Grevesmühlen : Giftige Dämpfe: 30 Schüler verletzt

Im Foyer des Gymnasiums kümmerten sich Helfer und Rettungskräfte um die Schüler.  Fotos: KAES
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Im Foyer des Gymnasiums kümmerten sich Helfer und Rettungskräfte um die Schüler. Fotos: KAES

Brom-Unfall im Chemieunterricht sorgt für Großeinsatz am Gymnasium in Grevesmühlen / 13 Mädchen bleiben im Krankenhaus

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10. Dezember 2014, 20:50 Uhr

Eine Unachtsamkeit wurde 30 Gymnasiasten in Grevesmühlen zum Verhängnis. Einem Chemielehrer des Gymnasiums am Tannenberg war gestern gegen 9.30 Uhr im Unterricht mit Siebtklässlern eine Reagenzglas mit Brom aus der Hand gerutscht, auf den Boden gefallen und zerbrochen. Der Lehrer reagierte prompt. Er evakuierte die Klasse und ließ das schulinterne Krisenteam zusammenkommen. „Wir haben uns dann noch einmal informiert, was in so einem Fall zu tun ist, und auch die Eltern der Kinder benachrichtigt“, erklärt Schulleiterin Ute Debold.

Doch etwas ging zu dem Zeitpunkt scheinbar unter: die Feuerwehr zu informieren. „Wir wurden zu spät alarmiert“, sagt Kreiswehrführer Torsten Gromm. Denn erst gut eine Stunde später wurden die Rettungsleitstelle und die Feuerwehr alarmiert. Schülerinnen und Schüler klagten zu dem Zeitpunkt bereits über Übelkeit und Kopfschmerzen. Mehr als 30 Schüler sowie einige Lehrer waren betroffen.

Die gegen 11.20 Uhr eintreffenden Rettungskräfte der Feuerwehr und Polizei räumten das gesamte Haus III des Gymnasiums. Brom ist ein sehr giftiger und stark ätzender Stoff. Inhalierte Bromdämpfe können zu Atemnot, Lungenentzündung und Lungenödem führen.

Mit der Evakuierung endet für rund 250 Schüler der Unterricht. Sie wurden nach Hause geschickt, teilweise mit Bussen gebracht. „Wir haben auch dann wieder die Eltern informiert“, sagt die Schulleiterin. Dass sie zu spät reagiert habe, wollte sie so nicht stehen lassen. „Es ist bei der Beurteilung der Gefährdung und den eingeleiteten Maßnahmen mehr Zeit vergangen als gedacht. Aber die Sicherungskette hat gut funktioniert“, erklärte die Schulleiterin. Und es gebe heute auch keine Einschränkungen: „Der Unterricht findet wie gewohnt statt.“

Von den mehr als 30 Verletzten wurden insgesamt acht nach Wismar und 18 nach Schwerin ins Krankenhaus gebracht. Zehn von ihnen mussten gestern Abend in Schwerin und drei in Wismar bleiben, teilte Christian Becker, Sprecher der Schweriner Helios-Klinik mit. Keines der Kinder sei schwer verletzt. Die Mädchen und Jungen blieben zur Beobachtung im Krankenhaus, so der Schweriner Klinik-Sprecher. „Wir hatten kurzfristig auch eine Service-Telefonnummer und einen gesonderten Wartebereich eingerichtet“, fügte Becker hinzu.

Gegen 13.15 Uhr konnte das Haus 3 des Gymnasiums wieder freigegeben werden. „Wir haben vier Messungen mit unterschiedlichen Geräten durchgeführt und konnten kein Brom mehr feststellen“, erklärte der Grevesmühlener Wehrführer Steve Klemkow. Mit Atemschutzgeräten waren die meisten seiner Leute im Einsatz. Das sichergestellte Brom und das zerbrochene Gefäß werden nun in einem Spezialbehälter in der Schule verwahrt.

„Solche Sachen passieren nun nicht alle Tage und geübt haben wir solch einen Extremfall mit mehr als 30 Verletzten auch noch nie, aber wir haben es dennoch gut gemeistert“, sagte Klemkow und gibt auch noch eine Spitze in Richtung Schulleitung ab: „Man hätte uns nur eher informieren müssen!“

So hätte die Wehr schneller die giftigen Brom-Dämpfe aus dem Schulhaus verbannen können. „Mit Spezialtechnik haben wir die Klassenräume durchgelüftet“, erzählte der Wehrführer.

Am Einsatz waren insgesamt 30 Kameraden der Feuerwehren aus Rehna, Dassow und Grevesmühlen beteiligt.

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