zur Navigation springen

Theater in Wismar : Große Masken für große Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Schritt für Schritt und Probe für Probe bis zum großen Wismarer Reformationstheater im September

Sechs Figuren kriechen auf dem Boden der St. Georgenkirche. Langsam, bedrückend. Kommen den drei Figuren in der Mitte des Kirchenschiffs immer näher, heben die Hände, flehend, hungernd. Ihnen wird etwas zugeworfen, ein paar Krumen wie Möwen sie von Touristen am Hafen bekommen. Die Kriechenden streiten sich ebenso. Eine lautlose Szenerie. Kein Wort, keine Geräusche. Und keine menschlichen Gesichter, die Akteure tragen Großmasken. Groteske Fratzen, surreal vergrößert.

Dann ist die Szenenprobe vorbei, dann nehmen Pieter Brossog (16), einer der Kriechenden, und Christa Anni Posniak (74), eine der Werfenden, und all die anderen die Masken ab. „Man kommt ins Schwitzen und sieht kaum etwas“, erzählt Pieter. Und erklärt das Gesehene: „Wir sind in der Zeit der Renaissance, der Hungersnöte. Die Menschen würden töten, um an Essen zu kommen.“ Ein zeitloses Thema. „Hunger, Aufstand und Krieg haben in allen Zeiten gleich ausgesehen“, beschreibt der Schüler. An die Maske hat er sich inzwischen gewöhnt, er spielt seit 2013 regelmäßig mit dem Wismarer Maskenbauer Lars Maué Theater. Nun wieder, nun das bisher größte Projekt in Wismar. Seit September 2016 proben mehr als 40 Laiendarsteller an diesem „Weg der Reformation“ unter dem Titel „Freiheit und Glaube“. Kinder, Jugendliche, Studenten, Erwachsene, Lebensältere, die unabhängig von ihrer Vorerfahrung, ihrer Konfession und ihrem sozialen Hintergrund zusammen Theater spielen. Sie gehen den Weg der Reformation nach. Jetzt in der Probezeit mit der eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema, dann im September zur Wismarer Reformations-Festwoche mit den Gästen.

Projekte im Rahmen des 500. Reformationsjubiläums gibt es einige in Wismar. Eine thematische Stadtführung entsteht, in einer Textwerkstatt werden Aspekte der Reformation in Wismar – beispielsweise die bemerkenswerte Toleranz des Rates für Flüchtlinge aus anderen Ländern – aktualisiert. Jugendliche drehen einen Film zur Reformation heute. Dazu das große Theaterspiel, bei dem am Ende bis zu 500 Menschen mitwirken sollen. „Die Reformation war eine Neuordnung der gesellschaftlichen Strukturen, das ist auch in der heutigen Zeit aktuell“, erzählt Maskenbauer und Theatermacher Lars Maué. Zusammen mit seiner Frau Johanna Kanka-Maué, mit Pastor Roger Thomas, Gemeindepädagogin Meike Schröder, der Kostümbildnerin Deva Wesselinov, dem Dramaturgen Sascha Mink und dem Historiker Reno Stutz gehört er zum großen Organisationsteam.

Das gemeinsame Ziel ist ein Festwochenende vom 22. bis zum 24. September 2017 mit Musik, den Theateraufführungen und einem festlichen Gottesdienst.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen