zur Navigation springen

Wismarer bringt alte Kostbarkeiten wieder auf Vordermann : Glänzende Raritäten und heiße Eisen

vom

Der Wismarer Metallrestaurator und Gelbgießer Ralf Froese bringt alte Kostbarkeiten

wieder auf Vordermann – und verleiht ihnen neuen Glanz. So wie diesen Kirchenleuchter aus dem 17. Jahrhundert.

svz.de von
erstellt am 07.Jan.2013 | 09:31 Uhr

Wismar | Vorsichtig streicht Ralf Froese mit den Fingern über das goldgelb glänzende Metall und ist zufrieden. Die Oberflächenversiegelung ist inzwischen angetrocknet. "Ein Leuchter von 1671" erklärt der 56-jährige Hansestädter nicht ohne Stolz. Schließlich hat er lange genug an diesem kostbaren Prunkstück gewerkelt. Nur die Tropfschalen, die das Kerzenwachs aufnehmen, bleiben unbehandelt.

Einmal mehr war der Wismarer echt gefordert, der sich nicht Kunsthandwerker nennen möchte. Sein Firmenschild in der Neustadt fällt kaum auf: Metallrestaurierung & Gelbgießerei. Doch wer sich, wie der waschechte Mecklenburger, seit Jahrzehnten auch erfolgreich der Restaurierung von ihm anvertrauten, wertvollen Kunstgegenständen aus Metall widmet, genießt auch so Bekanntheit und darf sich durchaus mit Leuten aus der kreativen Branche messen. Denn in seinem Job ist voller Einsatz gefordert. Es geht meist um den Erhalt unwiederbringlicher Kostbarkeiten. Folglich hätten handwerkliche Kunstfehler an solch geschichtsträchtigen Objekten fatale Folgen.

Auftraggeber, wie häufig, ist auch diesmal mit mehreren Einzelstücken eine Kirchengemeinde in der weiteren Umgebung. Bei dieser allgemeinen Information soll es bleiben, um für das betreffende Gotteshaus nicht das Interesse von Langfingern zu begünstigen. Wie weitere Details einer Gravur am Leuchter erkennen lassen, handelt es sich allein bei diesem Gegenstand um eine Stiftungsgabe von erheblichem Wert und Größe. Filigranes Arbeiten ist ebenso bei der Überholung zweier, gleichsam wertvoller Kerzenständer aus massivem Silber angesagt, so genannte Kandelaber. "Diese ebenfalls handgearbeiteten Unikate sind mindestens 200 Jahre alt", erklärt Froese weiter.

Ist gar ein Teil dieser Objekte zerbrochen oder abhanden gekommen, ist seine Funktion als Gelbgießer gefragt. Die Farbe der Legierungen wie Bronze oder Messing war für den mittelalterlichen Begriff übrigens Namensgeber. Von diesen Metallen lassen sich in der urig anmutenden Schmiede bis zu 20 Kilo bei satten 1200 Grad Feuertemperatur zur Schmelze bringen.

Dass sich ein solcher Aufwand natürlich rechnen muss, will der Fachmann nicht verschweigen. Doch dank des Internets und langjähriger Kontaktpflege mit Kunden kommen inzwischen Aufträge aus ganz Deutschland. Dies betrifft nicht nur sakrale Gegenstände. Froese fertigt zudem die verschiedensten antiken Unikate oder erfüllt andere Kundenwünsche, wie Zunftzeichen, Wetterfahnen, Metallschilder oder individuelle Schiffsbeschläge nach Maß. "In diesem Fall dominiert als Material Bronze, denn Messing reagiert sehr viel aggressiver auf Salzwasser", so der gebütige Schweriner, der seit seiner Kindheit in Wismar lebt.

Die obere Werkstatt für den Feinbereich trägt seit Jahren museales Flair. Nicht alle der dort lagernden und hängenden Objekte sind Auftragsarbeiten. So manches Teil, darunter Gefäße, historische Beschläge oder Lampen, waren es wert, nicht entrümpelt zu werden und lassen längst Sammlerherzen höher schlagen. Deshalb fand eine einst schrottreife Originallaterne der Wismarer Wasserkunst wieder einen würdigen Platz im Innenhof vor der Werkstatt.

Der berufliche Einstieg begann übrigens mit einer Lehre als Schriftsetzer bei der "Ostsee-Zeitung". Dass damals bereits Metall, sprich Hartblei, eine Rolle spielte, aus dem noch aufwändig Drucktypen gegossen wurden, mag als Fügung des Schicksals gelten. Kein Zufall war dagegen das große Interesse an der Arbeit seines Vaters, Franz Froese. Der einstige Kupferschmied baute im Zuge der Denkmalpflege ab den 1970-er Jahren die Metallwerkstatt in der Neustadt auf. Ab 1987 führte sein Sohn Ralf die Werkstatt weiter und betreibt sie seit 1991 als Einzelunternehmer. Nach dem Reiz seiner Arbeit befragt, sieht er sich bei anspruchsvollen Aufträgen jedes Mal aufs Neue herausgefordert. Dabei ist das Wissen um die Geschichtsträchtigkeit für ihn ebenso wichtig, wie handwerkliches Können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen