Anschlag in Roggendorf : Flüchtlinge erneut auf der Flucht

Awad Aljassem holte gestern die letzten Sachen, darunter Babyspielzeug, aus der Wohnung der Familie in Roggendorf. Unbekannte Täter hatten ihre Bleibe mit Steinen beworfen, der erst zehn Monate alte Sohn der Familie entging der Attacke nur knapp und blieb unverletzt. Jetzt ermittelt der Staatsschutz. Fotos: Holger Glaner
Awad Aljassem holte gestern die letzten Sachen, darunter Babyspielzeug, aus der Wohnung der Familie in Roggendorf. Unbekannte Täter hatten ihre Bleibe mit Steinen beworfen, der erst zehn Monate alte Sohn der Familie entging der Attacke nur knapp und blieb unverletzt. Jetzt ermittelt der Staatsschutz. Fotos: Holger Glaner

Syrische Familie verlässt nach Steinwürfen Wohnung in Roggendorf. Zehn Monate alter Junge blieb unverletzt. Der Staatsschutz ermittelt

svz.de von
30. März 2016, 21:00 Uhr

Eine Familie kommt nicht zur Ruhe. Nach ihrer Flucht aus Syrien und dem Bezug einer Wohnung vor gut fünf Monaten in einem Mehrfamilienhaus in Roggendorf flieht Awad Aljassem mit Frau und Kind sowie seinen beiden Brüdern erneut. Unbekannte Täter hatten in der Nacht zum Karfreitag mit Steinen die Scheiben ihrer Wohnung beworfen. Nur mit viel Glück blieb der zehn Monate alte Sohn des 32-Jährigen unverletzt, als Fensterglassplitter nach einem Steinwurf durchs Schlafzimmer flogen.

Gestern holte die syrische Familie die letzten Habseligkeiten aus der Roggendorfer Wohnung, nachdem sie bereits unmittelbar nach der Steinwurfattacke auf eigenen Wunsch in die zentrale Unterkunft für Asylbewerber nach Wismar verlegt worden war. Eine zweite syrische Familie indes, deren Wohnung in derselben Nacht, in derselben Straße ebenfalls Ziel einer Steinwurfattacke war und in der gleichfalls Fensterscheiben zu Bruch gegangen waren, bleibt in dem kleinen Ort.

Landrätin Kerstin Weiss wurde bereits am frühen Freitagmorgen über den Vorfall informiert. „Wer Steine durch Fensterscheiben wirft, muss damit rechnen, dass dahinter Kinder schlafen. Das war kein dummer Jungenstreich, sondern ein feiger und gezielter Anschlag. Ich hoffe, dass die Täter schnell gefunden und dingfest gemacht werden“, so die Landrätin gegenüber SVZ.

Awad Aljassem erinnert sich noch genau an die Geschehnisse in der Nacht zum Karfreitag. „Es war so gegen halb eins, als ich draußen Stimmen hörte und dann Scheiben zerbrachen. Ich lief zu meiner Frau und sah, dass sie am Arm blutete. Mein Sohn war glücklicherweise nicht verletzt. Dann bin ich sofort die Treppen hinunter und nach draußen gelaufen, habe die Gegend abgesucht, aber es war niemand mehr zu sehen“, so der Familienvater. Danach habe er die Notrufnummer 112 angerufen, kurz darauf waren ärztliche Hilfe und Polizei vor Ort.

Die Polizei hingegen informierte die Öffentlichkeit erst am Mittwochnachmittag, also ganze sechs Tage nach der Steinwurf-Attacke, und erst auf Nachfrage der SVZ über die nächtlichen Vorkommnisse in Roggendorf. Warum so spät? „Aufgrund der Sachlage, die sich nach Bekanntwerden als sehr unklar dargestellt hat, und aufgrund des nicht vorhandenen Personenschadens, wurde der Vorfall als nicht öffentlichkeitsrelevant eingeschätzt“, sagt Sophie Pawelke vom Polizeipräsidium Rostock. „Erst jetzt, nachdem die Untersuchungen vorangeschritten sind und neben der Sachbeschädigung auch in Richtung eines rechtsmotivierten Hintergrunds ermittelt wird, haben wir uns für eine Mitteilung an die Pressevertreter entschieden.“ Der Staatsschutz der Kriminalpolizeiinspektion Schwerin hat gegen die noch unbekannten Steinewerfer von Roggendorf die Ermittlungen aufgenommen.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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