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Blasorchester Gadebusch feiert Jubiläum : Für ein Bündel Stoff durch die DDR

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Das Blasorchester der Stadt Gadebusch feiert sein 30-jähriges Bestehen. Mitbegründer Günter Blankenberg erinnert sich an die Anfänge

Blasmusik sei nur „Humpta, humpta, tätärä“? Von wegen, sagt Günter Blankenberg (Foto). Er ist einer der Mitbegründer des Blasorchesters der Stadt Gadebusch, das an diesem Wochenende sein 30-jähriges Bestehen feiert. Im Interview mit Redakteur Michael Schmidt spricht Blankenberg über die Anfänge des Orchesters. Und er verrät, wieso Mitarbeiter der Stadt Gadebusch die DDR einst für nur ein Bündel Stoff durchquerten.

Herr Blankenberg, wie turbulent war die Gründungszeit des Blasorchesters der Stadt Gadebusch? Sie waren damals Bürgermeister und Mitinitiator.

Günter Blankenberg: Turbulent ist vielleicht das falsche Wort. Es war damals einfach nur ärgerlich, dass sehr gut ausgebildete Nachwuchsmusiker das Gadebuscher Pionier-Orchester nach der Schulzeit verließen und mit ihnen ein musikalischer Schatz verloren ging. In einem Gespräch mit dem damaligen Leiter des Nachwuchsorchesters Günter Becker, meiner Frau und mir kam dann die Idee auf, ein eigenes Blasorchester der Stadt zu gründen.

Ein Sechs-Augen-Gespräch sollte dafür genügen?

Nein, wir brauchten einen Orchester-Leiter und konnten den Medizinalrat Manfred Flügel dafür gewinnen. Der damalige Leiter der Kreis-Poliklinik Wolfgang Schröder sicherte uns nämlich die Unterstützung zu, dass Herr Flügel sich für die Funktion eines Orchesterleiters weiterbilden durfte. Auch der Rat des Kreises sagte Hilfe finanzieller Art für den Klangkörper zu. Sponsoren fanden wir außerdem in der LPG Pflanzen- und Tierproduktion, der BHG, dem Volkseigenen Gut, Hochbau Gadebusch, dem Nährmittelwerk, der Großbäckerei und weiteren Unterstützern.

Welche Kuriositäten erlebten Sie mit dem Blasorchester?

Nahezu abenteuerlich war zum Beispiel die Suche nach einer einheitlichen Kleidung für die Musiker. In Klingenthal fanden wir einen passenden Stoff dafür. Wir schickten daraufhin Kollegen der Abteilung Kultur ins Erzgebirge, um den feinen billardtisch-grünen Stoff zu besorgen. Welche Gegenleistung sie erbringen mussten, wollte ich zwar nicht wissen. Aber vorstellbar war, dass Ware gegen Ware getauscht wurde, wie das damals so üblich war.

Gut, also der Stoff war da…

Ja, aber nach geraumer Zeit auch wieder weg. Denn als endlich losgeschneidert werden sollte, war das schöne Bündel nicht mehr auffindbar. Der Stoff war wohl mit der Wende entwendet worden. Zuvor aber, also nach Gründung des Orchesters, waren die Musiker dank des Konsums schon mit Hemden, Blusen, Hosen ausgestattet worden. Es fehlten aber noch schicke grüne Westen oder Sakkos.

Andere Klangkörper sind nach der Wende auseinandergebrochen. Wie froh sind Sie, dass es das Orchester der Stadt Gadebusch auch im Jahr 2016 gibt?

Ich bin sehr dankbar dafür, dass Leute wie zum Beispiel Günter Becker, Gerd Hillert Ulf Rust, Peter Goldmann oder Carmo Gasparyan für das Orchester da waren bzw. sind. Bemerkenswert ist aber auch der innere Antrieb der Musiker, die ihr Orchester nicht aufgeben wollen. Ich wünsche ihnen, dass sie auch weiterhin die Anerkennung und Unterstützung durch Kommune, Sponsoren und der treuen Fangemeinde erhalten und sie möglichst lange der musikalische Botschafter dieser Stadt bleiben.

Warum spielten Sie in diesem Orchester eigentlich nie mit?

Ich? Leider war es mir nicht vergönnt , ein Instrument zu erlernen. Als junger Mensch hatte ich andere Interessen: Radsport, Handball, Kunstradfahren. Außerdem weiß ich, wie gut man sein müsste, um in diesem Orchester mitzuspielen. Blasmusik ist nämlich alles andere als „Humpta, humpta, tätärä“. Wer als Blasmusiker Melodien aus dem Musical „Phantom der Oper“ nachspielen kann, muss nämlich ganz schön was auf dem Kasten habe. Ich bin höchstens ein Kenner aber keinesfalls ein Könner der Blasmusik.

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erstellt am 19.Mai.2016 | 21:05 Uhr

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