Stipendiaten in Plüschow : Freie Kunst mitten auf dem Land

Minh Duc Pham aus Vietnam befasst sich mit philosophischer Selbstzerstörung durch Verführung.  Fotos: Tore Degenkolbe
1 von 4
Minh Duc Pham aus Vietnam befasst sich mit philosophischer Selbstzerstörung durch Verführung. Fotos: Tore Degenkolbe

Das Mecklenburgische Künstlerhaus hat fünf internationale Künstler zum Arbeiten auf das Schloss Plüschow geholt

svz.de von
22. November 2017, 21:00 Uhr

Ein riesiges Schloss und fünf Bewohner – und allesamt Künstler. Fünf Stipendiaten wohnen drei Monate lang im dort ansässigen Mecklenburgischen Künstlerhaus. Am Wochenende zeigen sie beim Tag der offenen Tür eine Kostprobe ihres Könnens.

„Es sind fünf internationale Künstler, die seit Oktober hier arbeiten“, sagt die Leiterin des Künstlerhauses, Miro Zahra. Neben einer Deutschen kommen die Künstler nämlich aus Vietnam, Südkorea, Österreich und dem Irak. Die Internationalität war der Jury, welche die Stipendien vergibt, wichtig. Das betont Miro Zahra, die der Jury selbst beiwohnt. „Unser Land, unsere Region und die Künstler untereinander profitieren von der vielseitigen Herkunft“, erklärt sie.

Das Zusammenleben in dieser Künstler-Wohngemeinschaft gestaltet sich für die Fünf unkompliziert. Jeder hat ein eigenes Zimmer, direkt angrenzend an das eigene Atelier. So hat jeder seinen privaten Rückzugsort und Zeit, sich der Arbeit zu widmen.

Das Fokussieren ist ohnehin der vielleicht größte Vorteil des Aufenthalts im Schloss – neben der finanziellen Absicherung. Denn für die Miete wird nichts berechnet und das Stipendium vom Land Mecklenburg-Vorpommern mit 1000 Euro gefördert. Losgelöst von den Sorgen um die Finanzen können die Künstler sich ganz ihrem Schaffen widmen.

„Ich komme aus Berlin, da ist es mit der Ruhe nicht ganz so einfach“ erzählt Lotta Dorina Bartoschewski. Die Künstlerin beschäftigt sich in ihrem eigenen Atelier mit Arbeiten aus Gips. „Das fing schon während meines Studiums an und setzte sich weiter fort“, berichtet sie.

Der Aufenthalt im Schloss, beziehungsweise im ländlichen Raum inspiriert sie, wie sie berichtet. „In Berlin arbeite ich viel mit den Dingen, die ich auf der Straße finde. Hier habe ich wiederum angefangen, Blätter zu sammeln.“

Auch Jungwoon Kim aus Südkorea lässt die Natur in ihre Arbeiten miteinfließen. Mit Schablonen und Schnitten verbindet sie moderne Formen mit Althergebrachtem. „Es soll eine Verknüpfung zwischen der Moderne und zum Beispiel menschlicher Anatomie sein“, so die 36-jährige Künstlerin. Da sie ihren Tag selbst gestalten kann, lässt sie sich gerne bei Spaziergängen inspirieren.

„Auf der Etage teilen sich drei Künstler ein Bad, da kommt es zwangsläufig zu Kontakten“, sagt Miro Zahra. Allerdings seien die in der Gemeinschaft sehr solidarisch. Zum Beispiel, wenn einer der anderen Künstler mal Hilfe braucht. „Das stimmt. Der Umgang untereinander ist sehr natürlich und nett mit den anderen“, findet auch Jungwoon Kim.

Ins Leben gerufen wurde das Stipendium 1993. „Das Hauptziel ist es, neue Impulse für bildende Künstler zu setzen und auch mal experimentell zu werden“, erklärt Miro Zahra. Und dafür eignet sich das Schloss Plüschow hervorragend und die Vielfalt der Künstler in ihren Augen bestens.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen