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Schönberger Volkskundemuseum : Fotos von 1850 vor Verfall gerettet

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Mit Hilfe einer Berliner Restauratorin und der Unterstützung mehrerer Spender konnte das Schönberger Volkskundemuseum drei Fotografien nun aufarbeiten lassen - und damit vor der endgültigen Zerstörung bewahren.

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erstellt am 28.Jun.2013 | 06:30 Uhr

Benzin/Schönberg | Die Zeit hat dem Paar auf der alten Fotografie übel mitgespielt: In kleinen Schuppen löst sich die obere Schicht, der Asphaltlack, vom Bildträger. An einer Stelle am Hals der Frau ist er bereits verschwunden und hat ein durchsichtiges Loch in die Aufnahme gerissen. Weiterer Verfall hätte die Fotografie irgendwann gänzlich ruiniert. Dabei hat das Stück, das sich im Bestand des Schönberger Volkskundemuseums befindet, eigentlich einen ganz besonderen Wert. Denn in sauberer Schrift ist auf der Rückseite des Bildes akribisch notiert, wen die Fotografie zeigt: "Ein Handwerker-Ehepaar aus Schönberg. Der Mann ist 1834 geboren und 1865 gestorben", berichtet Museumsleiter Olaf Both.

Mit Hilfe einer Berliner Restauratorin und der Unterstützung mehrerer Spender konnte das Volkskundemuseum diese und zwei weitere Fotografien nun aufarbeiten lassen - und damit vor der endgültigen Zerstörung bewahren. Die drei Aufnahmen eint die Zeit aus der sie stammen - die Jahre zwischen 1850 und 1860 - und das Verfahren, in dem sie fixiert wurden: Die Ambrotypie ist ein altes Direktpositiv-Verfahren, bei dem eine Kollodiumschicht auf Glas als bildtragende Schicht übertragen wird. Das weißliche Glasnegativ wird mit schwarzem Papier hinterlegt und erhält so seine positive Bildwirkung. Heute, rund 150 Jahre nach ihrer Hochphase, seien Ambrotypien sehr selten. "In unserem gesamten Bestand befinden sich nur etwa zehn Stück", verdeutlicht Both.

Dazu gehören auch die beiden anderen Aufnahmen, die das Volkskundemuseum zur Restaurierung schicken konnte: Das eine, ein kleines Fensterbild, aufgenommen um 1860, zeigt drei Damen in Trachten aus Benzin. "Hier war das Problem, dass das Bild einen Schimmelbefall hatte. Was einmal weg ist, ist nicht wieder herzustellen. Aber wir konnten durch die Restaurierung verhindern, dass der Schimmel sich weiter ausbreitet." Dazu habe die Restauratorin die Glasplatten auseinander nehmen, das Bild reinigen und den Schimmel entfernen müssen. Bei der dritten Ambrotypie, die zwei Herren um 1850 zeigt, löste sich ebenfalls die oberste Lackschicht ab, die Hand des einen Mannes war schon nicht mehr zu erkennen.

"Löst sich der Asphaltlack ab kann man dies beispielsweise mit Alkohol rückgängig machen", erläutert Museologe Both. Allerdings: Im Fall dieser Aufnahme sei das Bild nicht mehr zu retten gewesen. "Die Restauratorin hat es stattdessen in einem Spezialverfahren am Bildschirm bearbeitet und so eine digitale Kopie des Bildes erstellt", erklärt Both. So konnte sie, durch Spiegelung der rechten Hand, sogar die fehlende Hand rekonstruieren. Rund 150 Jahre, schätzt Both, könnten die Fotografien nun wiederum bewahrt werden. Während die beiden Foto-Platten künftig in der Dauerausstellung des Museums zu sehen sein werden, benötigt das kleine Fensterbild eine besonders sorgsame Behandlung.

"Es ist so lichtempfindlich, dass wir es nicht in einer Ausstellung aufhängen könnten. Stattdessen überlegen wir, es in eine Art Schrank zu hängen. Mit dem Öffnen geht eine Beleuchtung an, so dass die Besucher das Bild besichtigen können." Insgesamt 1500 Euro hat die aufwendige Restaurierung gekostet. Für das Museum, das für Restaurierungen keine öffentlichen Gelder erhält, nicht zu stemmen. 750 Euro des Betrags haben deshalb die Volks- und Raiffeisenbank sowie ihre Bürgerstiftung gespendet.

"Wir leben und arbeiten hier und fühlen uns verantwortlich, in der Region solche interessanten und erhaltenswerten Projekte zu unterstützen", begründete Jens Krakow, Regionalleiter bei der VR-Bank Gadebusch/Grevesmühlen, das Engagement. Weitere Spenden kamen von der Wohnungsgesellschaft Radegasttal sowie privaten Spendern.

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