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XXL-Laster rollen jetzt in 7 Bundesländern : Gigaliner gehen auf große Fahrt

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Auf deutschen Straßen läuft ein Versuch mit Riesenlastwagen - so genannten Gigalinern - an. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gab grünes Licht für Transporter, die bis zu 6,50 Meter länger sein dürfen, als bisher.

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2012 | 10:32 Uhr

Es gibt keinen symbolischen Knopfdruck, keine Zeremonie mit Schere und schwarz-rot-goldenem Band. Unspektakulär rollt auf deutschen Straßen gerade ein Versuch mit Riesenlastwagen an. Seit Jahresanfang gibt es von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) grünes Licht für Transporter, die bis zu 6,50 Meter länger sein dürfen, als bisher erlaubt - jedoch nur auf bestimmten Strecken. Der auf fünf Jahre angelegte Test soll die Vor- und Nachteile ergründen und sorgt schon jetzt für Krach: Befürworter werben für effizientere "Ökolaster", Gegner machen Front gegen gefährliche "Monstertrucks".

Was genau sind Riesenlaster?

Der Begriff bezeichnet Lastwagen, die die bislang für den Straßenverkehr zugelassene Maximalgröße überschreiten. Manche nennen sie auch "Gigaliner", das Bundesverkehrsministerium spricht offiziell von "Lang-Lkw".

Die seit 1. Januar geltende "Verordnung über Ausnahmen von straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften für Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit Überlänge" gestattet XXL-Gespanne von bis zu 25,25 Metern. Bisher dürfen Sattelschlepper 16,50 Meter messen und Lastwagen mit Anhänger höchstens 18,75 Meter. Am regulären Höchstgewicht von maximal 40 Tonnen soll sich allerdings nichts ändern.

Wer macht beim Testlauf mit?

Einfach quer durch die Republik rollen dürfen Riesenlaster nicht. Für die Gespanne, die für alle Verkehrsteilnehmer ungewohnt lang sind, gilt ein festgelegtes Streckennetz. Dabei sind jedoch nicht alle Bundesländer involviert, sondern nur Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Spediteure müssen sich zunächst bei der Bundesanstalt für Straßenwesen registrieren. Bestätigungen gingen bisher an drei Speditionen heraus, wie eine Sprecherin sagt. Interessiert angefragt hätten rund 50 Unternehmen. Angepeilt wird, dass einmal 400 Riesenlaster im Testeinsatz sind.


Was sollen Riesen-lkws bringen?

"Wo heute drei Lkw pro Tag unterwegs sind, sind es nur zwei Lang-Lkw", argumentiert Verkehrsminister Ramsauer. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wirbt, bei gleichem Transportvolumen könnten bis zu 30 Prozent Sprit und klimaschädliches Kohlendioxid gespart werden. "Der Lang-Lkw ist deswegen ein echter Ökolaster", sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann. Weil Brummis meist sperrige Fracht laden, geht es nicht um mehr erlaubtes Gewicht, sondern um mehr Platz: Während in einen normalen Sattelzug 34 Paletten passen, soll ein Riesenlaster 53 davon schlucken können.

Was sagen die Spediteure?

"Das sind keine Brot- und Butterfahrzeuge für die letzten Winkel des Landes", erläutert der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Karlheinz Schmidt. Sinnvoll sein könnten sie aber, um große Umschlagpunkte wie Seehäfen oder Güterbahnhöfe zu verbinden. Wenn jeweils nur zwei statt drei Fahrer und Trucks nötig sind, kann das auch Preiskalkulationen für Transporte günstiger machen.

Dass die XXL-Flotte rasch wächst, gilt in der Branche aber nicht als wahrscheinlich. Ist eine interessante Route nicht im Streckennetz, muss sie erst amtlich beantragt werden.

Was bedeuten Riesenlaster fürn die Strassen und die Sicherheit?

Kritiker sehen das Verkehrsnetz für "Monstertrucks" nicht gewappnet. "Unsere Straßen und Brücken, aber auch die Rastplätze an den Autobahnen sind für solche Fahrzeuge nicht ausgelegt", mahnen SPD und Grüne. Der Autofahrerclub ADAC fordert ein scharfes Auge an "kritischen Punkten" wie Ortsdurchfahrten, Kreuzungen, Kreisverkehren und bei Überholmanövern. Auch die "Allianz pro Schiene" als Bahnlobby warnt vor Risiken, da die Routen auch über Bahnübergänge führten. Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland warnt, durch Riesenlaster würden Transporte von der Schiene auf die ohnehin überlasteten Autobahnen zurückverlagert.

Befürworter verweisen dagegen auf Fahrerschulungen, Pflicht-Sicherheitstechnik und ein Gefahrgutverbot. Dass sich beim Riesen-Lkw das Gewicht auf mehr Achsen verteilt, schone sogar die Fahrbahnen.

Was sagt die Bahn?

Die Bahn, für deren Speditionstochter Schenker 20 000 Lkw durch Europa fahren, beteiligt sich nicht am Test. Der laufende Betrieb wäre schwer darzustellen, weil durch die Nicht-Teilnahme mehrerer Bundesländer verkehrsstarke Korridore künstlich unterbrochen seien, sagt ein Sprecher. Neuen Ansätzen verschließe sich der Konzern aber nicht. "Wir sind für alles, was Vernetzung fördert und gegen alles, was ihr schadet." Maße von Frachtstücken müssten etwa weiterhin zu Rampen und Kränen passen.

Wie geht es weiter?

SPD und Grüne wollen den Test per Verfassungsklage kippen. Der Vorwurf: Ramsauers Verordnung ohne Zustimmung von Bundesrat und Bundestag habe Beteiligungsrechte missachtet. Wohl im Frühjahr sollen Experten der Bundesanstalt für Straßenwesen eine wissenschaftliche Begleitung des Tests starten und etwa Fahrtprotokolle und Unfallmeldungen auswerten - sofern dann eine aussagekräftige Zahl von Riesenlastern rollt.

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