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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

24. Oktober 2017 | 07:43 Uhr

Zeitreise : Fund auf dem Dachboden

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Gadebuscher entdeckt alte Stadtverordnung von 1865

svz.de von
erstellt am 14.Jun.2014 | 00:00 Uhr

Auch vor 150 Jahren wurde in der Stadt Gadebusch schon Vieles ganz genau geregelt. Das stellte nun Ernst Krüger fest. „Vor Kurzem fiel mir eine Stadtverordnung von 1865 wieder in die Hände“, so der 74-Jährige. Diese hatte er bereits vor vielen Jahren auf dem Dachboden seines alten Hauses gefunden. „Zusammen mit vielen anderen Zeitschriften.“ Doch während die Zeitschriften beim Umzug nicht mitgenommen wurden, wollte sich der Rentner von der alten Stadtverordnung nicht trennen. Beim Aufräumen sei ihm das dünne Büchlein nun erneut in die Hände gefallen. „Die Mäuse haben es schon ein bisschen angefressen“, erzählt er. Dennoch ließ Krüger es sich nicht nehmen, durch die Seiten zu blättern.

„Es ist schon interessant, wie sich die Menschen früher einen Kopf zur Organisation der Stadt gemacht haben“, sagt Krüger. So wurde die Wahl der so genannten Bürgerrepräsentanten, die dem Bürgermeister beratend zur Seite standen, detailliert festgelegt. Jeder Wahlberechtigte musste im Rathaus einzeln vortreten und vor dem Rat der Stadt mündlich seine Stimme zu Protokoll geben. Doch erst, wenn ein Bürger die absolute Mehrheit der Stimmen bekam, stand er als Repräsentant fest. Dies jedoch zunächst unter Vorbehalt. Denn die Gewählten mussten Rechnen und Schreiben können sowie unbescholtenen Rufes sein und in Gadebusch wohnen. Bei nicht geeigneten Bürgern konnte der Magistrat entscheiden.

Eine Wahl zum Bürgerrepräsentanten musste angenommen werden. Als Entschuldigung galt jedoch ein Alter über 60 Jahren. Auch notorisch Schwächliche durften die Wahl ablehnen. Schließlich hatten ehemalige Bürgerrepräsentanten eine Schonfrist von vier Jahren. Über andere Entschuldigungen hatten der Magistrat und die Landesregierung zu entscheiden. Sollte sich der Gewählte dennoch weigern sein Amt zu übernehmen, drohte ihm die Aberkennung seiner Bürgerrechte. Die bürgerlichen Lasten hatte er aber weiter zu tragen.

Einen Wahlkampf um die Ämter im heutigen Sinne dürfte es jedoch nicht gegeben haben. Denn jeder Bürger, der für sich oder für andere um Stimmen warb, verlor zur Strafe sein Recht abzustimmen und gewählt zu werden.

 

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