zur Navigation springen

Geschenk aus Wismar : Geschütze für die Pommernkogge

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die AG Salutkanonenbau von Schottel übergab zwei Relinggeschütze

Der laute Mündungsknall aus zwei Falconetts, so die Bezeichnung der nachempfundenen mittelalterlichen Feuerwaffen, war auf dem Wismarer Schottel-Gelände nicht zu überhören. Der Grund war triftig: Test- und Übergabevorführung von Mitgliedern der AG Kanonenbau in Anwesenheit von leitenden Unternehmens-Mitarbeitern und Gästen. Zu denen gehören Werner Löwe, der Kapitän der neuen Pommernkogge „Ucra“ und sein Bootsbaumeister Joachim Winter. Und die durften mit den wertvollen Geschenken nach Ueckermünde zurückkehren, dem neuen Heimathafen des Schiffes.

„Tolle Arbeit, tolle Geschütze, ein ganz großartiges Geschenk“, so die erste Reaktion der beiden. Und die waren von der besonderen Herzlichkeit und Großzügigkeit, die ihnen in Wismar widerfuhr, überrumpelt. Das mache nicht nur den ehrenamtlichen Kanonenbauern alle Ehre, sondern ebenso dem Unternehmen Schottel.

„Diese traditionelle Bewaffnung passt zur Wahrung der Saluttradition hervorragend auf unser Achterkastell und wird eines der Schmuckstücke unserer Kogge bilden“, so der 68-jährige Kapitän. Den ersten Schuss wollen sie deshalb während der Jungfernreise durch das Stettiner Haff abfeuern und zwar zu Ehren der Schottel-Kanonenbauer und den Wismarer Koggenfreunden. Das wird voraussichtlich Anfang Juni der Fall sein. Zuvor sorgte Steffen Jeroma, amtierender Organisator der Kanonenbauer für den „zündenden Moment“. Hartmuth Schießer übernahm die Aufsichtsfunktion als Geschützmeister gleich in mehrfacher Funktion. Denn er ist nicht nur an Bord der heimischen Kogge „Wissemara“ aktiv. Seit Jahren ist er Mitglied im Wismarer Schützenverein Hanse von 1990. Angemerkt sei zudem, dass der einstige Schottel-Werkzeugmacher als einer der geistigen Väter und Gründungsmitglieder der dortigen AG Kanonenbau gilt. Mehr als zehn Jahre sind inzwischen vergangen, seit dem hochqualifizierte Schottel- Metall- und Maschinenbaufachleute in der Freizeit begannen, historische Schiffsgeschütze nachzubauen. „Zu verdanken ist dies einer verständnisvollen Niederlassungsleitung, sonst wäre dies alles nicht möglich“, wie Steffen Jeroma betonte.

So entstanden nach Recherchen über mittelalterliche Kanonen erste Zeichnungsrisse, die per Computer so umgesetzt werden konnten, dass damit eine rechnergestützte Metallbearbeitung möglich war. „Ausreichende Erfahrung sammelten wir bereits bei der Anfertigung zweier Relinggeschütze für unsere ‚Wissemara‘, die im Juni 2006 übergeben wurden“, erinnert sich Schießer. Zudem bestanden zwei Schiffslafettengeschütze im Herbst 2013 ihren Saluttest. Nebenbei nahm bereits die jetzige dritte Variante, gewehrartige Falconetts, Gestalt an. Sie wurden frühen Feuerwaffen aus dem 12. bis 13. Jahrhundert nachempfunden. Damals dienten als Munition nicht nur Bleikugeln, sondern auch Brandpfeile. Später im 16. bis 17. Jahrhundert entstand daraus eine Weiterentwicklung als sehr leichte Geschütze.

Die Schottel-Profis entwickelten eine Variante als Kammergeschütz mit einer Bohrung von 13 Millimetern und einer Mündungsöffnung von 29 Millimetern. „Wir haben zudem Wert auf eine Perkussionszündung gelegt, (gemeint sind Zündhütchen), weil auf einem Holzschiff nicht mit brennender Lunte gearbeitet werden sollte“, so Schießer.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen