Energiewende : Gadebusch kann vom Windpark profitieren

Trübe Aussichten? Vor den Toren der Stadt Gadebusch könnten in den kommenden Jahren Windkraftanlagen das Landschaftsbild verändern.
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Trübe Aussichten? Vor den Toren der Stadt Gadebusch könnten in den kommenden Jahren Windkraftanlagen das Landschaftsbild verändern.

Der Landwirt bringt günstigere Strompreise und Projekt-Beteiligungen ins Spiel

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03. November 2014, 23:45 Uhr

Ein möglicher Windpark bei Gadebusch sorgt für Diskussionen, Kopfschütteln und schürt Ängste. Im SVZ-Interview stellt sich Jörg Haase von der Agrar Aktiengesellschaft Gadebusch den Fragen unseres Redakteurs Michael Schmidt. Das Agrarunternehmen könnte ebenso wie die Stadt Gadebusch von einem Windpark profitieren.

Herr Haase, kommt 25 Jahre nach der Wende nun Ihre persönliche Wendung vom Landwirt zum Energiewirt?

Jörg Haase: Nein, denn Energielieferant ist unser Unternehmen bereits. So haben wir seit sechs Jahren auf zwei Gebäudedächern in Gadebusch Photovoltaikanlagen. Außerdem produzieren wir für eine Biogasanlage in Paetrow/Passow jährlich Mais von einer 100 Hektar großen Anbaufläche.

Photovoltaik ist die eine Sache, Windkraft die andere. Wie wollen Sie in der Bevölkerung die Akzeptanz solcher Anlagen erhöhen?

Wie wollen wir denn die Energiewende hinbekommen, wenn wir keine Windkraftanlagen haben wollen? Die Akzeptanz erhöhen und Ängste abbauen, kann ich nur, indem ich die Bevölkerung mitnehme und beweise, dass sie nicht durch Schattenwürfe und Geräusche belästigt wird. Klar ist aber auch, dass sich das Landschaftsbild verändern würde und Windkraftanlagen von überall sichtbar wären. Letztlich ist es eine Einstellungsfrage. Ich kann negativ oder positiv an die Energiewende herangehen.

Wo könnten neue Windräder entstehen?

Es gibt einen schmalen Korridor, der von Gottesgabe über Groß Welzin und Gadebusch bis nach Rehna reicht und sich als Fläche eignen könnte. Projektanten kennen diese Bereiche und hoffen, dass sie eine Windeignungsfläche für neue Anlagen werden. Momentan klopfen Projektanten ab, wo es mögliche Bewerber geben könnte. Wir selber werden in Absprache mit der Stadt aber erst einmal die Regionale Raumentwicklunsplanung abwarten. Werden Abstandsflächen auf 2000 Meter erhöht, hat sich vieles ohnehin erledigt.

Und wenn nicht?

Dann werden wir schauen, ob wir nicht auch etwas für die Stadt Gadebusch herausholen können. Eine mögliche Ausgleichsmaßnahme im Zuge eines Windparkbaus wäre zum Beispiel die Sanierung des Burgsees. Außerdem könnten mit Investoren vertragliche Vereinbarungen für weitere regelmäßige Einnahmen geschlossen werden. Hinzuzuziehen wäre auch ein regionaler Netzbetreiber wie die Wemag, um günstigere Strompreise für die Kunden vor Ort zu erzielen. In Form von Aktien könnten interessierte Gadebuscher sich auch an einem Windpark beteiligen. Da es inzwischen auch die Norddeutsche Energiegenossenschaft gibt, können sich Interessierte auch über kleine Anteile in solch ein Projekt einkaufen.

Bei einer TED-Umfrage unserer Zeitung hatten sich allerdings 82 Prozent der Teilnehmer gegen einen Windpark bei Gadebusch ausgesprochen.

Dieses Ergebnis hat mich nicht überrascht und ist auf die Angst und Unwissenheit der Menschen zurückzuführen. Günstigere Strompreise, Beteiligungen und Vorteile für die Stadt könnten aber ein Umdenken bewirken. Klar ist doch, dass Projekte wie der Bau eines Windparks nur mit den Menschen realisiert werden sollten. Positive Beispiele gibt es.

Welche?

Zum Beispiel Windparks in Schleswig-Holstein, an denen die Menschen beteiligt sind.

Gäste werden von der Landschaft und von touristischen Leuchttürmen, aber nicht von Windrädern angelockt. Beraubt sich diese Region nicht ihrer Zukunft durch eine „Verspargelung“ der Landschaft?

Ich glaube nicht. Wir haben schon jetzt trotz vorhandener Windkraftanlagen unsere Naherholungsgebiete wie den Dümmer und Vietlübber See oder die Highlights in Gadebusch, wo auch wir uns engagieren. Die bisherigen Windkraftanlagen stören bislang nicht. Ansonsten ist Gadebusch ein Durchfahrtsort.

Herr Haase, Sie sind auch Kreisbauernpräsident und warnen vor „Flächenfraß“ und der Versiegelung von Ackerböden durch neue Windkraftanlagen. Wie wollen Sie diesen Sinneswandel erklären?

Ich habe keinen Sinneswandel, sondern sehe schlichtweg die Notwendigkeit für Kompromisse. Die Politik ist voll auf die Energiewende ausgerichtet, was wir hier vor Ort nicht ändern können. Was wir aber tun können, ist das Beste aus dieser Situation zu machen.

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