Stösst Schlagsdorf an seine grenzen? : Gemeinden fürchten um Zukunft

Carlow ist eine wachsende Gemeinde. Ob es so in den nächsten Jahren weitergehen kann, ist fraglich.
Carlow ist eine wachsende Gemeinde. Ob es so in den nächsten Jahren weitergehen kann, ist fraglich.

Regionalkonzept für Westmecklenburg will zentrale Orte stärken / Carlow und Schlagsdorf könnten nicht weiter wachsen

svz.de von
31. März 2016, 04:45 Uhr

Werden Carlow und Schlagsdorf bald ausgebremst? Diese Frage stellt sich mit Blick in die „Konzeption für eine Neudefinition in den nicht zentralen Gemeinden der Planungsregion Westmecklenburg“. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich die spannende Frage, wie es ab 2021 weitergehen soll auf dem platten Land und wie sich Gegenwart und Zukunft vereinen lassen.

Das Problem ist die so genannte Drei-Prozent-Regel. Konkret bedeutet dies, dass Gemeinden von 2007 bis 2020 um bis zu drei Prozent wachsen dürfen. Daran sind bisher keine Bedingungen geknüpft. Berechnungsgrundlage ist der Bestand an Wohnraum im Jahr 2005.

Das stellt Schlagsdorf und Carlow aktuell vor Probleme. Beide Gemeinden wachsen und wollen neue Baugebiete erschließen. In Carlow sind schon 14 Wohneinheiten entstanden und die Gemeinde hat damit ihre drei Prozent ausgeschöpft, erklärt Daniela Sperling vom Amt Rehna.

Ein ähnliches Schicksal ereilt Schlagsdorf. Zurzeit wird ein neuer Bebauungsplan erarbeitet. Geplant sind zehn Wohneinheiten. Damit wären die besagten drei Prozent jedoch überschritten. „Wir führen gerade Gespräche mit dem Amt für Raumordnung und hoffen, dass wir mit unserer Argumentation durchkommen“, sagt Daniela Sperling. Denn wenn das Amt die Überschreitung der Drei-Prozent-Regelung ablehnte, ist das neue Baugebiet in Schlagsdorf wohl vom Tisch.

Carlow und Schlagsdorf leiden darunter, dass sie keine Umlandgemeinden sind. Denn um sechs Prozent kann beispielsweise Gägelow vor den Toren Wismars wachsen. Doch Schlagsdorf und Carlow sind bei Familien beliebt. Es gibt Schulen und Kitas, Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte. Für Pendler nach Hamburg und Berlin liegen die Dörfer ideal.

In Rehna hoffen sie, dass der Raumentwicklungsplan ab 2021 den besonderen Bedingungen von Gemeinden wie Schlagsdorf und Carlow Rechnung trägt. Allzu große Chancen rechnen sich das Amt aber nicht aus. Pro 10 000 Einwohner wird ein Vertreter in die Verbandsversammlung entsandt. Das Amt ist mit genau einem Vertreter dabei, Schwerin hingegen mit zehn.

Hintergrund ist eine Diskussion im Planungsverbandes Westmecklenburg über ein neues Gutachten. Darin heißt es, „die Wohnbauflächenentwicklung ist bedarfsgerecht auf die Zentralen Orte zu konzentrieren. In den anderen Gemeinden ist die Wohnbauflächenentwicklung auf den Eigenbedarf der ortsansässigen Bevölkerung auszurichten“.

In Auftrag gegeben hat das Gutachten der Planungsverband. Es soll die Grundlage für eine Weiterentwicklung des Regionalen Raumentwicklungskonzeptes von 2021 bis 2030 sein.

Sollte das Gutachten vollständig in die Regionalplanung Eingang finden, sieht es für einige Gemeinden düster aus.

Denn mit der Neuregelung müssen die Gemeinden bestimmte Kriterien erfüllen, wollen sie mehr als drei Prozent bauen. Infrastruktur, seniorengerechter Wohnraum, Potenzial der Innenentwicklung und Entwicklung eines Flächenmanagements zählen dann.

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