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Streit ums Geld : Gadebusch und die Schloss-Intrige

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Verein Hoffnungsgut sucht für Schlosssanierung Hilfe in Berlin und bezichtigt Stadt, Fördergelder unrechtmäßig verteilt zu haben

von
erstellt am 24.Okt.2015 | 06:30 Uhr

Die Zukunft des Gadebuscher Schlosses bleibt ungewiss. Feuchte Wände und zerstörte Fenster gefährden weiter das historische Gebäude. Jetzt hat der Landkreis eine „denkmalrechtliche Anordnung“ gegenüber dem Eigentümer – der gemeinnützige Verein Hoffnungsgut – erlassen, um Witterungsschutz zu erreichen und dem Vandalismus Einhalt zu gebieten. Der Verein lehnt derartige Maßnahmen ab und hat Widerspruch eingelegt, so der Landkreis auf SVZ-Anfrage.

Darüber hinaus beschäftigt ein Brief mit brisantem Inhalt vom Verein Hoffnungsgut Berliner Bundespolitiker und die Stadt Gadebusch: In dem Schreiben wird der Stadt, Kommunalvertretern und engagierten Bürgern eine unrechtmäßige Verteilung von Fördergeldern bei der Denkmalpflege und Intrigen gegen den Verein vorgeworfen. „Wir selbst sind bis zur Kontaktaufnahme der evangelischen Kirche nicht von einer Intrige ausgegangen“, heißt es im Brief von Christian Beyersdorf und Jens Evers vom Vereinsvorstand. Kontakte, die Pastorin Ariane Bayer nicht bestätigt: „Man ist nie an uns herangetreten.“ Nicht auszuschließen sei, dass einzelne Kirchenmitglieder sich über die Arbeit des Vereins informieren wollten.

Der Hoffnungsgut-Brief wurde nach SVZ-Recherchen an den Bundestagsabgeordneten Gregor Gysi (Linkspartei) sowie den SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel adressiert und liegt unserer Redaktion vor. Auf Anfrage der SVZ bestätigte die SPD, ein entsprechendes Schreiben erhalten zu haben. Büromitarbeiter Jens Strohschein: „Ja, solch ein Brief ist angekommen.“

Darin schreiben Jens Evers und Christian Beyersdorf, dass sie ein Zentrum zur „Re-Integration von alleinerziehenden Müttern“ und deren Kindern mit Gewalterfahrungen in Gadebusch aufbauen wollen. „Nach Veröffentlichung unserer Pläne wurde hinter den Kulissen der Kommune gegen uns gearbeitet“, heißt es weiter. Darüber hinaus werden Presseveröffentlichungen über einen seit Jahren in Gadebusch versprochenen Sanierungsstart als „Shitstorm voller nachweislicher Lügen und einer Instrumentalisierung von Kommunalvertretern und Behörden“ bezeichnet.

Gadebuschs Bürgermeister Ulrich Howest (SPD) ist beinah sprachlos und sagt: „Hier wird wild um sich geschlagen. Das können keine Partner sein.“ Vor drei Jahren habe er den Verein empfangen, präsentierten die Vertreter ihr Projekt. „Bis heute liegt aber kein Konzept vor“, sagt Howest. Vereinschef Jens Evers behauptet das Gegenteil: „Unser Konzept liegt vor.“ Nichts als Worte meint Howest: „Es waren Ideen auf dünnem Eis. Es fehlt ebenso der Förderantrag. Letztlich zählen nun nur Ergebnisse.“

Fakt ist: Bereits im Frühjahr signalisierte der Verein, nicht annähernd über finanzielle Mittel zur Schlosssanierung zu verfügen (wir berichteten). Darüber hinaus kündigte der Fördermittelberater des Vereins. All das habe Ressourcen verschlungen, meint Evers: „Wir haben nur Geld versenkt.“

Direkte Geldforderungen sind in dem Brief nicht formuliert. Evers und Beyersdorf bewerben dafür aber ihre neuen Pläne im Schreiben an Gysi und Gabriel. Sie wollen in einem „Projektzwischenschritt“ Flüchtlingen die Möglichkeit geben, „unter Aufsicht und Anleitung von Fachfirmen mit der Wiederherstellung der Schlossanlage zu beginnen.“ Nach Vorstellungen des Vereins könnten die Flüchtlinge im „Areal wohnen, arbeiten und lernen“. Eine Antwort steht bislang aus.

Die Stadt Gadebusch hat unterdessen laut Howest auf eigene Kosten die Fenster des historischen Gebäudes gesichert.  


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