zur Navigation springen

Sanierung soll noch in diesem Jahr beginnen : Gadebuscher Schloss vor Umbau

vom

Beim Blick auf die Internetseite scheint es, als könnten die ersten Bewohner schon morgen im Gadebuscher Schloss einziehen. Einzig das Wörtchen "zukünftig" verrät, dass es sich dabei noch um Zukunftsmusik handelt.

svz.de von
erstellt am 24.Jul.2013 | 06:36 Uhr

Gadebusch | Beim Blick auf die Internetseite des Vereins HoffnungsGut scheint es, als könnten die ersten Bewohner schon morgen im Gadebuscher Schloss einziehen: Auf kleinen Fotografien wird das Ensemble im besten Licht präsentiert, das Konzept des Hauses ausführlich erklärt - und einzig das kleine Wörtchen "zukünftig" in der Beschreibung des Projektes des Vereins verrät, dass es sich dabei noch um Zukunftsmusik handelt. Vor fast genau einem Jahr hatte der Verein HoffnungsGut bekannt gegeben, in dem seit Jahren leerstehenden Schloss Wohnungen für Menschen ab 55 Jahren und ein Haus für alleinerziehende Frauen, die misshandelt wurden, schaffen zu wollen.

Es ist die Fortsetzung - und das mögliche Ende - der unendlichen Geschichte um die Zukunft des historischen Gebäudes auf dem Schlossberg, die begann, als das Schloss 2002 vom Verleger Herbert Freisleben-Liechtenstein aus Rimpar in Bayern gekauft wurde. Mehrfach, unter anderem in den Jahren 2009, 2010 und 2011, hatte der angekündigt, nun mit dem Umbau beginnen zu wollen. Unter anderem Streitigkeiten mit Denkmalschützern hatten jedoch den Baubeginn immer wieder verzögert. Dennoch: Er halte an seinen Plänen für das Gadebuscher Schloss fest, erklärte Eigentümer Herbert Freis leben-Liechtenstein auch gestern auf SVZ-Nachfrage. "Die Pläne haben sich sogar extrem verfestigt und sind sehr weit gediehen", so der Verleger aus Bayern. Derzeit warteten sie auf die Zustimmung des Finanzamtes Berlin-Charlottenburg für die Gemeinnützigkeit. "So lange können und dürfen wir nichts tun. Aber wir rechnen auf jeden Fall in diesem Jahr mit der Genehmigung, so dass dann mit dem Umbau begonnen werden kann." Und auch an den Plänen zur Kooperation mit dem Verein HoffnungsGut habe sich nichts geändert, so Freis leben-Liechtenstein. Sie warteten nur noch auf die Genehmigung der endgültigen Gemeinnützigkeit, bestätigt auch Christian Beyersdorf vom Vorstand des Vereins HoffnungsGut: "Sämtliche Fördermittel sind bereits in den Startlöchern."

Auf einen zweistelligen Millionenbetrag werden sich die notwendigen Investitionen am Gadebuscher Renaissanceschloss belaufen. "Ein ganzer Architektenpool arbeitet an der Umsetzung. Sie gehen derzeit von einer Bauzeit von drei bis dreieinhalb Jahren aus", erklärt Beyersdorf. Damit könnte die Anlage bis spätestens 2017 fertiggestellt sein. "Das heißt aber nicht, dass dort vorher nichts passiert. Wir planen einen sehr großen öffentlichen Bereich im Erdgeschoss für Kunst, Kultur und Beratung. Dieser wird mit erster Priorität fertig gestellt und auch schon früher nutzbar sein." Danach sollten nach und nach die einzelnen Bauabschnitte in Betrieb genommen werden.

Hilfe für das Gadebuscher Schloss kommt unterdessen von der Stiftung Herrenhäuser und Gutsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern. Mit einem öffentlichen Benefizkonzert des Landespolizeiorchesters Mecklenburg-Vorpommern am Sonnabend, 7. September, will die Stiftung "die Öffentlichkeit auf den seit Jahren andauernden Dämmerzustand der privatisierten, unsanierten Schlossanlage aufmerksam machen", erklärt Vorstandsmitglied Richard Petzoldt. Der Eintritt sei frei, um Spenden werde gebeten. Die Stiftung hat zwei Anliegen: Auf der einen Seite die Sanierung des ehemaligen herzoglichen Witwenschlosses mit der Terrakotta-Verzierung, das einen extrem hohen Denkmalwert besitze, anzutreiben. "Wir sind deshalb auch mit der Eigentümer-Familie im Gespräch, um etwas in Bewegung zu bringen", so Petzoldt. Die Besitzer seien zum Konzert eingeladen, vor dem Konzert will die Stiftung mit ihnen noch einmal zu einem Gespräch zusammen kommen. "Bisher gibt es eine vage Zusage", so Petzoldt.

Spenden, die bei dem Konzert gesammelt werden, sollen von der Stiftung investiert werden, beispielsweise in die Sanierung eines Fensters. Zudem will die Stiftung auf der anderen Seite die Menschen für den Denkmalschutz, die Denkmalkultur und für das Kulturerbe im Land sensibilisieren und sie aufrufen, sich für deren Erhalt zu engagieren. "Wir möchten mit den Konzerten das Bewusstsein anregen, dass Denkmalarchitektur ein wichtiger Identitätsfaktor der Wohnbevölkerung ist, der uns Wertegefühle und Heimatverbundenheit vermittelt. Hinzu kommt noch der Stellenwert als Wirtschaftsfaktor des Landes. Darum passt es bei unseren Benefizkonzerten auch gut, daran zu erinnern, dass bei vielen Gutshäusern noch dringender Handlungsbedarf besteht, um sie vor dem endgültigen Verfall zu bewahren", so Richard Petzoldt.

Beginn des Konzertes unter der Leitung von Christof Koert ist um 15 Uhr. Der Kulturhistorische Verein wird das Konzert mit einigen Kanonenböllerschüssen eröffnen. Zudem sei eine Besichtigung des Schlosses geplant. Bei schlechtem Wetter wird das Konzert in die Stadtkirche verlegt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen