Thema Aids : Große Wissenslücken bei Schülern

Überraschungsbesuch in der Philosophiestunde: Sebastian Witt von der Aids-Hilfe überreicht der Siegerin des Wissenstests, Tina Marie Winkler, eine Urkunde und 100 Euro für die Klassenkasse.
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Überraschungsbesuch in der Philosophiestunde: Sebastian Witt von der Aids-Hilfe überreicht der Siegerin des Wissenstests, Tina Marie Winkler, eine Urkunde und 100 Euro für die Klassenkasse.

Gymnasiastin Tina Marie Winkler siegt beim Wissenstest der Aids-Hilfe

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20. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Was ist wichtig beim Kauf und Gebrauch von Kondomen? Bereits an dieser Frage sind viele Schüler bei dem Quiz von der Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit und Aufklärung (Aids-Hilfe) gescheitert. „Erschreckend war, dass einige geschrieben haben, dass die Farbe, Größe oder der Geschmack wichtig wären. Das Gütesiegel oder Haltbarkeitsdatum spielten dagegen für viele keine Rolle“, sagt Sebastian Witt, Sozialberater der Aids-Hilfe.

Insgesamt 510 Fragebögen wurden bei der Schulhofaktion in Westmecklenburg, bei der „Safer-Sex-Packs“ verteilt wurden, eingereicht. Schulen in Gadebusch, Grevesmühlen, Wismar, Schwerin und Neukloster waren darunter. Von diesen 510 Bögen seien lediglich 39 komplett richtig beantwortet worden. Die Siegerin ist Tina Marie Winkler aus der Klasse 11-1 vom Gadebuscher Gymnasium. „Es ist schon ein tolles Gefühl zu gewinnen, so etwas kommt ja nicht oft vor“, sagt die 16-Jährige mit einem Grinsen. Gewonnen hat sie 100 Euro für die Klassenkasse. „Das Geld können wir entweder in unsere Abschlussfahrt nach Brüssel, den letzten Schultag oder für unseren Abi-Ball im nächsten Jahr verwenden – irgendwas fällt uns schon ein“, so Tina Marie Winkler. Viel Mühe habe sie beim Ausfüllen des Tests nicht gehabt: „Die Fragen waren doch eher Allgemeinwissen und ziemlich einfach. Außerdem habe ich die Fragen mit meinen Freunden besprochen und gemeinsam beantwortet“, verrät die Gymnasiastin.

Umso erschreckender ist für Tutor Torsten Köpp das Ergebnis des Quiz: „Nur 39 richtige Antworten, das finde ich sehr mager und ernüchternd für unsere Gesellschaft“, so der Deutsch- und Philosophielehrer. Seiner Meinung nach seien vor allem Medien dafür verantwortlich, dass sich die Jugendlichen zu sichern fühlen. „Die meisten denken doch, dass sie alles über Sexualität und auch die Risiken wissen, weil es in Sendungen veröffentlicht wird“, verdeutlicht Köpp.

Am Gadebuscher Gymnasium werde in der achten Klasse mit Sexualunterricht begonnen, in der zehnten folgen dann unter anderem anonyme Fragebögen. „Bei diesen zeigt sich manchmal ein ganz anderes Bild“, so der Tutor. Dennoch wolle Torsten Köpp als Philosophielehrer gerade nach diesem ernüchternden Ergebnis mehr in seinem Unterricht für die Aufklärung tun. „Wir Lehrer sind dankbar dafür, dass die Aids-Hilfe aktiv die jungen Menschen informiert und aufklärt“, sagt der Tutor. Viele von ihnen würden sonst nicht den Kontakt suchen.

Das Ergebnis in den westmecklenburgischen Schulen bestätige der Aids-Hilfe auch, dass deren Arbeit und Info-Touren nicht unwichtig seien, erklärt Mitarbeiter Sebastian Witt. So würden beispielsweise in Deutschland ungefähr 14 000 Menschen leben, die nicht wüssten, dass sie sich mit HIV infiziert hätten, berichtet Witt. An den Infoständen gehe es nicht nur um die HIV-Infektion, sondern auch um andere sexuell übertragbare Infektionen, wie beispielsweise Tripper oder Syphilis.

Neben der Aufklärung an Schulen bietet die Beratungsstelle kostenlose und anonyme Einzelberatung an. Während der Festtage sind die Beratungsstellen in Wismar und Schwerin geschlossen, aber in Notfällen können sich Ratsuchende telefonisch unter 03841-214755 oder per E-Mail an info@wismar.aidshilfe.de melden.

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