Grosse Tour nach Königsberg : Gadebuscher reist durch Osteuropa mit dem Fahrrad

Etliche Bilder hat der 65-jährige Karl-Ludwig Dammann von seinen Fahrradtouren mit nach Hause genommen und Fotobücher daraus gemacht. Hier steht der Gadebuscher vor der ehemaligen Bischofsburg in Lidzbark Warminski (Heilsberg) im Ermland.
Etliche Bilder hat der 65-jährige Karl-Ludwig Dammann von seinen Fahrradtouren mit nach Hause genommen und Fotobücher daraus gemacht. Hier steht der Gadebuscher vor der ehemaligen Bischofsburg in Lidzbark Warminski (Heilsberg) im Ermland.

Karl-Ludwig Dammann (65) legte gut 100 Kilometer am Tag zurück

svz.de von
03. Dezember 2013, 10:13 Uhr

Auf den Spuren der eigenen Familie hat sich der Gadebuscher Karl-Ludwig Dammann begeben. Im Jahr 2012 ist der heute 65-Jährige mit dem Fahrrad von Gadebusch nach Bütow, Danzig und zur Halbinsel Helska (Hel). „Meine Mutter stammt ursprünglich aus Bütow. Vor ein paar Jahren haben meine Geschwister und ich den Ort mal besucht, aber ich wollte gerne noch mal alleine hinfahren und da ich gerne Fahrrad fahre, empfand ich diese Strecke als Herausforderung“, erzählt Dammann. Aus dieser eigentlichen Erkundung des Heimatortes seiner Mutter wurde ein fortführendes Projekt – in diesem Jahr fuhr er nach Litauen und im nächsten Jahr möchte er nach Kaliningrad.

„Nach der ersten Tour fand ich die Sehenswürdigkeiten und Landschaften in den osteuropäischen Ländern so schön, dass ich mich dazu entschloss, weitere Fahrten zu machen“, sagt der 65-jährige Gadebuscher. Dabei ist eine gute Planung das „A und O“ bei seinen Reisen. Vor dem Start habe er sich im Internet die fahrradtauglichen Strecken und auch Übernachtungsmöglichkeiten rausgesucht. „Bei der ersten Route habe ich mir Tagesziele von rund 100 Kilometern gesetzt, bei der zweiten 80, um auch genug von den Menschen und der Natur zu erleben.“ 14 Tage hat er bis nach Polen und zurück gebraucht und 16 nach Litauen. Polnisch oder litauisch beherrscht der Rentner nicht, nützliche Sätze oder Redewendungen habe er sich vorher im Internet übersetzen lassen und auswendig gelernt oder die Sätze ausgedruckt und mitgenommen. „So ähnlich habe ich es auch mit der Karte gehandhabt, für den Fall, dass ich mich verfahre“, sagt er lachend.

Vor diesem Szenario hatten seine Frau und Kinder am meisten Angst. Als er verkündete, dass er alleine eine Radtour ins Ausland machen würde, wären diese sehr skeptisch gewesen. „Aber nachdem die erste Tour so gut lief, unterstützen sie mich jetzt voll und ganz.“ Und sehen sich oft gemeinsam die erstellten Fotobücher von den Reisen an. Mitkommen möchte aber keines seiner Kinder und auch nicht seine Frau. „Das würde mir auch nicht so gefallen, weil ich mir die Strecke nach meinen Vorstellungen zusammenstelle und wenn noch jemand mitkommt, muss ich mich nach dem richten und das wäre dann nicht meine Wunsch-Fahrt.“

Die Vorbereitungen dafür mache er schließlich auch alleine – fast zwei Monate vor Beginn der Reise fahre er drei oder vier Mal die Woche gut 30 bis 40 Kilometer, „um mich an das Sitzen zu gewöhnen“, sagt der 65-Jährige grinsend. Da er generell viel Fahrrad fahre, sei die Ausdauer das geringere Problem, schließlich könne er sein eigenes Tempo fahren, allerdings sei das lang andauernde Sitzen eine Gewöhnungssache, so Dammann. Auch deshalb plane er nicht so lange Strecken, schließlich könne auch das Fahrrad mal den Geist aufgeben. „Ich hatte zwar Glück, bisher bin ich immer ohne Probleme vorwärtsgekommen, aber man muss das Glück ja nicht strapazieren“, so der 65-Jährige.

Zwar würde eine gute Organisation helfen, allerdings könne der Gadebuscher nicht alles planen: 2012 wollte er in Koppalin – eine ländliche Gegend – übernachten. Die einzige Pension in diesem Ort war ausgebucht. „So musste ich dann doch länger fahren, als geplant.“ Gelandet sei der Rentner dann bei einer Familie, die ihre Ferienwohnung zwar in der Vorsaison noch nicht fertig hatten, ihm aber mithilfe der Tochter, die Deutsch konnte, bei der Oma ein Zimmer fertiggemacht habe. „Ich sollte dann lediglich 20 Minuten warten und die Oma, die Mutter und die Tochter haben mir ein Zimmer bereitgestellt, inklusive eines Tellers mit Kuchen und einer Kanne Kaffee“, erzählt der Gadebuscher. Solche und ähnliche gastfreundliche Erfahrungen habe er bei jeder seiner Reisen erleben dürfen. „Vielleicht ist bei denen die Gastfreundlichkeit einfach wichtiger, als bei uns.“

Aus diesem Grund wolle er im kommenden Jahr nach Kaliningrad fahren. „Das ist dann aber meine letzte Fahrt. Dann bin ich 66 Jahre alt und das muss reichen“, so Dammann.

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