Fremdenfeindlichkeit : Gadebuscher nach Hetze gegen Flüchtlinge verurteilt

 Ehrenamtliche Helfer des Katastrophenschutzes nahmen vor drei Wochen in Meetzen Flüchtlinge in Empfang.
Ehrenamtliche Helfer des Katastrophenschutzes nahmen vor drei Wochen in Meetzen Flüchtlinge in Empfang.

Nur einen Tag nach Äußerungen bei Facebook kassierte er vor Gericht die Quittung

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30. September 2015, 23:17 Uhr

Schnell gepostet, schnell verurteilt: Nur einen Tag nach einem fremdenfeindlichen Eintrag im sozialen Netzwerk Facebook ist ein arbeitsloser Gadebuscher festgenommen und zu einer fünfmonatigen Haftstrafe auf Bewährung sowie Zahlung von 300 Euro an den Wismarer Verein „Die Tafel“ verurteilt worden.

Der 26-Jährige hatte in dem Netzwerk angekündigt, die Flüchtlingsunterkunft in Meetzen in Brand setzen zu wollen. Darüber hinaus wünschte er Flüchtlingen, dass sie bei „lebendigem Leib verbrennen“ oder bei ihrer Flucht übers Mittelmeer – so wörtlich – ersaufen sollten.

Das Amtsgericht Wismar verurteilte den Mann daraufhin wegen Volksverhetzung, des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Die Beweislage sei erdrückend gewesen, so das Gericht in seiner Urteilsbegründung. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Zuvor hatte der Hartz-IV-Bezieher die Vorwürfe eingeräumt. „Ich habe es vor Wut geschrieben, meinen Job verloren und eine Absage bekommen“, sagte Andy P. im Gerichtssaal. Dass er den Eintrag in dem Netzwerk vornahm, bezeichnete der Vater von drei Kindern im Nachhinein als „saublöde Idee“. Andy P.: „Es tut mir wirklich leid. Ich habe nicht darüber nachgedacht. Ich entschuldige mich.“ Die Drohung sei nicht ernst gemeint gewesen.

Strafrichter Dr. Hinrich Dimpker wertete das Geständnis und die gezeigte Reue zwar positiv für den Angeklagten. Er betonte allerdings auch, dass die Äußerungen des Gadebuschers in der aktuellen Situation ein Spiel mit dem Feuer seien. „Es hat genug Brände gegeben, bei denen Menschen verletzt worden sind“, sagte Dimpker. Er ordnete zudem an, dass dem Gadebuscher ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt wird. Sollte es ein Wiedersehen mit Andy P. auf der Anklagebank geben, müsse er mit dem Gang ins Gefängnis rechnen.

Vor rund drei Wochen waren in Meetzen die ersten Kriegsflüchtlinge eingetroffen. Landrätin Kerstin Weiss hatte mehrfach betont, dass dass das Gutshaus keine dauerhafte Erstaufnahmeeinrichtung bleiben werde.

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