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Internationales Jugendcamp : Grenzerfahrungen in Groß Thurow

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Jungen Menschen aus Zypern, Russland und Deutschland sind auf Spurensuche im internationalen Camp - in der Begegnungsstätte am Goldensee in Groß Thurow - an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

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erstellt am 17.Aug.2012 | 10:32 Uhr

Gross Thurow | Grenzerfahrungen macht Maximos Panteli schon sein Leben lang bei sich zu Hause. Er kommt von der Mittelmeerinsel Zypern, die schon seit den 1970er Jahren geteilt ist. Seit der türkischen Invasion 1974 wurde eine Demarkationslinie durch Zypern gezogen, seit dem weht im Norden die türkische und im Süden die zypriotische Flagge. Diese Grenze kann nur derjenige überschreiten, der Geld zahlt und sich ausweisen kann. Von seinem Fenster aus in seinem Heimatort Dheryneia sieht der 17-Jährige jeden Morgen nach dem Aufwachen die Grenze: "Es ist ein schrecklicher Anblick."

Ganz andere Grenzerfahrungen möchte der Schüler nun auch in Deutschland machen, direkt dort, wo die Grenze zwischen Ost und West einst verlief. Gemeinsam mit 30 Jugendlichen ist Maximos derzeit Gast in der Begegnungsstätte am Goldensee in Groß Thurow und nimmt am internationalen Workcamp vom Verein Alte Schule und dem Jugendamt Köln teil.

Im Garten der Einrichtung ist nicht nur eine Nachbildung des Grenzzauns, sondern auch Reste der ehemaligen Grenze zu finden. Zwei Wochen lang leben junge Leute drei verschiedener Nationen auf engstem Raum zusammen. Jugendliche aus Russland, Zypern und Deutschland wollen gemeinsam das Thema Grenze und Grenzerfahrung näher beleuchten und behandeln daher drei Themenkomplexe: Stalingrad, die innerdeutsche Grenze und die Demarkationslinie in Zypern.

Ziel des Workcamps ist es außerdem eine alte Garage auf dem Gelände der Begegnungsstätte in einen Informationsraum zu verwandeln, die folgenden Besuchern, Übernachtungsgästen und Schulklassen zur Verfügung stehen soll. Dafür wurden Fotos vor Ort gemacht und auch schon Material aus den jeweiligen Ländern mitgebracht. Die Jugendlichen helfen nicht nur bei dem Aufbau der Ausstellung, sondern packen mit an und bauen die Garage um. Christof Müller von der Alten Schule e.V. findet solch einen Inforaum besonders nützlich: "In den letzten Jahren hat das Thema Grenze vor allem in Deutschland eine Renaissance erfahren. Gerade die Generation, die keine eigenen Erfahrungen mit der Teilung Deutschlands gemacht hat, ist sehr interessiert und stellt auch hier vor Ort viele Fragen."

Maximos ist auch zu dem Projekt gefahren, um die Probleme in seiner Heimat zu verarbeiten: "Ich finde es hilfreich hier auch mehr über die innerdeutsche Grenze zu erfahren. Es ist interessant, dass die Ost- und Westdeutschen nun friedlich zusammenleben, das gibt mir Hoffnung, dass dies auch einmal in Zypern möglich sein kann."

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