Breesen : Gemeinsam mit einer Stimme

Bereits fünf dicke Bücher Chronik hat der Behindertenverein Gadebusch zusammengestellt, hier präsentiert von der Vorsitzenden Jutta Stüber und Vereinsmitglied Wolfgang Skupin.
Bereits fünf dicke Bücher Chronik hat der Behindertenverein Gadebusch zusammengestellt, hier präsentiert von der Vorsitzenden Jutta Stüber und Vereinsmitglied Wolfgang Skupin.

Der Behindertenverein Gadebusch macht sich seit 27 Jahren für seine Mitglieder und die Barrierefreiheit in und um die Münzstadt stark

svz.de von
11. Juli 2018, 05:00 Uhr

An der Bushaltestelle stehen und nicht wissen, wie man über die Kante in den Bus steigen soll oder vor einem Museum stehen und nicht hineinkönnen, weil der Rollator die Treppen nicht packt – genau solche Szenen sind der Grund für das Entstehen des Behindertenvereins Gadebusch vor 27 Jahren gewesen. „Wir wollten den Behinderten eine Stimme in der Gesellschaft geben und uns für eine barrierefreie Umgebung stark machen“, sagt die Vorsitzende des Vereins, Jutta Stüber. Die Ziele haben sich bis heute nicht geändert, die Zeiten schon.

„Als wir uns damals gründeten, standen wir noch unter der Schirmherrschaft des DRK. Nach der Wende haben wir erst davon erfahren, was für die Behinderten zu bewegen ist.“ Rasch war Hilfe in den alten Bundesländern gefunden, die bei der Vereinsentstehung unterstützten. „Wir wussten damals gar nicht, welche Möglichkeiten wir hatten, uns als Behinderte auszuweisen ohne auf Krücken herumlaufen zu müssen“, sagt Vereinsmitglied Wolfgang Skupin. Nach der Vereinsgründung wuchs das Wissen schnell an. „Hilfe bei Anträgen gehört ebenso dazu wie die Frage nach der Barrierefreiheit in der Wohnung.“

Barrierefreiheit ist ohnehin das Schlagwort, das den Verein vorantreibt. „Ich finde, dass jede öffentliche Einrichtung barrierefrei sein muss“, sagt Jutta Stüber. Seit der Vereinsgründung haben sie und die anderen Mitglieder aber einen Wandel in der Gesellschaft festgestellt. „Heute wird bei den Bauten sehr viel darauf geachtet, dass alles barrierefrei entsteht“, lobt sie. So werde der Behindertenverein Gadebusch beispielsweise auch vom Bauamt der Stadt eingeladen, sich Bebauungspläne anzuschauen. „Dort können wir dann auch unsere Vorschläge und Ansichten mitteilen“, sagt die 64-Jährige. Erfolge, wie der barrierefreie Wegebau am Friedhof in Gadebusch sind das Ergebnis der guten Zusammenarbeit zwischen Stadt und Verein.

Nicht weniger wichtig als die Präsenz vor Ort ist im Verein das Zusammensein. „Viele der Mitglieder sind schon älter und häufig allein. Da ist es ein Bedürfnis, sich einmal im Monat zu sehen und dem Nachbarn die neuesten Nachrichten zu erzählen. Dazu zählt ja nicht nur Wichtiges, sondern eben auch das Alltägliche“, berichtet der 79-Jährige. Daneben organisiert der Verein zahlreiche Veranstaltungen für seine Mitglieder. Zum Beispiel eine Weihnachtsfeier, Fasching und den Frauentag.

Außerdem unterstützt der Behindertenverein Gadebusch den Behindertenbeirat Nordwestmecklenburg bei der jährlichen Ausrichtung des „Aktionstags für Menschen mit Behinderung“. Der findet jedes Jahr im Mai statt und macht aufmerksam, damit „wir uns bewegen können ohne an Grenzen zu stoßen“, so Jutta Stüber.

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