Nordwestmecklenburg : Gülle bereitet Viehhaltern Sorgen

Anke Dobbehaus hat Glück: Wenn alles gut läuft, wird sie aller Voraussicht nach gerade so mit der Kapazität von 16 000 Kubikmeter ihrer Güllelager für ihre rund 450 Milchkühe bis zum 1. Februar auskommen.  Fotos: Peter Täufel
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Anke Dobbehaus hat Glück: Wenn alles gut läuft, wird sie aller Voraussicht nach gerade so mit der Kapazität von 16 000 Kubikmeter ihrer Güllelager für ihre rund 450 Milchkühe bis zum 1. Februar auskommen. Fotos: Peter Täufel

Kreisbauernverband schlägt Alarm: Zahlreiche tierhaltende Landwirtschaftsbetriebe haben volle Lager – Transporte oft über viele Kilometer

svz.de von
05. Januar 2018, 05:00 Uhr

Petra Böttcher vom Kreisbauernverband Nordwestmecklenburg schlägt Alarm: „Die tierhaltenden Betriebe haben ein besonderes Problem: Die Güllelager sind schon jetzt voll“, verkündet die Geschäftsführerin. Ein Grund dafür sei, dass dieser Wirtschaftsdünger im Herbst aufgrund der Nässe nicht auf die Felder gebracht werden konnte. Jetzt fehle der Lagerraum, der nun kurzfristig in Form von Behelfslagern, so genannten Güllelagunen, geschaffen werden muss. Verschärft wird die Situation durch die neue Gülleverordnung, nach der es strikte Sperrfristen gibt, in denen keine Gülle auf die Felder darf.

„Wir hatten Glück, wir konnten noch relativ spät im Herbst nach dem letzten Schnitt Gülle auf dem Grünland ausbringen“, sagt Anke Dobbehaus. Deshalb wird ihr Milchviehbetrieb in Neuendorf mit seinen zusammen 16 000 Kubikmeter fassenden Zisternen aller Voraussicht bis zum 1. Februar auskommen. Ab dem Zeitpunkt darf wieder ausgebracht werden. „Wenn es das Wetter und die Bodenverhältnisse zulassen“, so die Milchbäuerin. Ansonsten werde es auch bei ihnen knapp. Allerdings, so berichtet sie, kommen jetzt schon einige Anfragen von anderen Tierproduktionsbetrieben, ob sie noch Kapazitäten hätten. „Dabei kamen zwei Anfragen von etwas weiter her: eine aus dem Raum Ludwigslust, die andere aus Bützow“, erzählt Anke Dobbehaus. Ein Indiz dafür, dass es auch anderswo drückt.

Ähnliches berichtet auch Björn Salzwedel vom Landtechnischen Lohnunternehmen Otto Hamester aus Mühlen Eichsen. Er weiß um die Brisanz dieses Themas, fahren er und seine Mitarbeiter doch täglich im Dienste der Landwirte die Endprodukte tierischer Verdauung durch die Lande. „Wir führen diesbezüglich jeden Tag etwa zehn Telefonate, in denen es um die Gülle geht“, berichtet er. Allerdings seien viele dabei, die aus Niedersachsen und speziell dem Raum Cloppenburg und Vechta kommen – wo der Tierbestand noch wesentlich höher ist. „Aber auch von den großen Biogasanlagen in Güstrow und Ratzeburg gibt es Anfragen, ob es hier noch Kapazitäten gibt“, so Salzwedel.

Wenn alle Stricke reißen, ist es derzeit den Bauern unter strengen Auflagen möglich, Güllelagunen als Behelf anzulegen. Die damit verbundene, nicht unerhebliche Investition, die auch nicht mit Nachhaltigkeit gekennzeichnet ist, sei allerdings nur die eine Seite, meint ein Landwirt, der namentlich nicht genannt werden will. Er sieht darin sogar eine Gefahr: „Angenommen, der Wall, der so eine Lagune umgibt, weicht durch die viele Feuchtigkeit auf und bricht ein oder wird weggespült. Dann ist erst die richtige Katastrophe da“, malt er ein eventuelles Horrorszenario an die Wand.

Doch wie man es auch dreht und wendet – die Viehhalter werden nicht umhin kommen, für die Ausscheidungen ihrer Tiere noch mehr Lager zu bauen, um den sich verändernden klimatischen Gegebenheiten zu begegnen. Eine Alternative scheint es im Hinblick auf die festgestellten Nitratbelastungen des Grundwassers nicht zu geben.

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