Wohnungsnotstand : Flüchtlinge: Abzocke statt Hilfe

<p>Skandal: Auch in Nordwestmecklenburg fordern einige Immobilienbesitzer für Flüchtlingswohnungen höhere Quadratmeterpreise.</p>
1 von 2

Skandal: Auch in Nordwestmecklenburg fordern einige Immobilienbesitzer für Flüchtlingswohnungen höhere Quadratmeterpreise.

Einige Immobilienbesitzer wollen in Zeiten der Wohnungsnot offenbar Profit machen und bieten Schrottimmobilien zum Kauf an

von
04. November 2015, 08:00 Uhr

Auch in Nordwestmecklenburg versuchen offenbar Immobilienbesitzer aus der Flüchtlingskrise Kapital zu schlagen. So fordern sie für Flüchtlingswohnungen höhere Quadratmeterpreise und wollen so die Richtlinie zu den Kosten der Unterkunft (KdU) umgehen. Diese sieht als Maßgabe einen Mietpreis von fünf bis 6,50 Euro je Quadratmeter vor.

Eine Mitarbeiterin der Kreisverwaltung erklärte inzwischen gegenüber Mitgliedern des Finanzausschusses: „Es ist richtig, dass einige Vermieter versuchen, da auszubrechen.“ Noch kann der Landkreis aber offenbar gegensteuern, indem er auf die Einhaltung der KdU-Richtlinie pocht und sich dabei mit potenziellen Vermietern teilweise auch „härtere Diskussionen liefert“.

Von einer schwierigen Situation spricht der Fraktionschef der Linken im Kreistag, Björn Griese. Er hält es für problematisch, wenn Vermieter Wohnungen in schlechtem Zustand anböten, dafür aber hohe Preise verlangten. „Der Landkreis sollte daher weiterhin zunächst den Weg zu den Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften suchen, zumal sich diese oftmals in kommunaler Hand befinden“, sagt Björn Griese.

Einige Immobilienbesitzer bieten dem Landkreis inzwischen auch komplette Gebäude zum Kauf an. Dabei stellen sie teilweise allerdings überzogene Forderungen, sagt Kreis-Sprecherin Petra Rappen. So sollte beispielsweise der Landkreis für ein unsaniertes Gutshaus bei Wismar 300  000 Euro zahlen. Der Kauf kam nicht zustande.

Mit Stand vom 19. Oktober sind in Nordwestmecklenburg 576 Flüchtlinge/Asylbewerber in 139 Wohnungen kreisweit dezentral untergebracht. Für 2016 rechnet der Landkreis mit 500 bis 600 Wohnungen, die zur Unterbringung gebraucht werden. „Ob wir diese mit den entsprechenden finanziellen Vorgaben auf dem freien Wohnnungsmarkt akquirieren können, wissen wir zum derzeitigen Zeitpunkt nicht“, erklärte Petra Rappen. Nach einer aktuellen Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts werden gar 790 Wohnungen für Flüchtlinge in Nordwestmecklenburg benötigt.

Kein Wunder also, dass sich der Landkreis inzwischen nach geeigneten Möglichkeiten für die Einrichtung einer zweiten Gemeinschaftsunterkunft umschaut. Bislang ist die Wismarer Haffburg die einzige Unterkunft dieser Art in Nordwestmecklenburg. Dort leben derzeit mehr als 400 Flüchtlinge/Asylbewerber. 

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen