Nach Unfall in Mühlen Eichsen : Große Not in kleinen Wehren

Die Feuerwehren brauchten mehr als 15 Minuten, bis sie bei einem brennenden Auto auf der B208 nahe Mühlen Eichsen eintrafen.
Die Feuerwehren brauchten mehr als 15 Minuten, bis sie bei einem brennenden Auto auf der B208 nahe Mühlen Eichsen eintrafen.

Ein Unfall bei Mühlen Eichsen brachte es an den Tag: In vielen Dörfern sind Feuerwehren tagsüber kaum einsatzbereit

svz.de von
12. März 2018, 21:00 Uhr

Der Brand eines Autos auf der B 208 nahe Mühlen Eichsen wirft die Frage nach der Einsatzbereitschaft freiwilliger Feuerwehren auf.

Auf Höhe der Ortschaft Fräulein Steinfort war am Freitag gegen 9.30 Uhr (SVZ berichtete) ein Auto in Flammen aufgegangen. Zufälligerweise kam ein Streifenwagen der Polizei zeitgleich darauf zu und konnte sofort die Feuerwehr alarmieren. Bis die allerdings eintraf, vergingen mehr als 15 Minuten. „Durch Zufall sind wir heute mal acht Kameraden“, sagte Steffen Freitag von der Mühlen Eichsener Wehr. Tagsüber hätten sie sonst Probleme, die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten.

„Das ist die Realität“, sagt der Gadebuscher Amtswehrführer Ralf Siewert. „Am Tag haben wir ein echtes Problem. Und es wird immer schlimmer.“ Das Problem dabei, sagt Siewert, sei nicht die mangelnde Bereitschaft sich in Feuerwehren zu engagieren, sondern, dass die Kameraden am Tag schlicht und einfach nicht da sind. Kameraden der Mühlen Eichsener Wehr beispielsweise arbeiten in Lübeck. Sie sind im Falle eines Einsatzes einfach nicht greifbar. So geht es kleinen Wehren landauf, landab. „Deshalb werden ohnehin immer schon zwei oder drei Wehren alarmiert, damit eine einsatzbereite Truppe zusammenkommt“, sagt Siewert. Deshalb kann es wie im Fall des Autobrandes aber schon mal etwas dauern, bis die Feuerwehr vor Ort ist.

Das Land hat versucht, Abhilfe zu schaffen. Mit mäßigem Erfolg. Das Brandschutzgesetz räumt die Möglichkeit ein, dass Kameraden nicht mehr nur am ihrem Wohnort für die Feuerwehr bereitstehen, sondern auch an ihrem Arbeitsort. Wer beispielsweise in Veelböken wohnt und in Gadebusch arbeitet, kann sich in beiden Orten engagieren. Sieht gut aus, „hilft den kleinen Wehren aber nicht“, sagt Siewert. Denn in den kleinen Orten gibt es nicht viele Arbeitgeber und damit bleibt das Problem.

Im Innenministerium in Schwerin ist das Problem bekannt. Sprecher Michael Teich verweist aber zuerst einmal auf die Zuständigkeit der Kommunen, den Brandschutz sicherzustellen. Weil die aber auch keine Feuerwehrleute aus dem Hut zaubern können, betont Teich die Möglichkeit der Doppelmitgliedschaften. Zudem plädiere Innenminister Lorenz Caffier dafür, beim Auswahlverfahren für Stellen im Öffentlichen Dienst denjenigen Pluspunkte anzurechnen, die Mitglied in einer freiwilligen Feuerwehr seien, sagt der Sprecher.

Wie das Mühlen Eichsen und Testorf-Steinfort helfen soll, die Einsatzbereitschaft ihrer Wehren sicherzustellen, bleibt offen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen