Pokrent/Stöllnitz : Gemeinde sperrt Weg

Das mangelhafte Baumaterial wird entfernt und eine neue Schicht aufgebracht. Die schätzt Frank Scholz vom Fachdienst Umwelt des Landkreises als unbedenklich ein.  Fotos: herder
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Das mangelhafte Baumaterial wird entfernt und eine neue Schicht aufgebracht. Die schätzt Frank Scholz vom Fachdienst Umwelt des Landkreises als unbedenklich ein. Fotos: herder

Streit um Bauarbeiten für Windpark geht weiter

svz.de von
09. Juli 2014, 07:00 Uhr

Seit gestern Morgen geht am Pokrenter Weg in Stöllnitz nichts mehr: Um 6.30 Uhr hat Bürgermeister Werner Guschewski den Weg für Baufahrzeuge in Anwesenheit hinzu gerufener Polizisten sperren lassen. In den Feldern zwischen Pokrent, Neuendorf und Stöllnitz werden derzeit Wege für einen geplanten Windpark gebaut. Zudem hat Guschewski Strafanzeige gegen die Firma Gollan gestellt.

Innerhalb weniger Tage, so Guschewski, sei der Weg durch die Schlepper so erheblich zerfahren worden, dass er aus Sicherheitsgründen habe gesperrt werden müssen. „Um den Weg trotz der Schäden noch befahren zu können, wurde in die entstandenen Löcher dann Ziegelrecycling mit erheblich belastetem Fremdmaterial reingekippt“, so der Bürgermeister weiter.

Und zwar genau jenes Ziegelrecycling, weshalb das Unternehmen bereits seit vergangener Woche in der Kritik steht: Nach Kontrollen des Amtes Lützow-Lübstorf und Hinweisen etlicher Bürger hatte sich herausgestellt, dass hier von Gollan im Auftrag privater Investoren mangelhaftes Baumaterial in die untere Tragschicht der im Bau befindlichen Straße eingebracht wurde (SVZ berichtete). Nun muss das bereits ausgebrachte, mit Scherben, Metallen und Kunststoffen vermengte Material aufgenommen und ersetzt werden.

Das – und noch mehr – fordert Guschewski auch für den der Gemeinde gehörenden Pokrenter Weg: „Das Ziegelrecycling muss wieder raus. Und dann müssen wir schauen, ob wir uns mit Gollan außergerichtlich über die Instandsetzung des Weges einigen können. Wenn nicht, bin ich gewillt, dies bis zur letzten Instanz durchzuziehen. Auch bei einer Zuwiderhandlung gegen das Verbot bin ich nicht bereit, es darauf beruhen zu lassen. Notfalls werde ich mit einer einstweiligen Verfügung vorgehen.“ Noch in dieser Woche will sich der Bürgermeister zu Gesprächen mit Verantwortlichen von Gollan treffen.

Guschewski ärgert vor allem eines: „Diese Sondernutzung des Weges war nicht abgesprochen. Eine solche Maßnahme muss vorher abgesprochen werden, nicht zuletzt, um zu klären, wer für eventuelle Schäden aufkommt.“ Dies bestätigt auch Andreas Lausen, Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Gadebusch. „Eigentlich sollte das Areal aus Richtung Pokrent, Badow, Renzow erschlossen werden. Wenn es dann doch Interesse gibt, diesen Weg zu nutzen, hätte man die Gemeinde fragen müssen. Denn auch wenn es sich um einen öffentlichen Weg handelt, ist dies eine Sondernutzung. Und jeder Kraftfahrer ist dafür verantwortlich, keine Schäden anzurichten.“ Auch Lausen ist aktiv geworden: Mit Frist Mittwoch kommender Woche hat er das Unternehmen Naturwind, das den Windpark bauen lässt, und die Firma Gollan aufgefordert, die Straße wieder instand zu setzen und gemeinsam mit dem Amt abzunehmen.

Gollan indes weist die Zuständigkeit von sich. Sie seien, betont Annekathrin Schmidt, Assistenz der Geschäftsführung bei Gollan, lediglich Auftragnehmer. „Die Zuwegung ist Bestandteil der Ausschreibung vom Auftraggeber, wir sind hier nur das ausführende Unternehmen.“ Auftraggeber ist der Anlagenhersteller Enercon. „Große Bauvorhaben sind natürlich mit einer großen Anzahl von Transporttätigkeiten verbunden. Insofern sind auch die derzeitigen Transporte notwendig. Die genutzte Straße ist eine öffentliche Straße. Die Baufahrzeuge, die über diese Straße gefahren sind, benötigen keine Sondergenehmigungen, da es sich nicht um Spezialfahrzeuge handelt. Die betroffene Straße sollte nur kurzzeitig genutzt werden. Aufgrund der Sperrung wird nun eine alternative Strecke befahren“, erklärt Michael Liesner von Enercon.

Indes gibt es zumindest in einer Hinsicht Entwarnung: Gefährliche Abfälle, so Frank Scholz, Sachgebietsleiter Abfallwirtschaft im Fachdienst Umwelt des Landkreises, seien in der bereits ausgebrachten und nun wieder aufzunehmenden Schicht nicht feststellbar.

Am Montag hatte Scholz das Areal zwischen Neuendorf, Pokrent und Stöllnitz überprüft, nachdem sich sowohl das Amt Lützow-Lübstorf als auch Bürger um einen Termin bemüht hatten. „Die unterhalb eingebrachte Schicht enthielt in optisch sehr auffälligem Maße nicht mineralische Abfälle wie Kabelreste, Plastikteile, Folien, Metallteile. Während des Termins fanden bereits Arbeiten zur Entfernung dieses Materials und Ersatz durch Material, dass erheblich weniger nichtmineralische Abfälle enthält, statt. Das ausgebaute Material wurde von dem Lieferanten auf seinen Betriebshof zurückgenommen. Das neu eingebaute Material wirkte unbedenklich“, so das Fazit von Scholz.

Die Bürger kann das kaum beruhigen: In einem kleinen Plastikbeutel sammelt Günter Rickert, Gemeindevertreter und stellvertretender Bürgermeister von Krembz, Fundstücke vom staubigen Boden. Batterien, riesige Schrauben, Medikamente und allerhand Kunststoffe gehören dazu. Rickert ist überzeugt, auch Asbest gefunden zu haben. „Es kann nicht sein, dass sie diesen Müll jetzt auch noch auf einen öffentlichen Weg gekippt haben.“

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