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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. November 2017 | 16:13 Uhr

Gadebuscher Trauerzug für das Sternenkind

vom

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erstellt am 08.Feb.2012 | 10:17 Uhr

Gadebusch | Namenlos, leise, aber nicht vergessen - in Gadebusch wurde gestern der Anfang Dezember bei Drieberg an der Stepenitz tot aufgefundene Säugling beigesetzt. Mehr als 20 Gadebuscher und Vertreter der Öffentlichkeit bekundeten im stillen Gedenken ihre Anteilnahme. Nicht selten fehlten die Worte, um das Geschehene begreifbar zu machen, denn es wurde ein Baby in einem blau-weißen Sarg begraben, das vermutlich nicht länger als eine Woche lang lebte und einfach am Ufer eines Flusses abgelegt wurde.

"Wir können all das nicht verdrängen und so leben, als gebe es das nicht", sagte Pastorin Ariane Baier in ihrer Traueransprache. Hier werde ein kleiner Junge beerdigt, von dem man nichts wisse, der keinen Namen hatte und scheinbar keinen Platz auf dieser Welt. Da stelle sich die Frage, warum die Menschen "blind durchs Leben gehen und Not und Zweifel übersehen", so die Pastorin. Sichtlich emotional berührt fügte sie an: "Es wird nun nicht mehr möglich sein, diesen kleinen Jungen lachend, singend und spielend die Welt erkunden zu sehen."

Warum und wieso das Kind am Ufer abgelegt wurde, bleibt für Ariane Baier ebenso wie für all jene Gadebuscher und Gäste, die der öffentlichen Trauerfeier beiwohnten, ein Rätsel. "Führten Depressionen, eine psychische Erkrankung oder gar Grausamkeit und fehlende Liebe zu der Tat - die zeigt, dass nicht allein eine Babyklappe und ein Jugendamt helfen können", so Baier.

Das Bild vom kleinen Sarg geht Judith Keller nicht aus dem Sinn: "Das war ein Schmuckstück, eine Schatulle, in der das Wertvollste, was wir Menschen besitzen, enthalten ist - ein Kind..."

Der Gadebuscher Amtsleiter Andreas Lausen sieht die unbekannte Mutter nicht allein in der Schuld: "Es gibt sicherlich eine Familie mit Müttern und Großeltern. Haben die nichts gewusst?"

Ihre Tränen will und kann Sandra Gerhardus aus Groß Salitz nicht verbergen: "Ich bin Mutter von sechs Kindern und möchte keines missen und somit ist für mich die Tat nicht nachvollziehbar."

Jetzt zieren Blumen, Kerzen und Plüschtiere die Ruhestätte. Diese beabsichtigt die Kirchgemeinde Gadebusch in den kommenden Wochen mit einer Namenstafel und dem Schriftzug "Sternenkind" zu versehen. Erste Spenden erreichten die Kirchgemeinde gestern nach der Trauerfeier. Gadebuscher, die die Ausgestaltung der Erinnerungsstätte unterstützen wollen, können auf das Konto der Kirchgemeinde bei der Sparkasse, Kto. 100 600 2460, BLZ 140 510 00 spenden.

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