Radweg-Pleite : Gegenwind aus allen Ecken

Die Wurzeln der Schlehenhecken brechen den Asphalt auf dem Radweg auf.
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Die Wurzeln der Schlehenhecken brechen den Asphalt auf dem Radweg auf.

Thandorfs Bürgermeister schießt jetzt auch gegen den Kreis

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14. Dezember 2014, 23:30 Uhr

Der Radweg zwischen Thandorf und Utecht ist in einem katastrophalen Zustand. Und das schon nach einem Jahr. Aber nicht nur dort. Auch zwischen Schlagsdorf und Thandorf sieht es nicht besser aus. Grasbüschel wachsen durch die Asphaltschicht und Risse ziehen sich meterlang durch die schwarze Deckschicht. Der Landkreis winkt ab. Er sei zuständig und das Problem werde bearbeitet. Im Frühjahr würde sich die Baufirma darum kümmern.

Doch reicht das aus? Johannes Ellmann, Vizebürgermeister von Utecht, hat da so seine Zweifel. Er hat jetzt Alarm geschlagen und hält Umweltvorschriften für das Problem(SVZ berichtete).

Doch nun kommt auch aus der Nachbargemeinde heftige Kritik: Schon vor rund acht Monaten habe die Gemeinde Thandorf über das Amt Rehna dem Landkreis eine Fotoserie zukommen lassen, aus dem der katastrophale Zustand der neuen Radwege ersichtlich wird, empört sich Bürgermeister Wolfgang Reetz. Einige seiner Bürger hätten das auch angezeigt und auch auf die Gefährdungsstellen hingewiesen. Wolfgang Reetz ist froh, dass Johannes Ellmann aus der Gemeinde Utecht sich dem Thema noch einmal angenommen hat. „Bis heute gab es keine Reaktion des Landkreises, doch fest steht: Die Problematik ist dort seit langem bekannt. Allerdings nahm man das nicht zum Anlass, der Sache nachzugehen und die Gefährdung der Radfahrer zu beseitigen“, sagt Wolfgang Reetz wütend.

Spätestens jetzt könne dort nicht mehr geltend gemacht werden, man habe davon nichts gewusst. Und er geht noch einen Schritt weiter: Im Falle eines Unfalls würde der Landkreis grob fahrlässig handeln.

„Unverantwortlich und von Übelkeit auslösendem Sarkasmus geprägt ist überdies die Äußerung des Kreises zu bewerten, es falle nicht in die Zuständigkeit der Gemeinde, schließlich hafte für den Radweg der Kreis. Für den Bürger bedeutet das übersetzt: Macht ja nichts, wenn du dir den Kopf einfährst, wir bezahlen das ja“, so der Thandorfer Bürgermeister. Er hat dafür keinerlei Verständnis mehr. „Ich höre da auch Zwischentöne wie: Kümmert euch um euren Kram!“ So etwas sei ihm noch nie vorgekommen.

Neben der Wut im Bauch steigt auch der Kampfeswille in ihm: „Denn im Gegensatz zum Kreis, fühlen wir uns verantwortlich und im Dienste der Einwohner stehend“, betont das Gemeindeoberhaupt.

Abgesehen von der konkreten Situation wirft er zudem die Frage auf, was das Prädikat „Made in Germany“ noch wert sei? „Ob Brücken, Autobahnen, Opernhäuser oder ein Flughafen: Wir lassen keine Gelegenheit aus, uns europaweit der Lächerlichkeit preis zu geben. Inkompetenz und Gleichgültigkeit der zuständigen Stellen sind sicherlich dabei nur ein Faktor, es allein darauf zu reduzieren wäre zu kurz gesprungen. Hier liegen Systemfehler zugrunde, die allerdings keiner aufgreift, warum auch; im Zweifel greift man in die Steuerkasse um nachzubessern“, sagt er und hofft dennoch, dass die Mühlen in der Verwaltung künftig etwas schneller mahlen.

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