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Personalmangel beim Landkreis : Für Brandschauen fehlen Fachkräfte

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Zwar soll der Kreistag heute eine Gebührenordnung beschließen, Spezialisten zur Durchführung der Kontrollen indes sind Mangelware

von
erstellt am 14.Apr.2016 | 04:45 Uhr

Wenn in der heutigen Kreistagssitzung der Tagesordnungspunkt 18 aufgerufen wird, dann wird es brenzlig im Kreistagssaal der Malzfabrik Grevesmühlen. Dann sollen die Volksvertreter eine Gebührensatzung für die Durchführung von Brandverhütungsschauen verabschieden. Eine Premiere, denn der Landkreis wird dadurch erstmals in die Lage versetzt, für derartige Kontrollen auch Gebühren zu erheben und auf diese Weise Einnahmen zu generieren. Die regelmäßige Kontrolle aller in Frage kommenden Gebäude indes ist im Nordwestkreis offensichtlich eine unlösbare Aufgabe.

Der das sagt, heißt Mathias Diederich und ist 1. Stellvertreter der Landrätin Kerstin Weiss. Und als solcher gleichzeitig oberster Brandschützer im Nordwesten, denn in seinen Fachbereich gehört auch der Fachdienst Brand- und Katastrophenschutz. „Wir haben 1600 Gebäude, die im Drei- bis Fünfjahresturnus überprüft werden müssten. Wir haben dafür aber weder in der Verwaltung genügend qualifiziertes Personal noch ausreichend externe Dienstleister, die dies vollumfänglich übernehmen könnten“, so Diederich. Zwei Mitarbeiter des Landkreises würden derzeit fast ausschließlich mit dieser Thematik betraut. Wenn man weiß, dass eine Vollzeitkraft maximal 150 Gebäude pro Jahr überprüfen kann, wird klar, was Diederich meint. „Klar, diese Aufgabe ist eine Pflichtaufgabe. Aber der Gesetzgeber hat hier wenig darüber nachgedacht, ob die Kreise diese überhaupt erfüllen können“, kritisiert Mathias Diederich.

Um diesem Dilemma zwischen Aufgabe und Personalnot zu entkommen, wurde die Durchführung von Brandverhütungsschauen bereits für externe Dienstleister ausgeschrieben. So etwas sah der Gesetzgeber zwar nicht vor. Aber in Anbetracht der Not habe man einen sogenannten Antrag auf Standardabweichung stellen und ein entsprechendes Interessenbekundungsverfahren starten dürfen. Der Erfolg blieb allerdings aus. Denn Brandverhütungsschauen müssen durch Ingenieure mit einer besonderen Ausbildung durchgeführt werden. Und die sind in Mecklenburg-Vorpommern Mangelware. Büros mit Brandschutzprüfungsingenieuren gibt es im ganzen Land gerade einmal zwei, Brandschutzplaner immerhin rund 150. „Doch von denen haben wir auch nur acht Rückmeldungen, die das für uns machen wollen“, sagt der stellvertretende Landrat.

Er glaube nicht, dass der Landkreis es schaffe, diesen Berg an Kontrollen abzubauen. Deshalb sollen wichtige Objekte wie Kindertagesstätten, Schulen und Altenpflegeheime den Vorrang bekommen. Bezahlen müssen die Objekteigentümer diese Überprüfungen. Moderate Gebühren, wie Mathias Diederich betont.

Soll heißen: So sind die Überprüften beispielsweise bei einer 30-minütigen Erstbegehung im Rahmen einer Brandverhütungsschau mit 162 Euro dabei, jede weiter halbe Stunde kostet 27 Euro. Eine 30-minütige Nachschau kostet 108 Euro, jede weiter halbe Stunde kostet auch hier 27 Euro.

Die öffentliche Sitzung des Kreistags von Nordwestmecklenburg findet am heutigen Donnerstag ab 17 Uhr im Kreistagssaal der Malzfabrik Grevesmühlen statt.

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