Woitendorf : Försterei setzt auf Pferdestärke

Augenmaß und ein feines Händchen - Forstwirt Burghard Hinz und Kaltblüter Veit bei der Arbeit.
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Augenmaß und ein feines Händchen - Forstwirt Burghard Hinz und Kaltblüter Veit bei der Arbeit.

Im Woitendorfer Wald rücken Kaltblüter das Holz. Der Grund: Hier im Revier müssen Naturschutzaspekte berücksichtigt werden

svz.de von
21. Juli 2014, 00:01 Uhr

Als Vento die leichte Last spürt, geht das Temperament mit ihm durch. Mit einem Ruck straffen sich die Ketten und Forstwirt Michael Weinberg muss sich sputen, damit ihm die Leinen nicht aus der Hand gerissen werden. Ein paar übermütige Galoppsprünge später bringt der braune Kaltblüter seine 800 Kilogramm Körpergewicht brav zum Stehen, das Baumstück wird ordnungsgemäß am Forstweg abgelegt, bevor Ross und Mensch wieder den Hügel hinauf zur nächsten Fuhre stapfen.

Im Woitendorfer Forst wird Holz gerückt. Im Einsatz: Pferde. Die Mecklenburger Kaltblüter Vento und Veit sind feste Mitarbeiter des Forstamtes Radelübbe, zu dem die Revierförsterei Woitendorf gehört. Umweltfreundlich und bodenschonend holen sie das Holz aus dem Wald, bringen es zur Abholung an die Wirtschaftswege.

„Wir sind FSC-zertifiziert, müssen den Wald schonen und haben darum ein weniger dichtes Netz von Forstwegen“, erklärt Revierförster Thomas Krüger. „Wo Harvester und Seilwinde das eingeschlagene Holz nicht erreichen, setzen wir deshalb Pferde ein.“ Für die Gespannführer Michael Weinberg (28) und Burghard Hinz (53) beginnt der Arbeitstag früh um sieben mit der Versorgung der Pferde. Dann geht es mit dem Pferdeanhänger zum Einsatzort. Nicht immer ist es dort so übersichtlich wie an diesem Tag. Auf dem Hügel ist der Boden frei, kein Unterholz behindert die Pferde bei der Arbeit. „Veit ist sensibel. Wenn zu viele Äste herumliegen, müssen die erst beiseite.“ Hinz tätschelt seinem vierbeinigen Arbeitskollegen liebevoll den Hals. Schon zu DDR-Zeiten hat er mit Pferden im Wald aufgeräumt. „Seit 1982 bin ich dabei. Damals fuhren wir auch noch Schichtholz, die Pferde mussten vorm Wagen gehen“, erinnert er sich. Heute ziehen sie nur Baumstämme.

Weinberg ist erst einige Monate mit dabei. Als sein Vorgänger krankheitsbedingt ausfiel, bewarb er sich gezielt für die Forstarbeit mit Pferd. „Ich liebe Tiere, dies ist mein Traumjob.“ Im Hochsommer sind die Gespanne nur selten im Einsatz. „Die Schutzkleidung ist extrem warm“, so Krüger, „und die Pferde leiden zuweilen sehr unter den Insekten.“ Zur Bestätigung schüttelt Veit unwillig den großen Kopf, um die Lästlinge abzuwehren. Burghard Hinz kennt seinen Rotschimmel schon lange, hat ihn selbst ausgebildet: „Er ist da besonders empfindlich und scheuert sich dann die Mähne, weil es so juckt.“

Revierförster Krüger ist froh über die Vierbeiner: „Das Besondere ist bei uns die Mischung aus Nutzwald und Biosphären-Reservat.“ Bei der Holznutzung müssen deshalb Naturschutzaspekte berücksichtigt werden. „Der Woitendorfer Forst steht auf fruchtbarem, feuchtem Boden. Unser Laubwald, vor allem Buchen, hat viel Unterholz aus Jungbäumen“, erklärt Krüger. Traktoren und Harwester verdichten den Boden extrem und schädigen bei der Arbeit das Jungholz. „Die Pferde sind zwar langsamer, dafür aber waldschonend. Letztlich rechnet sich das dann wieder.“

Nachmittags um drei ist für Veit und Vento an diesem Tag Feierabend. Nicht für Hinz und Weinberg. Für sie heißt es Pferde abschirren, tränken und zurück zu Stall und Koppel fahren.

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