Serie Naturnah : Frostgefahr: Jetzt wird eingepackt

Die Verpackung bringt´s. Rosmarin, Salbei und Lorbeer im Kübel fühlen sich dick eingepackt auch im Winter im Garten wohl.   Fotos: kastanienhof bülow e.v.
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Die Verpackung bringt´s. Rosmarin, Salbei und Lorbeer im Kübel fühlen sich dick eingepackt auch im Winter im Garten wohl. Fotos: kastanienhof bülow e.v.

Empfindliche Pflanzen werden mit einer Laubschicht geschützt

svz.de von
06. November 2015, 23:31 Uhr


Einpacken – damit ist nicht das Koffer packen für den Winterurlaub, sondern das Einpacken nicht ganz winterharter Kübelpflanzen, Stauden und Sträucher gemeint.

Jahrelang war ich im Frühjahr den Tränen nahe, wenn ich feststellen musste, dass einige meiner Gartenlieblinge die kalte Jahreszeit nicht überlebt haben. Minustemperaturen und eiskalte Winde haben ihnen den Garaus gemacht. Oft sind es nicht einmal die Temperaturen unter Null, die empfindliche Gartenpflanzen sterben lassen. Die Kombination von Kälte, Wind und Sonne ist oft todbringender.

Viele Jahre habe ich mir viel Mühe gemacht und Pflanzen mit geringer Chance den Winter zu überleben ausgegraben und frostfrei eingelagert. Das Ausgraben, Transportieren und Einlagern erwies sich im Laufe der Jahre aber als immer schwieriger, weil die grünen Kollegen von Jahr zu Jahr größer und schwerer geworden sind.

Bei den Kübelpflanzen musste ich letztendlich Freunde bitten, mir beim Transport zu helfen. Zu Viert wurde so mancher Kübel ähnlich wie eine Sänfte ins Haus getragen.

Bei einem Winterbesuch im Botanischen Garten in Hamburg sind mir irgendwann einmal eigenartige Laubskulpturen aufgefallen. Bei näherem Betrachten zeigte sich, dass es mit Laub gefüllte Käfige aus Kükendraht waren. Einer der dort auch im Winter fleißig arbeitenden Gärtner erklärte mir, dass sich unter diesen Gebilden empfindliche Pflanzen wie Agapnthus, Calla und Montbretien befänden. Aber auch robuste Kübelpflanzen wie Lorbeer, Olive, Hanfpalme und Rosmarin ließen sich so gut über den Winter bringen, so der Gärtner.

Zuhause auf dem Kastanienhof habe ich dann diese Technik mit Erfolg umgesetzt. Empfindliche Pflanzen werden seitdem inhaftiert und kommen in den Käfig. Hortensien, aber auch zart besaitete Rosen erhalten einen Winterschutz aus Laub. Hierfür wird ein ausreichend großer Ring aus Kükendraht um die Pflanze gestellt. Die Enden werden verdrahtet oder einfach miteinander verdreht. In den nun oben offenen Zylinder wird fleißig Laub gefüllt und immer wieder angedrückt. Diese Methode lässt sich auch bei Kübelpflanzen oder sogar bei ganzen Beeten anwenden.

Bei Kübeln ist darauf zu achten, dass das Gefäß keinen Erdkontakt hat. Es sollte so auf Latten oder Brettern stehen, dass von unten noch Laub untergestopft werden kann. Je nach Kübelgröße bleibt zwischen Kükendraht und Gefäß ein etwa zwanzig Zentimeter breiter freier Raum, der mit den Blättern gefüllt wird.

Um Frostschäden an oberirdischen Pflanzenteilen, wie etwa bei Kamelien, Olive oder Rosen zu verhindern, wird einfach ein Jutesack über die Pflanze gezogen und mit Bindebast festgebunden. Mit ein wenig Geschick lassen sich mit Tannenzweigen und etwas Dekokram aus den unförmigen Gebilden auch Weihnachtsmänner oder Tierskulpturen formen.

Beim Schutz von ganzen Beeten werden Holzstäbe im Abstand von etwa fünfzig Zentimetern in die Erde gedrückt. Der Kükendraht wird wie ein Zaun um die Hölzer gestellt, die Enden wie bei der ersten Methode zusamengedrahtet. Jetzt kann das etwa 50 Zentimeter hohe Minigehege mit Laub befüllt werden.

Agapanthus, Artischocke und Calla schlummern unter der kuscheligen Laubdecke bis zum nächsten Frühjahr und danken es mit deutlich kräftigerem Wuchs. In milden Wintern überleben so sogar Dahlien ohne lästiges Ausgraben den Winter im Freien. Im Frühling wird die dann merklich kleiner gewordene Laubpackung entfernt und kompostiert, um im Herbst als Bodernverbesserer wieder in den Gartenkreislauf zu gelangen.

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