Förderpreis "Johann Veit Döll" für Anna Martha aus Maßlow : Großer Preis für junge Bildhauerin

<strong>Anna Martha Napp (30)</strong> mit dem Münzrohling, von dem dann der Prägestempel für eine Münze abgenommen wird.<fotos>Nicole Hollatz (3)</fotos>
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Anna Martha Napp (30) mit dem Münzrohling, von dem dann der Prägestempel für eine Münze abgenommen wird.Nicole Hollatz (3)

Bildhauerin Anna Martha Napp aus dem Künstlerdorf Maßlow wurde für ihre Medaille wieder mit dem Förderpreis "Johann Veit Döll" des Deutschen Medaillieurpreises ausgezeichnet.

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09. Januar 2013, 10:14 Uhr

Maßlow | Manche Dinge, die Anna Martha Napp in ihrer kleinen Bildhauerwerkstatt im Künstlerdorf Maßlow erschafft, sind groß. So wie die Tierfiguren oder die Menschen-Portraits. Andere wiederum sind so klein, dass sie in die Geldbörse passen würden, wenn das auch nicht der richtige Ort für die Kunst von Anna Martha Napp ist. Anna Martha Napp macht neben den Skulpturen Medaillen und Plaketten und ist damit ziemlich erfolgreich.

2008, noch unter dem Mädchennamen Scheibner und als Studentin der Bildhauerei an der Burg Giebichenstein, erhielt sie erstmals diesen Förderpreis. Nun, inzwischen verheiratet und Diplom-Bildhauerin, das zweite Mal. Ihre Medaille zum ausgelobten Thema "Reformation 2.0" ganz im Zeichen der Lutherdekade überzeugte die Jury. Der Preis: aus dem Münzrohling der jungen Künstlerin wurden Medaillen geprägt - hoffentlich bald wertvolle Sammlerstücke.

Viel Geschichte und Stoff zum Nachdenken, zum Philosophieren bei Tee oder Rotwein zwischen zwei Münzseiten. Einmal zeigt Anna Martha Napp Martin Luther über seine Bibel gebeugt. Darüber die große Fliege, die, so die Luthersage, eine ablenkende Versuchung des Teufels ist. "Luther hat mit seiner Übersetzung und den Thesen die Moderne ausgelöst", so die Künstlerin zur Geschichte vor fast 500 Jahren. Über Luther die Umschrift "Am Anfang war das Wort". Wieder viel Gedankenfutter. So beginnt das Johannes-Evangelium. Und mit diesen übersetzten Worten hatte Luther so viel bewirkt. "Am Anfang ist der Gedanke, das Wort, und man weiß gar nicht, welch eine Lawine das auslöst", so die Künstlerin. Historisch gesehen war erst durch die Reformation der Kirche Wissenschaft möglich geworden.

Die mitunter teuflischen Fliegen hat Anna Martha Napp auf der Rückseite der Medaille vervielfältigt. Wie ein unheilvolles Flugzeuggeschwader über dem abgebildeten Teil der Erdkugel. Die Vervielfältigung der teuflischen Versuchungen? Die Warnung vor den Gefahren der Wissenschaft? Oder doch nur ein paar Fliegen in der Luft? "Es gibt oft zwei Seiten von etwas, wie bei der Medaille. Die Geschichte spielt sich dazwischen ab. Das ist das, was am Medaillen-Machen so spannend ist", erklärt die Künstlerin. Sie hat in diesem Jahr noch einiges vor. Zusammen mit ihrer Familie stellt sie im Juni im Baumhaus aus, im August folgt eine Gemeinschaftsausstellung mit jungen Bildhauern aus Halle in der Galerie Hinter dem Rathaus. Sie wird ihre Kunst in Dänemark und Rostock zeigen.

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