flüchtlingsdrama : Flucht: Ehrenamt koordiniert sich

Ehrenamtliche Helfer und Mitarbeiter des Landkreises suchten nach einer Koordination zur Flüchtlingsproblematik.
Ehrenamtliche Helfer und Mitarbeiter des Landkreises suchten nach einer Koordination zur Flüchtlingsproblematik.

5000 Flüchtlinge werden im Landkreis erwartet. Aktuell werden 800 Menschen betreut

svz.de von
16. September 2015, 23:45 Uhr

Das Flüchtlingsdrama nimmt keine Ende. Täglich kommen weitere Syrer, Afghanen oder Serben nach Deutschland. Nach Angaben von Landrätin Kerstin Weiss gibt es derzeit in Nordwestmecklenburg mehr als 800 Flüchtlinge. Weitere werden folgen. Darauf laufen Hochrechnungen von Fachgremien hinaus. Nach SVZ-Informationen könnte sich die Zahl der Flüchtlinge in den kommenden Monaten auf bis zu 5000 Menschen im Nordwesten erhöhen.

Der Landkreis ist gefordert. „Ständig wird nach neuen Unterkünften gesucht“, so Landrätin Kerstin Weiss. Von den nach Mecklenburg-Vorpommern zugeteilten Flüchtlingen, kämen derzeit 7,29 Prozent nach Nordwestmecklenburg. Ab dem 1. Januar seien es 9,91 Prozent. „Jedem Flüchtling stehen sechs Quadratmeter Wohnraum – nicht gerechnet Küche, Bad und Verkehrsraum – sowie 216 Euro Bargeld zur Verfügung, einem weiteren Familienmitglied 174 Euro. Kinder bis sieben Jahre erhalten 133 Euro, ab sieben Jahre bekommen Kinder 157 Euro.

Außer Geld gibt es Unterstützung durch Initiativen und Bürger. Doch die Helfer kämpfen oft für sich alleine, wissen nicht, wo was fehlt und wer ihnen die wichtigsten Fragen beantwortet. Eine Koordinationsstelle soll jetzt Abhilfe ermöglichen.

Landrätin Kerstin Weiss lobt deren Engagement, sieht die Federführung des Hilfsprojektes aber bei den Mitarbeitern im Landkreis: „Dafür gibt es Verantwortliche im Fachdienst Soziales, die Mitmachzentrale des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und die Sozialarbeiter, die den direktesten Kontakt zu den Flüchtlingen haben.“ Letztere allerdings seien derzeit so überlastet, dass sie nicht für eine Koordination aller Fragen in Frage kommen.

„Es ist richtig, dass wir viele Helfer brauchen und auch froh und dankbar sind, dass es sie gibt, aber ohne den Landkreis geht es nicht und dort muss die Koordinationsstelle sitzen“, erklärte auch Ekkehard Giewald, Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbandes Nordwestmecklenburg.

In Arbeit ist ein Heft mit den wichtigsten Telefonnummern und Anlaufstellen. Insgesamt wünschen die Helfer ein Stück mehr an Transparenz bei Hilfsangeboten. Derzeit gäbe es viele verschiedene einzeln geplante Aktionen, mit denen Flüchtlinge geholfen würde, sagte Norbert Koschmieder vom katholischen Pfarramt Grevesmühlen, der zum Beispiel für Deutschunterricht in Mallentin und Grevesmühlen sorgt.

Ähnlich sah es auch der Gadebuscher Dirk Lahmann. In seinem Mehrfamilienhaus seien einige Flüchtlinge untergebracht. Er helfe, wann immer er könne, machte allerdings auch negative Erfahrungen. „Es gab Mazedonier, die bis zum letzten Tag ihrer Abschiebung warteten, in der Hoffnung, man würde sie vergessen. Manchmal helfen auch keine Erklärungen“, sagte der Gadebuscher. Dennoch unterstützen die Gadebuscher: Rosemarie Schwank gibt an vier Tagen in der Woche Deutschunterricht im Rathaus. Der werde toll angenommen, doch auch hier vermisse sie die nötige Koordination von Seiten des Landkreises. „Manchmal sind die Menschen einfach nicht mehr da und ich habe keine Ahnung warum oder wo sie abgeblieben sind“, sagte die Gadebuscherin.

Die ehrenamtlichen Helfer und der Landkreis wollen weiter in Kontakt bleiben. Das nächste Treffen findet am 13. Oktober in der Malzfabrik statt. Der Fachdienst Soziales ist beim Kreis unter der Rufnummer 03841-30405000 erreichbar.

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