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Integration von Asylbewerbern : Geteiltes Echo auf Schulleiterkritik

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Neubrandenburg teilt Befürchtungen der Berufsschule in Wismar

svz.de von
erstellt am 22.Mär.2017 | 19:26 Uhr

Der Hilferuf des Schulleiters der Berufsschule des Landkreises Nordwestmecklenburg sorgt weiter für Aufregung. Holger Stein hatte Probleme bei der Integration von jugendlichen Asylbewerbern am Berufsschulzentrum Nord (BSZ Nord) in Wismar gegenüber SVZ öffentlich angesprochen und damit eine Welle der Diskussion ausgelöst. Der Schulleiter hatte weitreichende Sprachprobleme und daraus resultierende Perspektivlosigkeit angesprochen, über Asylbewerber mit weit mehr als 200 Fehlstunden, körperliche Auseinandersetzungen untereinander, Drogenbesitz und ungenügende Sanktionsmöglichkeiten seitens der Schule berichtet.

Das Echo in sozialen Medien, Behörden und Politik reicht von Ablehnung bis Unterstützung. Während Holger Stein in den sozialen Medien von einer Welle der Sympathie, des Respekts und der Zustimmung für seine offenen Worte getragen wird, äußert sich das Bildungsministerium zurückhaltend. „Das mangelnde Sprachniveau ist uns bekannt. Die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund besuchen gerade deswegen diese Klassen, um die deutsche Sprache zu erlernen. Dass der Unterricht mit den Jugendlichen für Lehrerinnen und Lehrer eine große Herausforderung ist und Probleme auftreten können, wissen wir auch“, sagt Henning Lipski. Darüber hinaus hätte der Leiter des BSZ Nord nach Aussage des Pressesprechers des Bildungsministeriums MV ein Schreiben aus seinem Haus erhalten, in dem mitgeteilt wurde, wo und wie geforderte Übersetzungsleistungen bezogen werden können. Lipski weiter: „Sollte Herr Stein zusätzliche Unterstützung benötigen, wäre es hilfreich, wenn er sich an seine zuständige Schulrätin wendet.“

Unterstützung bekommt Stein aus Neubrandenburg. Mit Sorge sieht Torsten Sommer dort die Entwicklung rund um die Integration jugendlicher Asylbewerber. „Wir wollen sie alle in Arbeit bringen. Aber die Befürchtungen meines Wismarer Kollegen, dies nicht zu schaffen, teile ich in jedem Fall“, sagt der Leiter der Beruflichen Schule des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte – Wirtschaft, Handwerk und Industrie. Auch, was die Sprachbarrieren angehe, sei er auf der Seite von Holger Stein. Darüber hinaus habe es auch an der Berufsschule in Neubrandenburg bereits körperliche Auseinandersetzungen gegeben. „Ende 2016 hatten wir hier eine größere Schlägerei zwischen Syrern und Afghanen“, sagt Torsten Sommer. So etwas habe man zwischenzeitlich von der Intensität her zwar beruhigen können. Das Grundpotenzial an Aggressivität vor allem wegen unterschiedlicher Weltanschauungen hingegen könne man immer wieder beobachten, sei aber nicht vorhersehbar.

Dabei gebe es in Neubrandenburg wie auch in Wismar durchaus Positives zu berichten. Von Schülern, die sich integrieren wollen, alles dafür tun und wo dann entsprechende Erfolge sichtbar würden. Doch das oftmals nur durch unglaublich hohen personellen Aufwand, der durch die Schulen nicht mehr zu leisten sei, meint Sommer.

Engagement auch andernorts. „Für unsere Lehrer ist das eine große Herausforderung, der wir uns stellen. Alle Kollegen geben dabei ihr Bestes“, sagt Petra Voß als Leiterin der Beruflichen Schule der Landeshauptstadt Schwerin – Technik. Die Ergebnisse, die dabei herauskommen werden, seien aber fraglich.

Beim Landkreis Nordwestmecklenburg als Träger des Berufsschulzentrums Nord in Wismar weist man jegliche Verantwortung für die von Holger Stein öffentlich gemachte Problematik von sich. Bildung sei Ländersache, heißt es auf Anfrage der SVZ. Kreissprecherin Petra Rappen: „Wir sind natürlich im Kontakt mit dem Berufsschulzentrum Nord und in konkreten Einzelfällen helfen die Sozialarbeiter des Landkreises. Über massive Probleme hat der Schulleiter des Berufsschulzentrums den Landkreis bisher nicht informiert. “

 

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