Energiewende : Gegenwind für Investoren

Skeptische Blicke: Gadebuscher und Wakenstädter sehen sich eine Infokarte an zu einem möglichen Windpark-Standort an.
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Skeptische Blicke: Gadebuscher und Wakenstädter sehen sich eine Infokarte an zu einem möglichen Windpark-Standort an.

Die Debatte über einen möglichen Windpark bei Gadebusch gewinnt an Schärfe

svz.de von
13. November 2014, 00:28 Uhr

Die Debatte über einen möglichen Windpark bei Gadebusch gewinnt an Schärfe und könnte bald auch Thema in Diplomaten-Kreisen werden. So warnt der Kulturhistorische Verein von 1712 davor, eine Energiewende auf Kosten der Geschichte forcieren zu wollen. „Sollten mögliche Anlagen auf dem ehemaligen Schlachtfeld geplant werden, werden sofort die Botschaften Schwedens und Dänemarks eingeschaltet“, kündigt Frank Rohmann vom Kulturhistorischen Verein an.

Rohmann habe die Sorge, dass bis zu 200 Meter hohe Anlagen auf einem Areal errichtet werden könnten, auf dem einst die größte Feldschlacht auf mecklenburgischen Boden stattfand. „Vor den Toren Gadebuschs waren im 18. Jahrhundert rund 3000 Soldaten gefallen und begraben worden. Ich könnte nicht einem Skandinavier erklären, warum man auf den Gräberfeldern schwedischer und dänischer Soldaten Windkraftanlagen errichtet. Nirgends in Europa gibt es so etwas“, sagt Frank Rohmann. Nach seinen Angaben würden mit einem Schlag auch die 17-jährigen Bemühungen des Vereins im Tourismusbereich zunichtegemacht.

Die Energiewende war gestern Abend auch Thema im Gadebuscher Rathaus. Knapp 50 Bürger, vor allem Wakenstädter, nutzten die Finanzausschuss-Sitzung, um ihren Unmut über neue Windkraft-Pläne zum Ausdruck zu bringen und um Infos zu erhalten. Ein Planer der Naturwind GmbH Schwerin und Vertreter der Wemag waren vor Ort und nannten erste Details. So könnte ein möglicher Windpark über neun Anlagen südlich der Gadebuscher Industriestraße verfügen. Das Investitionsvolumen würde dabei etwa 90 Millionen Euro betragen.

Ein stärkeres Mitspracherecht von Bürgern und Kommunen forderte die CDU-Fraktion auf dem jüngsten Kreistag. Der von Fraktionschef Thomas Grote eingereichte Änderungsantrag zu den Länderöffnungsklauseln lehnten SPD und Linkspartei geschlossen ab.

Konkret ging es um die Abstände zwischen Windkraftanlagen und Wohnbebauung (zehnfache der Anlagenhöhe: Nabe plus Radius der Rotorblätter) sowie freie Mitbestimmung (Abstände, Eignungsgebiete) der Kommunen.

CDU-Fraktionschef Thomas Grote versteht den Sinneswandel der Genossen nicht: „Im Januar gab es einen mehrheitlich gefassten Beschluss, der das Mitspracherecht der Gemeinden als auch die Abstandsregelung beinhaltet. Jetzt sind SPD und Linke dagegen.“ Damit werde dem Kreis als auch den Dörfern und Städten die Chance auf jegliche Gestaltungsmöglichkeiten genommen. Grote sieht Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) als treibende Kraft: „Das Energieministerium und sein Minister müssen derartigen Druck auf den Planungsverband ausüben, dass die geforderten Abstandsregelung chancenlos sind.“ Für ihn sei klar: „Die Gemeinde sollen nicht gehört werden.“

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