Grenzwege informieren über Menschenschicksale

14 Stelen informieren den Besucher über die Geschichte der Grenze und die Menschenschicksale auf deutsch und englisch.
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14 Stelen informieren den Besucher über die Geschichte der Grenze und die Menschenschicksale auf deutsch und englisch.

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08. November 2012, 07:21 Uhr

Schlagsdorf | "Grenzwege Schlagsdorf - Lesezeichen in der Natur" lautet der Titel eines Parcours im ehemaligen Grenzland, der an den Bau der Mauer vor 51 Jahren und den Mauerfall heute vor 23 Jahren erinnert. Umweltminister Till Backhaus eröffnete gestern in Schlagsdorf den drei Kilometer langen Parcours, der es fortan den Besuchern ermöglicht, auf Spurensuche in der Landschaft im ehemaligen Grenzland zu gehen. Es ist ein Teil der Geschichte des Eisernen Vorhangs, der vor allem das Leben der Menschen in der Region beeinflusste, veränderte und sie einsperrte.

Auf 14 Stelen gibt es nun Informatives über Orte und Ereignisse und Menschenschicksale, die in Zusammenhang mit dem Grenzregime, der Gemeinde und seiner Umgebung stehen. Erzählt wird auch die Geschichte eines 25-jährigen Gadebuschers, dem die Flucht bei Schlagsdorf gelang und wie akribisch die Staatssicherheit den Vorfall dokumentierte. Eine Dokumentation, die sich auf eine der Stelen am Wegeabschnitt Aalkiste befindet.

"Der Parcours möge die Geschichte und die Geschichten den Besuchern vermitteln", so Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung MV. "Denn wer die Gegenwart verstehen will, der muss sich mit der Geschichte auseinandersetzen", so Schmidt. Genau daran arbeiteten verschiedenste öffentliche Institutionen und Vereine mit dem Projektträger, dem Förderverein der Biosphäre Schaalsee und dem Verein Politische Memoriale e.V. unter wissenschaftlicher Leitung von Politikwissenschaftlerin Dr. Sandra Pingel-Schliemann. Sie führte gestern die Gäste entlang der Aalkiste zum Mechower See. Ein Parcours, der aus zwei Wegeabschnitten von zirka 1,5 und 2,1 Kilometern besteht und einmalig in Norddeutschland ist. Ein Ort, der nicht wenige Teilnehmer am Eröffnungstag daran erinnerte, wie aus einem hüfthohen Stacheldrahtzaun ein 2,30 Meter hoher und unüberwindbarer Metallzaun wurde. Vor 23 Jahren öffnete sich der Zaun im November 1989. "Der 9. November ist ein Tag des Glücks und der Freude", so Minister Backhaus. Folglich sei es wichtig, an die Geschichte zu erinnern. Schlagsdorf werde somit ein besonderer Lernort zum Thema Mauerbau und Grenzöffnung für Schüler und Jugendliche im Norden.

Der Grenzparcours ist Bestandteil eines neuen Konzeptes für das Grenzhus als Stätte der Erinnerung in MV. Das neue Programm sieht eine umfassende Überarbeitung der musealen Einrichtung im Sinne einer Professionalisierung der Arbeit des Grenzhuses vor. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf mehrere hunderttausend Euro. Bis zur Vollendung ist es noch ein weiter Weg, meint Jochen Schmidt. Aber: "Es ist die erste Etappe, der hoffentlich ein Zieleinlauf folgen wird."

Die Kosten für den Parcours belaufen sich auf 73 500 Euro. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unterstützte das Vorhaben.

Heute gibt es zwei öffentliche Führungen unter sachkundiger Begleitung von Dr. Sandra Pingel-Schliemann in Schlagsdorf. Start ist um 11 und 14 Uhr.

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