Nahverkehr Nordwestmecklenburg : Freifahrtscheine stoßen auf Kritik

Kostenlose Busfahrten als Werbemaßnahme wird es in Nordwestmecklenburg vorerst wohl nicht geben.
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Kostenlose Busfahrten als Werbemaßnahme wird es in Nordwestmecklenburg vorerst wohl nicht geben.

Kreistagsmitglieder weisen Vorschlag des Rehnaer Piraten Dennis Klüver als „unseriös“ und „populistisch“ zurück

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07. März 2016, 21:05 Uhr

Die Forderung nach kostenlosen Bus-Fahrtagen, um den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Nordwestmecklenburg werbewirksam anzukurbeln, sorgt weiterhin für Diskussionen. Während potentielle Fahrgäste den Daumen dafür heben könnten, senken ihn Kreistagsmitglieder. Sie vermuten ein Wahlkampfmanöver hinter dem Vorstoß des Rehnaer Kreistagsmitgliedes Dennis Klüver von der Piratenpartei. Dieser fordert, dass in Nordwestmecklenburg vier Wochen hintereinander an einem Mittwoch eine fahrscheinlose und damit kostenlose Nutzung des ÖPNV ermöglicht werde. Einnahmeausfälle der Verkehrsunternehmen sollten als Werbeaufwand für das neue Nahverkehrskonzept verbucht werden.

Nachdem sich bereits SPD-Mitglieder wie Christian Albeck davon distanzierten („Das ist ein weiterer lustiger Vorschlag aus dem Hause Klüver“), äußern sich nun auch Christdemokraten ablehnend zu Klüvers Vorschlag. So erklärte die CDU-Fraktionsgeschäftsführerin Ingrid Schafranski gestern gegenüber der SVZ: „Wenn es bis zum 1. April nicht so weit hin wäre, hätte man vielleicht von einem Aprilscherz sprechen können. Manchmal ist man einfach nur noch sprachlos. Ich setze lieber auf praktikablere und seriösere Lösungen. Außerdem sind wir längst dran, Verbesserungen im Nahverkehr zu schaffen.“

Von kostenlosen Bus-Fahrtagen als Werbemaßnahme für den Nahverkehr hält auch die Kreistags-Fraktion Die Linke nichts. „Wir diskutieren lieber seriöse Vorschläge“, erklärte Fraktionschef Björn Griese.

Mit der umstrittenen Forderung will Klüver nach eigenen Angaben den Nahverkehr zum Durchbruch verhelfen. „Alle bisherigen Informations- und Werbemaßnahmen haben nicht den gewünschten Erfolg erzielt“, meint Klüver. „Bei Personengruppen, die bisher wenig oder gar nicht den ÖPNV nutzen, könnten Hemmschwellen durch einen fahrscheinlosen und kostenfreien Tag abgesenkt werden. Positive Erfahrungen aus eigener Anschauung haben den größten Effekt in Hinsicht auf eine Gewohnheitsumstellung“, so Klüver.

Aus rein pragmatischer Sicht lehnt der Schlagsdorfer SPD-Kreistagsabgeordnete Jens Strohschein Klüvers Vorstoß ab: Der Vorschlag sei schon deswegen wenig durchdacht, da mittwochs viele Behörden nur bis mittags geöffnet seien. „Bei aller Ernsthaftigkeit: Um den ÖPNV zu bewerben, braucht man nicht in Populismus zu verfallen und Freifahrtscheine auf Kosten der Steuerzahler verteilen. Als Pirat kann Herr Klüver aber gerne auf seine Schatzkiste zurückgreifen, um seine Werbemaßnahme zu finanzieren.“

Grünes Licht für die kostenlosen Bus-Fahrtage müsste Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss geben. Doch die Verwaltungschefin winkt ab und sagte gegenüber der SVZ: „Ich glaube nicht, dass diese ,Werbemaßnahme‘ zu mehr Fahrgästen führen wird, lediglich zu Einnahmeausfällen bei Nahbus im fünfstelligen Bereich.“ Die verlorengegangenen Einnahmen sollten besser in neue aktuelle Fahrpläne investiert werden, die kostenlos an jeden Haushalt verteilt werden, so die Landrätin.

Diesen möglichen Weg unterstützt die Kreistagsabgeordnete Regina Groß (Bündnis 90/Die Grünen): „Wir müssen uns alle anstrengen, damit der ÖPNV in Nordwestmecklenburg endlich eine Erfolgsgeschichte wird.“

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