Naturnah : Frühjahrskur für den Rasen

Hajo Kahl  lüftet seinen Rasen jetzt durch, damit er besonders schön wird.
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Hajo Kahl lüftet seinen Rasen jetzt durch, damit er besonders schön wird.

Durchlüften, kalken, pflegen – jetzt ist es soweit

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11. März 2016, 21:16 Uhr


Als Kind habe ich mich immer gefragt, was die Leute meinen, wenn Sie sagten, sie hätten ihren Rasen gelüftet. Fenster zum Öffnen und Lüften gab es im Garten ja nicht und der Rasen war sowieso immer an der frischen Luft. Wie sollte der nur gelüftet werden? Erst in reiferen Jahren war mir aufgegangen, dass damit das Säubern und Ausharken des Rasens gemeint war.

Und tatsächlich macht es Sinn, den Rasen zu lüften und zwar jetzt im März, bevor der grüne Gartenteppich wieder zu wachsen anfängt. Bei kleinen Flächen reicht es völlig aus, den Rasen mit einer Harke kräftig durchzukämmen um Moos und abgestorbenes Gras sowie Reste vom Rasenschnitt des vergangenen Jahres zu entfernen.

Für größere Flächen gibt es sogenannte Vertikutierer, die mit rotierenden Drahtbürsten und Messern eine ähnliche Arbeit verrichten. Man kann sich so eine Art Vertikutierer für größere Rasenflächen auch selber basteln.

Mein Großvater hatte sich ein solches Modell gebaut. Es sah ein bisschen aus wie ein mittelalterliches Folterinstrument oder ein kuscheliges Sitzkissen für Fakire. Es bestand aus einem großen Brett, etwa einen Meter mal fünfzig Zentimeter groß, in das hunderte von Nägeln geschlagen waren. Mit einem Seil versehen, zog mein armer Großvater dieses Brett stundenlang mit den Nägeln nach unten durch den Garten, entfernte hin und wieder das abgeharkte Moos aus dem Nageligel und legt von Neuem los.

Manchmal legte er noch Steine auf das Brett, um es zu beschweren. Die Nägel drangen so tiefer in den Rasen ein und lockerten den Boden einige Zentimeter tief auf. Ich hatte damals immer Angst um die Regenwürmer. Ich stellte mir vor, dass das Folterwerkzeug meines Großvaters sicherlich hier und da tiefe Kopfwunden bei den Würmern hervorrief.

Auf jeden Fall hatte mein Großvater immer einen perfekten Rasen, der sicherlich bei vielen Engländern, die ja bekanntlich die Welt-Rasenspezialisten sind, neidische Blicke hervorgerufen hätte.

Mein Großvater hat übrigens seinen Rasen zusätzlich gekalkt, was ich mir auch angewöhnt habe. Rasen mag keinen sauren Boden. Der ph-Wert für einen Rasen-Wohlfühl-Boden sollte bei 6,0 bis 6,5 liegen.

Da Sie den Boden nicht fragen können, ob er sauer ist, empfiehlt es sich, von verschiedenen Stellen etwas Erde zu entnehmen (wirklich nur einige Gramm) und sie im Gartencenter oder der Gärtnerei für wenige Euro testen zu lassen oder ein Testset zu kaufen.

Liegt der ph-Wert unter 5,5 muss mit Kalk, etwa 150 Gramm pro Quadratmeter, nachgebessert werden. Nach dem ersten Mähen, Ende März wird dann auch gedüngt. Ich verteile immer Kräuterjauche, die ich aus den ersten Brennnessel und Girschblättern hergestellt habe. Etwa fünfhundert Gramm dieser Kräutermischung packe ich in einen alten Sack und hänge diesen in einen verschließbaren Eimer mit zehn Litern Wasser.

Nach etwa zwei bis drei Wochen ist mein stickstoffhaltiger Rasendünger fertig. Sack raus, Dünger in die Gießkanne mit Brause und los geht’s. Es empfiehlt sich, Gummistiefel und Handschuhe bei dieser Arbeit zu tragen, sonst droht soziale Isolation. Auch sollten krabbelnde Kleinkinder und Haustiere von frisch gedüngtem Rasen fern gehalten werden.

So betüdelt müßte auch Ihr Rasen nach wenigen Wochen wie Opas Super-Gartenteppich aussehen.

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