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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. Oktober 2017 | 02:27 Uhr

Krimi : Gemeuchel bei Gadebusch

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Der Krimiautor Frank Friedrichs lässt seine Figuren in einem fikitonalen Dorf neben der Münzstadt Katz und Maus spielen

svz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 04:45 Uhr

Die Feder ist stärker als das Schwert – auch in Nordwestmecklenburg. Das dachte sich auch Frank Friedrichs. Er schrieb einen Krimi, inspiriert von der Umgebung von Gadebusch. Wie er zum Schreiben kam und warum hier spannend gemordet und ermittelt werden kann, beantwortet der Autor im Interview mit Redakteur Peter Täufel.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Das ist schon in meiner Schultzeit gewesen. Ich habe schon immer gern geschrieben. Das muss in der vierten oder fünften Klasse gewesen sein, da habe ich meinen ersten Krimi geschrieben. Das war im Schulheft. Das waren so zwanzig Heftseiten in etwa. Das war eine absolut banale Geschichte aus heutiger Sicht, aber ich fand das toll. Etwas ernster ist es dann geworden, nachdem ich meine beiden Traumberufe an den Nagel hängen musste.

Eigentlich wollte ich gern Schauspieler oder Dirigent werden. Irgendwann sagte mein Theatergruppenleiter zu mir: „Überleg dir das mit dem Schauspiel nochmal. Du machst doch auch Musik, werd doch Dirigent.“ Dann sagte mein Klavierlehrer irgendwann: „Willst du nicht lieber Schauspieler werden?“ In dem Moment habe ich gedacht: Dann vielleicht lieber beides nicht. So hat sich immer stärker herausgestellt, dass Schreiben mein Lebensinhalt sein sollte.

Ist dieses Buch ihr Erstlingswerk?
Das ist mein erster Krimi, aber nicht das erste Buch. Veröffentlicht sind von mir bereits Kindergeschichten und verschiedene Geschichten in anderen Anthologien. Daneben gibt es natürlich viel, was nicht veröffentlicht ist, weil es – zumindest noch – nicht gut genug ist. Darunter ein Fantasy-Roman und ein heiterer Frauenroman. Zumindest letzterer wird irgendwann erscheinen, wenn ich Zeit habe, den zu überarbeiten. Aber das Krimi-Genre gefällt mir so gut, dass ich dabei bleiben möchte.

Können Sie vom Schreiben leben oder haben Sie noch ein zweites Standbein?
Noch kann ich nicht davon leben. Ich arbeite noch immer freiberuflich als Lektor, Korrektor und Fernlehrer. Aber ich hoffe natürlich, dass ich mit meinen Marketing-Methoden – wie Aufkleber, die auf die Regionen hinweisen und Lesereisen – dann irgendwann so einen Bekanntheitsgrad erreicht habe und natürlich auch weiter Bücher produziere, so dass ich irgendwann davon leben kann.

Warum spielt der Krimi in der Region von Gadebusch?
Das hat eine etwas längere Geschichte. Ursprünglich dachte ich, es wäre doch ganz originell, wenn man einen Krimi direkt bei uns in Woez spielen lässt. Da kenne ich mich natürlich aus, da kenne ich jeden Baum und jeden Strauch. Es wäre doch ganz lustig, wenn ich da als Ermittler durch die Gegend laufe. Irgendwann kam mir dann aber der Gedanke, dass sich auch meine Nachbarn wiedererkennen würden und dann wahrscheinlich in Figuren, die eher unsympathisch sind.

Daher dachte ich mir dann, dass es keine so gute Idee ist, sich nur um des Schreibens Willen mit der Nachbarschaft zu verkrachen. Daraufhin habe ich eine Zeitlang überlegt, das ganz weit weg spielen zu lassen – Dorf Mecklenburg oder Bad Kleinen. Da ist dann aber das Problem, dass ich bei jedem Mal nachdenken, welcher Baum steht an welcher Straßenecke, zum Gucken eine halbe Tagesreise machen müsste.

Also dachte ich mir, ich mache es ganz anders. Ich erfinde einfach ein Dorf, setze es aber dichter in die Region, so dass ich auch schnell in die Landschaft fahren kann. Aber welches Haus da nun steht und wer wo wohnt, das denke ich mir dann selber aus.

Wo spielt es denn genau?
Das fiktive Dorf Vertikow liegt anstelle des realen Neuendorf. Ich habe also quasi ein Dorf von der Landkarte getilgt und ein neues kreiert.

Wie wollen Sie sich von der Masse abheben, eine Wiedererkennbarkeit erreichen?
Was so ziemlich einzigartig ist, ist mein Ermittler. Der war früher Organist in Vertikow, der kann das aber nicht mehr machen, weil er nach einem Motorradunfall im Rollstuhl sitzt. Dadurch begegnen ihm schon einige Hindernisse. In manchen Dörfern ist es ja schon zu Fuß nicht einfach, mit dem Rollstuhl hat er natürlich mehr Probleme.

Schon im ersten Fall will er für die Untersuchung in das Haus des Opfers, da führen aber Stufen hinauf. Da kommt er gar nicht rein. Sowas haben viele andere Ermittler gar nicht. Daneben versuche ich eine Balance zu finden zwischen dem humorvollen, etwas skurrilen Regionalkrimi aber auch ernsten Themen, wie in diesem Fall die Deutsch-Deutsche Geschichte. Wie gehen „Wessis“ und „Ossis“ heutzutage miteinander um.

Der nächste Krimi wird übrigens ein Wirtschaftskrimi, da geht es dann zum Beispiel auch darum, wie wir mit dem Wald umgehen.

Wie sehen Sie Ihre Chancen?
Regionalkrimis liegen zwar im Trend, es ist aber relativ schwierig, das vorher zu sagen. So ein paar Krimis aus MV gibt es ja auch. Mein Problem ist, dass ich mir keine Urlaubsregion ausgesucht habe wie die Wismar-Krimis, die Schwerin-Krimis, die werden von mehr Leuten gesehen und daher auch gekauft. Da habe ich die Herausforderung, die es zu meistern gilt. Da bin ich auch immer am Überlegen, wie ich das mache.

Wo sehen sie sich in fünf bis zehn Jahren?
Realistisch gehe ich davon aus, dass ich gut vom Schreiben leben kann, vom Verkauf der Bücher und den Touren. Und wünschen würde ich mir natürlich, dass ich unter den Krimilesern in Deutschland bekannt bin.

 

Der Autor Frank Friedrichs

Frank Friedrichs ist 48 Jahre alt – Jahrgang 1969 –, wohnt in Woez, ist aber geborener  Hamburger. Den Hang und die Liebe zum Land hat er nie verloren und zog  2007 nach Woez im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Das Dorfleben dort inspirierte ihn, seinen Krimi  in dem fiktiven Dorf „Vertikow“ spielen zu lassen. Das im November 2016 erschienene Buch hat eine Auflage von 700 Stück, die beinahe alle ausverkauft sind.
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