zur Navigation springen

Flüchtlingsbetreuung im Nordwestkreis : Flüchtlinge: Es gibt keine Koordination der Aufgaben

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Interview mit Simone Oldenburg, Kreistagsmitglied und Landtagsabgeordnete von der Partei Die Linke

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2016 | 05:05 Uhr

Zwei Sozialarbeiter kümmern sich derzeit um die dezentrale Betreuung von gut 100 Flüchtlingen in den Amtsbereichen Gadebusch, Rehna und Lützow-Lübstorf. Von der Neuausschreibung einer bereits gescheiterten Vergabe dieser Leistungen an einen freien Träger sieht der Landkreis derzeit ab. Im Interview mit Holger Glaner äußert sich dazu Simone Oldenburg, Kreistagsmitglied und Landtagsabgeordnete der Partei Die Linke.

Wie bewerten Sie die Aussage des Landkreises, die Leistungen der dezentralen Betreuung von Asylbewerbern vor dem Hintergrund sinkender Flüchtlingszahlen für die Amtsbereiche Gadebusch, Rehna und Lützow-Lübstorf derzeit nicht neu auszuschreiben?

Im Landkreis muss es für alle Aufgabengebiete feste Strukturen geben, dazu gehört auch die Flüchtlingspolitik. Darauf zu warten, dass sich Aufgaben von alleine erledigen, ist der falsche Weg. Fakt ist, dass auch in den Bereichen Rehna und Gadebusch circa 100 Asylbewerber leben. Sie benötigen Unterstützung bei der Integration, so wie alle anderen Menschen dort Hilfe erhalten müssen, wo sie sie benötigen. Die bereits vergebenen Lose dürfen nicht einfach ausgeweitet werden. Wo keine Strukturen bestehen, wird es keine Integration und kein erfolgreiches Zusammenleben geben.
Welche Gefahren könnte es nach sich ziehen, wenn die Leistungen nicht neu ausgeschrieben werden?

Wenn für den genannten Bereich keine Neuausschreibung erfolgt, ist dies ein Wegducken des Landkreises vor neuen Aufgaben, die aber zwingend angepackt werden müssen. Hier weiterhin von der Hand in den Mund zu leben, wird zu Schwierigkeiten führen, die mit jedem Tag, der vergeht, größer werden. Wer kümmert sich beispielsweise um die schulpflichtigen Kinder? Wer unterstützt die Eltern bei der Anmeldung an der Schule? Alles auf den Schultern der Ehrenamtler abzuladen, ist ein fataler Fehler. Die ehrenamtlichen Unterstützer leisten eine beispielgebende und hervorragende Arbeit. Aber es darf nicht ihnen aufgebürdet werden, Aufgaben und Verantwortungen des Landkreises zu übernehmen.

Vorübergehend kann sich hier der in den anderen Gebieten des Landkreises tätige Träger in Gadebusch und Rehna einbringen, das darf aber niemals eine Dauerlösung sein. Sich aber damit herauszureden, dass man überlegt, die Leistungen überhaupt neu auszuschreiben, zeugt nicht von Weitblick. Wir schließen doch auch nicht das Jobcenter, weil saisonal die Arbeitslosenzahl sinkt.
Nach eigenen Aussagen ist der Versuch des Landkreises, besagte Leistungen aus eigener Kraft zu erbringen, gescheitert. Welche Ursachen sehen Sie dafür?

Die Kreisverwaltung hat keine geeigneten Fachkräfte gefunden und hat die Aufgabe deshalb ausgeschrieben. Somit ist beim Landkreis auch nicht ausreichend Fachpersonal vorhanden, das sich um diesen Bereich erfolgreich kümmern kann. Ein freier Träger ist sicherlich flexibler und wesentlich besser vernetzt.
Auch gibt es keinen Fachdienst Asyl im Landkreis Nordwestmecklenburg und somit keine Koordination der bestehenden und künftigen Aufgaben.
Die erfolgreiche Arbeit des Vereins SchuLZ e.V. zeigt, wie Integration gelingen kann, aber es verdeutlicht auch, dass eine Arbeitswoche mehr als 60 Stunden hat. Eine zusätzliche Aufgabe, ohne das Personal zu haben, kann nicht auf Dauer geschultert werden.
Welche Vorgehensweise erwarten Sie nun von der Verwaltungsspitze des Landkreises, insbesondere auch für die Amtsbereiche Gadebusch, Rehna und Lützow-Lübstorf?
Selbstverständlich muss eine Neuausschreibung - auf Grundlage der veränderten Situation - für diesen Bereich erfolgen. Niemand kann voraussagen, wie sich die Anzahl der Flüchtlinge entwickeln wird, solange man nicht umfassend die Fluchtursachen bekämpft. Ich erwarte unkompliziertes und zügiges Handeln des Landkreises, damit die Asylbewerber umfassend und durch fachlich versiertes Personal betreut und integriert werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen