weg könnten sie mit dem Zug in die Hansestadt fahren. Umgekehrt würde der Lückenschluss Lübeckern den Weg bis zur Mecklenburgischen Seenplatte ebnen. Sie befürchtet allerdings seit langem, dass die Bahnstrecke nach Rehna dem Busverkehr geopfert werden könnte.

Auch der Rehnaer Martin Reininghaus kämpft für den Lückenschluss. Städte wie Gadebusch und Rehna seien nach wie vor nicht an der Metropolregion Hamburg angeschlossen. „Wir brauchen daher sowohl den Lückenschluss als auch die Ausbau der Kurve Bad Kleinen, um den Personen- und den zunehmenden Güterverkehr händeln zu können. Wir sehen schon jetzt, dass die Straßen dem nach wie vor steigenden Verkehr nicht gewachsen sind“, sagt Reininghaus. Gleichzeitig warnt er davor, den Nahverkehr von der Schiene auf die Straße verlagern zu wollen. „Solche Konzepte sind zum Scheitern verurteilt“, so Reininghaus.

Kritik richtet der Rehnaer zudem an die Verwaltung. „Mich ärgert, dass die Kreisverwaltung einfach die Position des Ministeriums bezieht. Es geht aber hier um eine politische Entscheidung und um die Interessen der Bürger“, verdeutlicht Reininghaus. Was den Rehnaer ebenfalls geärgert haben dürfte, ist ein Kostenvergleich, den Dr. Roland Finke von der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung, Regionalentwicklung und Planen präsentierte. Demnach würde ein Bus für 2,08 Euro pro Kilometer unterwegs sein und eine Regionalbahn für 13 Euro. „Von den Kosten her könnten für einen Zug fünf Busse fahren. Die Frage ist also, ob nicht dort eher irgendwann ein Schienenersatzverkehr auf Reifen fährt“, argumentiert Finke. Für Martin Reininghaus ist dies eine Milchmädchen-Rechnung: „Denn die Intervalle für kostspielige Straßenreparaturen werden immer kürzer, weil das Straßennetz überlastet ist.“

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