Serie naturnah : Frühblüher erhalten die ersten Plätze

Die Saison ist beendet
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Die Saison ist beendet

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29. November 2014, 00:16 Uhr

Bis vor wenigen Jahren war für mich die Zeit des Abschiednehmens in meinem Garten ganz schlimm. Ich habe es nicht übers Herz gebracht meinen Dahlien und Chrysanthemen, die den nahen Kältetod schon spürten, den Garaus zu machen. Wissend, dass eine längere Frostperiode auch den Knollen schaden würde, habe ich dann doch mit Schere und Spaten meine Henkersarbeit getan. Schwermütig ahnend, dass die ersten prachtvollen Blüten dieser Hauptdarsteller im Sommergarten in frühestens acht Monaten wieder auf meiner Gartenbühne stehen würden, wurde schnell noch jede Blüte, jede Knospe amnestiert und erhielt für wenige Tage einen Platz in einer Vase.

Ähnlich verfuhr ich mit meinen Geranien, Fuchsien, den letzten Löwenmäulern und den scheinbar wieder frisch erstarkten Ringelblumen. Mein Haus glich immer einem etwas unordentlichen Blumenladen mit einem leicht depressiven Inhaber, der sich nicht von seinen Lieblingen trennen mochte.
Oft griff ich damals zur Flasche, setzte mich gegen 16 Uhr zwischen meine geköpften Sommerblumen und ertränkte das nun kommende Winterleid in trockenem Weißwein.

Seit dem letzten Jahr habe ich einen Dreh gefunden, mich dieser depressiven Stimmung zu entziehen. Statt Weißwein nehme ich jetzt Tulpen- und Narzissenzwiebeln und wenn die schlechte Laune doch durchzubrechen droht, helfen auch die Zwiebeln und Knollen von Schneeglöckchen, Winterlingen und frühen Krokussen.

Nicht das ich sie esse oder einen Tee daraus bereite. Ich grabe sie da wo meine Sommerblüher waren einfach in die Erde. Das hilft, denn ich weiß, dass die ersten Blüten schon in zwei bis drei Monaten ihre Köpfe aus dem Schnee strecken werden. Und wenn ich den ersten Blütenflor schon im Januar oder zeitigen Februar haben möchte, setze ich einige Zwiebeln von Krokussen und Schneeglöckchen in Schalen, Kästen und Töpfe und stelle sie ins jetzt unbewohnte Tomatenhaus. Ab Ende Dezember kommen sie dann ins Haus, in einen kühlen Raum. Es dauert nur ein bis zwei Wochen, bis die ersten Blüten sprießen. Ist der Winter kalt, stelle ich sie auf die Fensterbank. Bei milderen Temperaturen können sie im Garten aufgestellt werden.

Meine Kübelpflanzen, es sind schätzungsweise etwa 100, wandern jetzt auch langsam in ihr Winterquartier. Das ist nicht so depressionsfördernd, bleiben sie doch überwiegend in ihrer Gänze erhalten und ich kann sie jederzeit besuchen.

Ich habe sie in drei Gruppen eingeteilt. Es gibt ganz empfindliche wie Engelstrompeten, Clivien, Zitronen und die krautigen Buntnesseln, die schon bei der Androhung von Temperaturen unter fünf Grad ins Haus müssen.

Dann gibt es die Frostempfindlichen, die aber hart im Nehmen sind und auch in einer dunklen Ecke überwintern können. Dazu zählen Fuchsien, Bleiwurz, wie auch Calla und Agapanthus. Die beiden letzteren wandern ohne Blätter, gänzlich kahl geschnitten als letzte ins Winterquartier. Oliven, Oleander, Lorbeer, Phönix- und Hanfpalmen und meine Lieblinge die Orangenbäume können schon mal ein wenig Frost ab. Sie stehen oft bis in den Dezember hinein an einer schützenden Hauswand. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie besser über den Winter kommen wenn sie so lange wie irgend möglich draußen bleiben können. Sie erhalten dann den hellsten Platz im Winterquartier. Dort steht dann nahe am Fenster mein kleiner Winterstuhl. An so manchem Wintertag sitze ich dann hier für einige Minuten unter duftenden Orangenbäumen und zähle die nur noch wenigen Wochen oder Tage, bis die ersten Antidepressionsblüten den nahen Frühling ankündigen,...ganz ohne trockenen Weißwein.

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