Hilfe für Bedürftige : Gadebusch muss mehr Obdachlose unterbringen

Grevesmühlen bringt Obdachlose in Containern unter. Foto: Schmidt
Grevesmühlen bringt Obdachlose in Containern unter. Foto: Schmidt

In Gadebusch werden in diesem Jahr mehr Menschen auf der Straße landen als im vorigen Jahr. Die Stadt versucht, Obdachlose in Wohnungen unterzubringen, aber der Wohnraum ist knapp und die Kosten steigen.

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31. Mai 2013, 12:24 Uhr

Gadebusch | Die Befürchtungen werden wahr: In Gadebusch werden in diesem Jahr mehr Menschen auf der Straße landen als im vorigen Jahr. "Der Trend hat sich bestätigt", sagt Andreas Lausen vom Amt Gadebusch.

Gadebusch versuche so wie Rehna, Obdachlose in Wohnungen unterzubringen, sagt Lausen. Zwei seien derzeit bewohnt, eine werde zur Sicherheit bereitgehalten. Doch weil der Wohnraum in Gadebusch knapp sei, würden Obdachlose beispielsweise in Frauenmark und Veelböken untergebracht. Das Amt schätzt die Kosten dafür in diesem Jahr auf rund 10 000 Euro. Bis zum vergangenen Jahr hatte Gadebusch die Möglichkeit, wohnungslose Menschen in Schwerin unterzubringen. Das sei günstiger gewesen, sagt Lausen. 15 Euro pro Tag hätte ein Platz gekostet. Doch die Landeshauptstadt hat die Zahl der Plätze nahezu halbiert.

In Grevesmühlen werden Obdachlose an zwei zentralen Stellen untergebracht. In den blauen Containern in der Geb hardtstraße leben zurzeit elf Menschen, in Boienhagen nahe Upahl sieben. Die Kosten für die Container belaufen sich auf 21 000 Euro in Grevesmühlen und auf 18 000 Euro in Boienhagen, sagt Klaus Welzer, Chef des Grevesmühlener Ordnungsamtes. Entsprechend dieser Kosten würde die monatliche Miete berechnet, die die Obdachlosen zahlen müssen, erklärt Welzer. Die ersten Container seien 1993 angeschafft worden, die letzten 2000. Das sei die kostengünstigere Variante gewesen.

Zusätzlich mietet das Amt aber auch Wohnungen an, um beispielsweise Mütter mit Kindern unterzubringen. Zwölf seien derzeit belegt. Insgesamt zählt Welzer in der Stadt und dem Amtsbereich Grevesmühlen 30 bis 32 Obdachlose. Die Zahl sei, anders als in Gadebusch, relativ stabil.

In Gadebusch will man keine Obdachlosenunterkunft mehr, sagt Michael Lausen. Dagegen würden die Kosten sprechen. Eine zentrale Unterkunft mache nur Sinn, wenn für die Bewohner auch eine Betreuung zur Verfügung stünde. Dann müssten ein Sozialarbeiter und ein Hausmeister eingestellt werden. Im Amt Gadebusch hatte es zwei solcher Unterkünfte gegeben. Bis 2005 waren Obdachlose am früheren Wasserwerk untergebracht, bis 2006 neben der Raiffeisenbank. Dieses Gebäude steht seitdem leer.

Eine Ursache für das Problem seien Mietschulden, sagt Lausen. "Die Obdachlosen haben meist über Jahre keine Miete gezahlt." Der Landkreis zahle zwar die Kosten für die Wohnung von Hartz-IV-Empfängern, diese gehe aber nicht direkt an den Vermieter. Eine Vereinbarung mit dem Jobcenter sei eine freiwillige Entscheidung des Mieters. So werde das Geld manchmal nicht für den eigentlichen Zweck ausgegeben. Und die Situation verschärfe sich: "Viele kümmern sich nicht darum, machen keine Briefe mehr auf." Das gehe dann über Jahre und irgendwann wird zwangsgeräumt. Bis sich die Menschen aber Hilfe suchen, sei es oft zu spät. Das stellt auch Lausen vor Probleme. Erfährt das Amt von der Wohnungsnot, muss oft Hals über Kopf eine neue Bleibe gesucht werden.

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