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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. November 2017 | 09:20 Uhr

Fleischskandal: Firmen werben um Vertrauen

vom

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erstellt am 18.Feb.2013 | 06:55 Uhr

Gadebusch | Pferdefleisch aus dem Ausland statt Rindfleisch - das, was in einigen Betrieben der Lebensmittelindustrie als Zutaten für tiefgefrostete Menüs verarbeitet wurde, kommt bei regionalen Produzenten erst gar nicht auf den Tisch. Lars Puttkammer, Geschäftsführer der gleichnamigen Fleischwaren Spezialitäten GmbH in Gadebusch: "Wir verarbeiten zu 70 Prozent Schweinefleisch und 30 Prozent Hähnchen und Pute von landwirtschaftlichen Betrieben aus Mecklenburg-Vorpommern wie der Mecklenburger Landpute."

Der Pferdefleisch-Skandal sorgt aber dennoch für eine Menge Arbeit: "Unsere Kunden, die Handelsunternehmen, wollen eine Bestätigung, dass wir kein Pferdefleisch verarbeiten. Weiterhin müssen wir bestätigen, dass wir mit den in die Kritik geratenen Firmen nicht zusammenarbeiten." Diese Sicherheit könne man den Kunden mit ruhigem Gewissen geben.

Nicht weniger aktiv ist das Veterinär- und Lebensmittel-Überwachungsamt des Landkreises Nordwestmecklenburg. "Die Schlachtbetriebe haben die Aufforderung, einen lückenlosen Nachweis über die in 2012 geschlachteten Pferde zu erbringen", sagt Kreis-Pressesprecherin Petra Rappen. Der Schlachtbetrieb Möllin, als qualifiziertes Unternehmen, habe den Nachweis über Herkunft, Schlachtung und Empfangsfirmen gestern umgehend erbracht. Geschäftsinhaber Frank Speck: "Pferde sind in einem Schlachtbetrieb nichts ungewöhnliches. Eine Verarbeitung erfolgt nur mit der Vorlage eines Pferdepasses. Dieser gibt Auskunft, ob das Fleisch für den Verzehr geeignet oder das Tier zu Futterfleisch für den Zoo verarbeitet wird." Das ist Voraussetzung in Deutschland. Insbesondere regionale Tierhalter bevorzugen eine Schlachtung direkt vor Ort, so der Unternehmer. In 2012 habe sein Unternehmen insgesamt 16 Pferde geschlachtet. Das Fleisch wurde mit Knochen an Zoos geliefert bzw. zur Weiterverarbeitung an eine Roßschlachterei zur Wurstherstellung in Lübeck. Grundsätzlich liefere man die Ware am Knochen und sämtlichen Nachweisen aus. "Die Papiere über die Herkunft und Auslieferung haben wir heute dem Landkreis zugearbeitet", sagt Frank Speck.

Der Chef vom Schlachtbetrieb hält den Genuss von Pferdefleisch grundsätzlich für akzeptabel. Die Verwertung von Pferdefleisch sei aber regional unterschiedlich gewachsen. Das Wurstsortiment in seinen Geschäften enthalte aber kein Pferdefleisch. "Unsere Ware stammt von regionalen Handwerksbetrieben wie Horstmann. Sämtliche Geschäfte beruhen auf einem großen Vertrauensverhältnis. Ein wichtiger Faktor - und an diesem Prinzip halten wir fest", sagt Speck. Beim Mölliner Unternehmer bleiben Rind- und Schweinefleisch die Zutaten für die verkauften Wurstwaren.

Von Nervosität unter den Kunden kann Fleischverkäuferin Heidrun Mehs in Lützow nicht sprechen: "Die Kunden wollen darüber informiert werden, ob die Waren vorwiegend aus eigener Produktion stammen. Das können wir mit Ja beantworten."

Die jüngsten Vorfälle stuft Feinkostwurstwarenproduzent Lars Puttkammer als "Betrug am Verbraucher ein", denn der habe das Recht auf klare Aussagen und eindeutig deklarierte Waren, die eine Nachverfolgung über die Zulieferer hinaus ermöglichen. "Die Ereignisse bringen die gesamte Branche in die Schlagzeilen", sagt Lars Puttkammer. So etwas könnten sich Familienbetriebe nicht erlauben. "Wir stehen mit unserem Namen für ehrliche Geschäfte und das seit fünf Generationen", so Puttkammer. Einen anderen Weg werde man nicht gehen.

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